Neue Suchfunktion: Facebook entwickelt ein Anti-Google

Neue Suchfunktion
Facebook entwickelt ein Anti-Google

Marc Zuckerberg hat eine umfangreiche Suchfunktion vorgestellt, die sich auf die Facebook-Galaxie beschränkt - und umschifft damit einen direkten Angriff auf Google. Schon streiten Analysten über die Folgen am Markt.
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Menlo ParkFacebook ist sich selbst genug: Der Social-Network-Gigant baut eine interne Suche für die Abermilliarden von Informationen auf, die seine Mitglieder im Laufe der Jahre geliefert haben. Für die Inhalte, die es nicht bei Facebook gibt, springt Google-Konkurrent Microsoft mit seiner Suchmaschine Bing als Partner ein. Ob es sich bei dem Ganzen um einen große Wurf oder ein großer Witz handelt, ist allerdings bei Analysten umstritten. Die Facebook-Aktie jedenfalls reagierte mit Kursverlusten.

„Graph Search“ ermöglicht innerhalb von Facebook die Suche nach Personen und deren Eigenschaften, Fotos und Orten. In Zukunft sollen noch sämtliche ihrer Mitteilungen und auch die darin eingebundenen Web-Links durchsuchbar werden. Eine Einbindung des Fotodienstes Instagram ist ebenfalls geplant.

Die Fertigstellung von Graph Search, so Mitgründer und CEO Mark Zuckerberg bei der Vorstellung des Dienstes im kalifornischen Menlo Park, „werde Jahre dauern.“ Der Dienst befinde sich noch im Teststadium und werde ab sofort zunächst nur einigen Hunderttausend Mitgliedern in englischer Sprache zugänglich gemacht.

Sage noch mal jemand, Zuckerberg sei nicht clever. Mit sicherem Gespür war ihm klar, dass er Google niemals auf dessen ureigensten Gebiet wird schlagen können: der Websuche. Deshalb überlässt er dieses undankbare Feld dem Partner Microsoft. Für Fragen wie „Das Wetter in Palo Alto“ etwa gibt es keine Informationen in Netzwerk. Die darf dann Microsoft liefern.

Zuckerberg konzentriert sich lieber auf sein Anti-Google. „Eine vollständige Web-Suchmaschine“, analysiert auch Eden Zoller von Ovum Research, „müsste mit Google konkurrieren und angesichts dieser Marktmacht wäre es schwer für Facebook Werbeumsätze zu gewinnen.“

Statt im offenen Web suchen Facebook-Freunde deshalb nur in der hermetisch abgeschotteten Facebook-Galaxie. Dabei verspricht Zuckerberg eine größtmögliche Wahrung der Privatsphäre: Jeder Suchende bekomme nur das zu sehen, was von anderen für ihn freigegeben oder öffentlich zugänglich ist. Bereits heute, so Zuckerberg, würden zehn Prozent der Rechenleistung in den Datencentern nur dafür verwendet, den Schutz privaten Daten zu gewährleisten.

Mit Einführung von Graph Search erklärt sich auch, warum bestimmte Teile von Facebooks Timeline zwangsweise öffentlich zugänglich sind - und warum massiv an der Einführung eines Klarnamen-Zwangs gearbeitet wird: Pseudonyme verschlechtern die Suchergebnisse.

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Wie Analysten die neue Funktion bewerten

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  • Facebook weiss heute mehr über die Bürger als die Stasi und die Gestapo sich je hat träumen lassen. Und die ausspionierten Bürger versorgen diese Datenkaken auch noch freiwllig mit Daten. Ein tolles Konzept. Glückwunsch.

  • Die überraschend ersehnte Präsentation von FB war ein echter Flop :).

  • Wer sich bei Facebook öffentlich macht, muß mit unangenehmen Folgen rechnen!

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