Neue Phishing-Methoden
Falsche Gewinne – echte Abzocke

Wahre Heerscharen von Gaunern tummeln sich im Internet, um gutgläubigen Zeitgenossen Geld abzunehmen oder deren Daten auszuspionieren. Dass eine IP-Adresse für Ermittlungsbehörden nachverfolgbar ist, hat sich in Gaunerkreisen aber herumgesprochen. Nur so erklärt sich ein neues Phänomen: Die Ansprache der Opfer mittels Brief.

DÜSSELDORF. Bei der konventionellen Briefpost sind die Kosten zwar ungleich höher als beim Aufbau einer Web-Site, denn das Mailing muss produziert und verschickt werden. Dafür sind die Möglichkeiten der Verschleierung weitaus besser. Man sollte generell keinem, aber auch gar keinem verlockenden Angebot Glauben schenken. Folgender Fall wirft Licht auf die neue Masche: Am 30.12.2005 befand sich in der Post der Redaktion des Datenschutz-Beraters ein „Dokument“, einer mit „HR Zahlungen“ nur ungenau beschriebenen Stelle, die verkündete, man habe 15 000 Euro gewonnen. Das Deutsch des Briefes war dabei deutlich besser als das, was man von der Nigeria Connection und einigen Phishing-Mails gewohnt ist – die sich für den, der die deutsche Sprache beherrscht, auf den ersten Blick selber als falsch entlarven.

Aber auch der Brief von „HR Zahlungen“ hält einer gründlichen Prüfung nicht stand; so schreibt kein Deutscher! Weitere Indizien dafür, dass es sich um einen internationalen Coup handelt: Das Papierformat ist nicht DIN A4 und der Absender ist ein Postfach in Hongkong. Der Empfänger wird aufgefordert, einen „Preisanspruchsschein“ auszufüllen (in dem man die Adresse bestätigen und eine Unterschrift leisten soll) und in ein vorbereitetes Kuvert an eine Postfachadresse in Mijdrecht (Niederlande) zusammen mit 10 Euro in bar oder als Scheck zu senden. Nur dann könne man mit der Auszahlung rechnen.

Perfektes Timing, denn am 30.12. war eine rechtzeitige Warnung der Öffentlichkeit nicht mehr möglich. Verwunderlich ist, dass keine Bankverbindung abgefragt wird – aber das könnte ja der nächste Schritt sein, wenn man seinen „Gewinn“ anfordert und schon mal 10 Euro definitiv beim Gauner gelandet sind.

Die Verwendung eines Postfachs im Ausland ist ein guter Trick, denn die Gauner, die keine Niederländer sein müssen, können einen ahnungslosen Anwalt mit der Betreuung des Postfachs beauftragt haben; dergleichen wird gern zur Verschleierung benutzt.

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