Neue Konkurrenz für Google und Yahoo
Microsoft-Suchmaschine startet ohne Tamtam

Alle reden von Microsofts neuer Internet-Suchmaschine ( beta.search.msn.com ), nur Microsoft nicht. Ohne Pressekonferenz und Interviews von Topmanagern brachte der Softwarekonzern Ende vergangener Woche eine Vorabversion seiner lang erwarteten Internet-Suchmaschine in Umlauf.

HB PORTLAND. Das Aufsehen hätte jedoch auch mit Trommelwirbel und Zirkuskapelle nicht größer sein können. Während das Unternehmen aus taktischen Gründen den Ball flach hielt, nahm die Presse die Freigabe der Suchmaschine als das, was sie ist: die erste Salve in Microsofts Frontalangriff auf Google und Yahoo, die mit suchgebundener Werbung viel Geld verdienen.

Das allgemeine Urteil nach einer ersten Prüfung lautet, dass Microsoft nach 18monatiger Arbeit von über 100 Entwicklern und 300 Mill. Dollar Kosten ein „Me-too-Produkt“ auf den Markt bringt, das nicht deutlich schlechter als die Konkurrenz ist. In der Suche nach Antworten auf Fragen wie „Wie groß ist die Bevölkerung von Deutschland" ist Microsoft sogar Google überlegen. „Auf absehbare Zeit ist die neue Suchmaschine aber kein Google-Killer", sagte Danny Sullivan vom Branchendienst SearchEngineWatch.com.

Die leise Einführung der neuen Suchmaschine hat zwei Gründe. Zum einen will der Softwareriese die Kartellwächter nicht mit einer offenen Kriegserklärung an Google und Yahoo alarmieren. Zum anderen gibt die Beta-Version die Möglichkeit zu weiteren Verbesserungen ohne sich der Häme der Softwareexperten auszusetzen, die die Suchfunktion als fertiges Produkt viel schärfer kritisiert hätten. Überraschenderweise will Microsoft die Geschäftsverbindung zu Yahoo aufrechterhalten, die bislang die Suchtechnologie für das Internet-Portal von Microsoft MSN lieferte und deren Tochter Overture weiterhin suchbezogene Werbung auf MSN verkauft.

Unzweifelhaft hat Microsoft der eigenen Suchfunktion eine zentrale Rolle bei der Popularisierung ihres MSN-Internetportals zugedacht. Acht Mrd. Dollar steckte das Unternehmen in den vergangenen vier Jahren in die Entwicklung von MSN, die im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 2004 zum ersten Mal schwarze Zahlen schrieb. Im vierten Geschäftsquartal setzte MSN mit Internet-Werbung 540 Mill. Dollar um. „Die Bedeutung der Suchfunktion für den Verkehr auf einer Internet-Site ist enorm", sagt Brewster Kahle, Gründer der non-profit Organisation Internet Archive in San Francisco.

Die Frage ist, wann Microsoft mit einer fertigen Version der Suchmaschine für das Internet und für die Speicher individueller Computer auf den Markt kommt. Ein Konkurrenzprodukt zu Googles „Desktop Search" für einzelne PC ist noch in diesem Jahr geplant. Der große Hammer kommt aber erst, wenn Microsoft die Suchfunktion nahtlos in das Windows-Betriebssystem integriert und damit die Monopolposition bei PC-Betriebssystemen als langen Hebel gegen die Konkurrenz ansetzt. Die hat jedoch das Schicksal von Netscape vor Augen und sitzt ebenfalls nicht still.

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