Neue Nutzungsbedingungen Warum ich beim Facebook-Voting nicht mitgemacht habe

Nur 0,04 Prozent aller Nutzer haben über die neuen Facebook-Nutzungsbedingungen abgestimmt. Social-Media-Redakteurin Tina Halberschmidt erklärt, warum auch sie sich nicht an dem Voting beteiligt hat.
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Facebook hat darauf verzichtet, seine Mitglieder zum Beispiel per Sammel-Mail über die Abstimmung zu den neuen Nutzungsbedingungen zu informieren. Quelle: dpa

Facebook hat darauf verzichtet, seine Mitglieder zum Beispiel per Sammel-Mail über die Abstimmung zu den neuen Nutzungsbedingungen zu informieren.

(Foto: dpa)

DüsseldorfJetzt sind sie also da, die neuen Facebook-Nutzungsbedingungen. Das weltweit größte soziale Netzwerk hat sie eingeführt, nachdem sich zu wenige Mitglieder an einer Abstimmung beteiligt hatten, bei der für den Erhalt der alten oder für die Einführung der neuen Richtlinien gevotet werden konnte. Lediglich 343.000 der mehr als 900 Millionen Facebook-Nutzer gaben ihre Stimme ab, das sind gerade mal 0,04 Prozent.

Wen wundert’s? Auch ich habe nicht abgestimmt. Dabei gehörte ich sogar zu denjenigen, die über das Abstimmungsverfahren informiert waren und die Seite „Facebook Site Governance“ sowie die Abstimmungs-App entdeckt hatten. Das ist nicht selbstverständlich, denn Facebook hat darauf verzichtet, seine Mitglieder zum Beispiel per Sammel-Mail über die Abstimmung zu informieren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Facebooks schrägste Bestimmungen
Facebook Kids
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Öffentliche Daten

Profilbild, Titelbild, Geschlecht, Nutzername und Nutzerkennung sind immer öffentlich, dagegen können die Nutzer auch nicht widersprechen. „Im Allgemeinen solltest du annehmen, dass Informationen öffentlich sind, wenn du kein „Teilen“-Symbol siehst“, so die Datenschutzbestimmungen. Wer zum Beispiel in einem geschützten Kreis den Status eines Freundes kommentiert, hat keinen Einfluss darauf, ob der Freund die Kommentare nachträglich öffentlich macht oder nicht. Im scheinbar geschützten Kreis über den Arbeitgeber lästern kann im Nachhinein also doch noch öffentlich werden – und damit zu einer fristlosen Kündigung führen.

Facebook Stock
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GPS-Daten

Die Ortungs-Daten, die bei Smartphones gesammelt werden können, speichert Facebook so lange, wie es ihnen nützt. Facebook argumentiert damit, dem Nutzer Dienstleistungen auf Grundlage der GPS-Daten anbieten zu können. Wie lange es Facebook nützt, über die GPS-Daten zu verfügen, wird nicht geklärt. Das kann auch ewig sein.

huGO-BildID: 26385553 In this undated photo released by Facebook shows the company server room at their Prineville Data Center in Prineville Oregon.
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Löschen und deaktivieren

Der Button zum Deaktivieren eines Accounts ist deutlich leichter zu finden als der „Löschen“-Button. Wird ein Profil deaktiviert, bleiben die Daten auf den Facebook-Servern erhalten. Sie werden zwar nicht mehr angezeigt, Facebook speichert sie aber weiterhin.

Doch auch das Löschen des Profils vernichtet nicht alle Daten. Zudem kann es bis zu einem Monat dauern, bis Facebook die Daten wirklich löscht. Aber in den Nutzungsbedingungen heißt es: „Einige Dinge, die du auf Facebook machst, werden nicht auf deinem Konto gespeichert.“ Die Folgen reichen weit. "Das bedeutet, auch wenn man sein Konto löscht, bleiben manche Informationen ewig im Netz abrufbar", sagt Medienanwalt Christian Solmecke. Darunter fallen unter anderem Kommentare und Freundesnachrichten.


huGO-BildID: 26663271 (FILES) In this photograph taken on May 15, 2012 the 'Facebook' logo is reflected in a young Indian woman's sung
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Markieren

Die Nutzer können nicht verhindern, dass andere Personen sie in Beiträgen oder auf Fotos markieren und verlinken. Diese Funktion kann nicht abgeschaltet werden. Der Ratschlag von Facebook: „Falls du nicht möchtest, dass dich andere Personen markieren, empfehlen wir dir, dich an die Person direkt zu wenden.“ Falls das nichts bringe, könne der Nutzer die Person ja komplett blocken.

Facebook vor dem Boersengang
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Apps

Facebook weiß nicht, welche Daten Apps von Drittanbietern über die Nutzer sammeln. Diese Apps müssten eigene Allgemeine Geschäftsbedingungen veröffentlichen und darin klären, was mit den Daten passiert. Das ist aber oft nicht der Fall. Wer seine Daten dort löschen will, soll laut Facebook „die Anwendung kontaktieren“ und sie bitten, die Informationen zu löschen. „Installierte Anwendungen kannst du jederzeit entfernen, indem du deine Anwendungseinstellungen bei folgender Seite verwendest: https://www.facebook.com/settings/?tab=applications. Aber denke daran, dass die Anwendungen gegebenenfalls weiterhin Zugriff auf deine Daten haben können, wenn die Personen, mit denen du teilst, sie ebenfalls verwenden."

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Sofortige Personalisierung

Mit der Funktion „Sofortige Personalisierung“ gibt Facebook Daten an andere Websites weiter. Wer bei Facebook eingeloggt ist und zum ersten Mal die andere Website besucht, der wird persönlich begrüßt. Eine solche „Opt-out“-Lösung ist kritisch. Es werden erst ungefragt Daten zu der kooperierenden Website von Facebook übertragen. Erst wenn die Social Media-Funktion deaktiviert wird, werden die Daten gelöscht.

Das Gegenteil zu dieser „Opt-out“-Lösung wäre ein „Opt-in"-Ansatz. Dabei wird der Nutzer erst gefragt und dann gehandelt.

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Vertiefende Links

Die 14 Seiten umfassende Datenschutzerklärung ist keinesfalls auf die 14 Seiten beschränkt. Was zum Beispiel mit den Daten passiert, wenn man in einer Werbeanzeige auf „Gefällt mir“ klickt, wird in einem anderen Dokument beschrieben. Medienanwalt Christian Solmecke schätzt, dass auf diese Weise die Datenschutzbestimmungen auf 60-70 Seiten ausgeweitet werden.

Trotzdem - ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen, für die eine oder für die andere schlechte Variante zu voten. „Beide Richtlinien sind auf ihre Weise unzumutbar“, hat Christinan Solmecke im Interview gesagt – und wer sich auch nur ein bisschen ins Thema eingelesen hat, muss dem Rechtsanwalt und Facebook-Experten Recht geben. Die Facebook-Nutzer hatten die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Die Möglichkeit, einfach beide Versionen abzulehnen, bestand nicht.

Ich habe deswegen auch nicht das Gefühl, meine demokratische Pflicht vernachlässigt zu haben. Denn das Voting war alles, aber nicht demokratisch. Meint auch Christian Solmecke: „Facebook agiert nach dem Motto ‚Friss oder stirb‘.“

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5 Kommentare zu "Neue Nutzungsbedingungen: Warum ich beim Facebook-Voting nicht mitgemacht habe"

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  • Zu Facebook gibt es doch auch Alternativen. Sogar eine neue aus Deutschland: www.quott.com! Die gehen schon etwas anders mit den Nutzerdaten um als Facebook. Und auch die Privatsphäre der Nutzer wird stärker geschützt.

  • Ich bin Mitte vierzig und lebe ein gutes Leben (sicher auch nicht hinterm Mond) - auch ohne Facebook. Facebook ist völlig sinnfrei und ich kann nicht verstehen, wieso man seine Zeit damit verschenden kann. Der direkte Kontakt mit echten Freunden und der Familie ist viel mehr wert. Viele junge Menschen werden später noch bereuen, so viel von sich unwiderruflich preisgegeben zu haben. Der Kater kommt erst noch wenn die Party vorbei ist.

  • Weitergabe von Daten

    „Wir überlassen deine Daten Personen und Unternehmen, die uns bei der Erbringung, Erläuterung und Verbesserung der von uns angebotenen Leistungen behilflich sind.“ Mit dieser Passage holt sich Facebook das Recht, seinen kompletten Datenbestand weiterzugeben, solange die Person behaupten kann, sie helfe Facebook dabei, seine Dienstleistung zu verbessern. Was eine Verbesserung ist, ist nicht geklärt.

    Text aus einer der Bilderklärungen vom Handelsblatt.

  • Wenn auch erst im letzten Absatz, hat die Autorin zumindest ansatzweise erkannt worum es geht.
    Natürlich ist Facebook keine Schlachtbank. Je länger der User auf der Platform bleibt, umso besser. FB ist ein Unternehmen und nicht das Rote Kreuz. Wer kann also allen Ernstes erwarten, dass einem ein Medium, welches im Unterhalt (Server, Programmierlesitungen etc) Unsummen kostet, einem ohne Gegenforderung zur Verfügung gstellt wird? Soviel Naivität hätte ich nicht von der Redakteurin einer Wirtschaftszeitung erwartet.
    Facebook verdient Geld mit unseren Daten? So what? Gut, wenn ich als Mann Anfang 30 keine Werbung für Damenhygiene oder Treppenlifte oder Schulanfänger angezeigt bekomme. Aus genau diesem Grund vertrau ich auch darauf, das Unternehmen wie Facebook, Google etc a) meine Daten nicht weitergeben und b) diese auch bestmöglich schützen. Würde einer dieser Fälle eintreten, würde das Geschäft solcher Unternehmen unmittelbar vor dem Absturz stehen.

  • "Selbstverständlich kann man Facebook-Nutzer nicht mit Schweinen vergleichen, die sich willenlos zur Schlachtbank führen lassen."

    Warum eigentlich nicht? Die Betonung liegt hier auf "willenlos". Betrachtet man, wie gebannt vor allem junge Leute von diesem sogenannten Sozialen Netzwerk sind, bis hin zu der Angst, mal für einige Minuten offline zu sein, dann bekommt man eine Vorstellung davon, welche Abhängigkeit Facebook ganz bewußt bei den Nutzern erzeugt.

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