Neue Kooperation

Der Aufzug geht in die Cloud

Thyssen-Krupp und Microsoft verkünden eine Partnerschaft, die selbst die ältesten Aufzüge ins digitale Zeitalter führen soll. Die Cloud soll eine bessere Übersicht über den Zustand der Aufzüge ermöglichen.
Gemeinsam mit dem Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp will Microsoft Fahrstühle auf der ganzen Welt digitalisieren. Quelle: ap
Aufzug

Gemeinsam mit dem Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp will Microsoft Fahrstühle auf der ganzen Welt digitalisieren.

(Foto: ap)

New YorkEs ist ein ungewöhnlicher Termin für Kevin Turner. Meist spricht der Operative Vorstand von Microsoft über das neue Betriebssystem Windows 10 oder die hauseigenen Smartphones. Gerade hat er den neuen Flagship-Store an New Yorks Fifth Avenue eröffnet. Am Dienstag jedoch tauchte Turner ein in eine Branche, die sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat.

Es geht um Aufzüge. Gemeinsam mit dem Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp will Microsoft Fahrstühle auf der ganzen Welt digitalisieren. Die Aufzüge sollen künftig Daten direkt in die Cloud senden und Servicetechniker so eine bessere Übersicht über den aktuellen Zustand geben. Wie oft ging die Tür auf und zu? Wann müssen Ersatzteile ausgewechselt werden? Arbeitet der Motor stärker als er soll? Sensoren übermitteln die Informationen an die Datenwolke. Algorithmen leiten daraus Informationen für die Wartung ab.

„Wir sind an einem Wendepunkt angelangt. Traditionelle Unternehmen verbinden ihre klassischen Geschäftsmodelle mit Analysen aus der Cloud“, sagte Turner im Gespräch mit dem Handelsblatt. „So lassen sich Ereignisse viel besser vorher sehen und neue Geschäftsmodelle finden.“

Geringere Ausfallzeiten dank der Cloud

Zwei Jahre lang haben die beiden Unternehmen an der Datenwolke für Aufzüge gearbeitet, die seit Dienstag unter dem Namen „Max“ ausgerollt wird. Die Kooperation geht auf ein Gespräch zurück, das Thyssen-Krupp-Manager Andreas Schierenbeck mit dem damaligen Microsoft-Chef Steve Ballmer in Berlin hatte. „In einer ersten Phase hilft uns Microsoft auch dabei, die Daten zu analysieren“, sagt Schierenbeck, der Thyssen-Krupps Aufzug-Sparte leitet.

Der Essener Konzern will mit den Erkenntnissen aus der Cloud antizipieren, wann ein Aufzug repariert werden muss und proaktiv die Service-Mitarbeiter in Stellung bringen. „Bislang musste uns der Kunde mitteilen, wenn etwas nicht mehr funktioniert.“ Die vorrausschauende Wartung soll sich auch bei den vielen Aufzugfahrern bemerkbar machen. Die zwölf Millionen Fahrstühle weltweit sind im Jahr 190 Millionen Stunden wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb, hat Thyssen-Krupp errechnet. Dank der Microsoft-Technologie könnten die Ausfallzeiten um die Hälfte verringert werden. Das spart wertvolle Zeit. Allein die Büroangestellten in New York verbrachten 2010 insgesamt 16,6 Jahre mit dem Warten auf Aufzüge.

Hassobjekt, Marktbeherrscher, Nachahmer
Gründertruppe
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Die Belegschaft von Microsoft im Jahr 1978 mit den beiden Microsoft-Gründern Bill Gates (erste Reihe, links) und Paul Allen (erste Reihe, rechts). Gegründet wurde die Firma am 4. April 1975 in Albuquerque, New Mexico. (Foto: Microsoft/dpa)

Gründer Bill Gates (r.) und Paul Allen
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Im Jahr 1981 posieren Bill Gates (rechts) und Paul Allen.

Bill Gates hat sich mittlerweile auf eine Beraterrolle im Unternehmen zurückgezogen und ist als Philanthrop tätig. Paul Allen hat ebenfalls Milliarden mit Microsoft gemacht, spendet einen Teil seines Vermögens. Er investiert aber auch etwa in Sport-Mannschaften. Ihm gehören die Seattle Seahawks (American Football) und die Portland Trail Blazers (Basketball).

MS DOS
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Die Basis für den Firmenerfolg legten Allen und Gates mit dem Betriebssystem MS-DOS, das Computern Leben einhauchte. Die grafiklose Bedienoberfläche war lange ein Weg, um auch das spätere Betriebssystem Windows aus dem Hause Microsoft zu konfigurieren. In Abwandlungen hat die grafiklose Bedienoberfläche bis heute überlebt.

Windows 1.0
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Die Packung der ersten Version des Betriebssystems Microsoft Windows. Das damals als Erweiterung zu MS-DOS veröffentlichte Programm kam erstmals 1985 auf den Markt. In den Folgejahren sollte Windows das Fundament für ein Milliardenimperium werden. Es war allerdings nicht das erste Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche – IBM und Apple hatten bereits vorher die Idee umgesetzt. (Foto: Szilveszter Farkas)

Der junge Bill Gates
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Ein undatiertes Foto zeigt den jungen Bill Gates in seinem Arbeitszimmer. Zum Start von Windows 1.0 gab es weltweit lediglich sechs Millionen Personal Computer. Erst rund fünf Jahre später, im Jahr 1990, gelang dem Software-Entwickler aus Redmond ein durchschlagender Erfolg mit Windows 3.0.

Windows 95
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Bill Gates bei der Präsentation der Version 95 des Betriebssystems im Jahr 1995. Vor allem die dafür entwickelten Büroprogramme wie Word, Excel und Powerpoint helfen Microsoft, den Marktanteil Mitte und Ende der 90er-Jahre auf über 90 Prozent auszubauen.

Apple versus Microsoft
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1998 präsentiert der mittlerweile verstorbene Apple-Chef Steve Jobs „Microsoft Office Macintosh Edition“. Damals hauchte die Microsoft-Software dem darbenden Konkurrenten Apple Leben ein. Doch mittlerweile stellt Apple den Rivalen aus Seattle in vielen Belangen in den Schatten.

Das Aufzug-Geschäft ist im Aufwind. Der weltweite Trend, dass immer mehr Leute in Großstädten leben, treibt die Nachfrage nach hohen Gebäuden und damit nach Aufzügen an. Der weltweite Markt soll von 49 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf 61 Milliarden Dollar in fünf Jahren wachsen. Thyssen-Krupp macht etwa die Hälfte des 6,4 Milliarden Dollar hohen Jahresumsatzes der Sparte mit Wartung und will sich mit dem Cloud-Dienst vom Wettbewerb absetzen. Die Daten, betont Schierenbeck, blieben im Besitz von Thyssen-Krupp und würden in den jeweiligen Regionen gespeichert.

Für Microsoft ist die Kooperation ein wichtiger Schritt, um künftig weitere Unternehmen für die Cloud-Plattform Azure zu gewinnen. „Das Modell könnte auch auf die Wartung von Flugzeugen ausgeweitet werden, oder auf die Logistikbranche“, schwärmt Turner. „Es gibt keine Industrie, die nicht noch stärker digitalisiert werden und vorrausschauende Analysen nutzen kann.“ Thyssen-Krupp könnte dafür die Blaupause sein.

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