Neue Suchmaschine im Test
Wie Cuil Google übertrumpfen will

Nahezu eine Billion unterschiedlicher unabhängiger URLs lassen sich im Internet identifizieren, und das Finden von Informationen in dieser Datensintflut ist ein lohnendes Geschäft. Die Betreiber der neuen Suchmaschine Cuil (sprich „cool“) haben sich deshalb vorgenommen, dem Platzhirsch Google Konkurrenz zu machen. Doch aller Anfang ist schwer.

DÜSSELDORF. Google hat sich als Synonym für „Suchmaschine“ so tief in den allgemeinen Wortschatz eingegraben, dass es zum eigenständigen Verb geworden ist: Etwas „googeln“ ist schon längst täglicher Sprachgebrauch. Ob man irgendwann genau so selbstverständlich etwas „coolen“ wird, ist nach dem Start der neuen Suchmaschine Cuil zumindest fraglich. Denn trotz neuen Layouts, hoher Ansprüche und dreimal mehr indexierten Internetseiten funktioniert die Suche nur leidlich.

Cuil wäre als Thema sicher nicht halb so interessant, wenn es nur irgendeine weitere Suchmaschine wäre. Doch die Betreiber der Seite haben zum Teil vorher für Google gearbeitet, sind also erfahrene Insider mit hohen Ansprüchen. Dementsprechend messen sie sich nicht an anderen Startups, sondern gleich am Branchenriesen. Die Lektüre der verschiedenen „Wir über uns“-Texte auf der Cuil-Homepage gewährt Einblick in das Selbstverständnis der Verantwortlichen: Cuil habe mit rund 120 Milliarden indexierter Seiten eine dreimal größere Basis für die Suche nach Inhalten. Googles Datenbasis von 30 bis 50 Milliarden Seiten werde dem Wachstum des Internets nicht gerecht, außerdem sei die Popularität von Internetseiten nicht in jedem Fall ein Gradmesser für die Relevanz der Suchergebnissen. Deshalb setze man verstärkt auf die Analyse der Seiteninhalte, um den Anwender Stück für Stück an die relevanten Ergebnisse heranzuführen.

Eine spürbare Betonung bei der Eigenpräsentation liegt zudem darauf, dass auf die Sammlung und Speicherung von personenbezogenen Daten verzichtet wird. Laut der Firmenphilosophie analysiert Cuil lieber Daten im Internet als die Mausklicks seiner Nutzer, und deshalb existiere keine Datenbank darüber, wer welche Suchanfragen gestellt und welche der gefundenen Seiten besucht hat. Dementsprechend kurz und verständlich ist die Datenschutzerklärung der Seite. An dieser Stelle ist man offensichtlich bemüht, sich positiv von Google abzuheben, dessen Daten-Sammelwut schon oft Kritik provoziert hat.

Nach der Lektüre der griffigen Einführung macht sich ein vorsichtiger Optimismus breit, dass die Suche mit Cuil tatsächlich einmal Ergebnisse abseits von Tausenden eBay-Seiten und Discounter-Angeboten bringen könnte, die so oft den Weg zu echten Informationen versperren. Die positive Erwartung bleibt noch für einen kurzen Moment erhalten, denn während der Eingabe eines Suchbegriffs erscheint ein Listenfeld mit möglichen relevanten Schlüsselbegriffen, die per Mausklick ausgewählt werden können. Doch die erste Ernüchterung folgt nach dem Drücken der „Enter-Taste“: Zunächst einmal scheinen so gut wie keine deutschsprachigen Seiten gelistet zu sein, zudem kennt Cuil keine Umlaute. Die Suche nach einem offensichtlich deutschen Begriff wie „Fernsehturm Hamburg“ führt keineswegs auf deutsche Seiten, sonder auf englischsprachige Fremdenführer. Top-Ergebnis ist in diesem Fall ein Eintrag zum Fernsehturm in Heidelberg, weiterhin kann man auf der ersten Ergebnisseite Links zu (ja, englischsprachigen) Seiten über den Berliner und den Stuttgarter Fernsehturm finden.

Der Turm in Hamburg ist zwar auch vertreten, aber keineswegs sehr prominent. Zum Vergleich: Google liefert an gleicher Stelle die relevanten Einträge aus der deutschen Wikipedia, der Homepage der Stadt Hamburg oder dem Hamburg-Magazin. Sucht man direkt nach den Namen oder Titeln von Homepages aus dem deutschsprachigen Raum, wie etwa „Handelsblatt“ oder „Handelsblatt online“, wird das Ergebnis richtig schlecht: Hier liefert Cuil zwar Ergebnisse aus dem gewünschten Themenbereich, die Seiten selbst tauchen aber nicht auf. Weiterhin haben wir zum Beispiel nach „W126 Forum“ und „DR-Mustang“ gesucht, zwei stark frequentierten Diskussionsforen zu Themen rund ums Auto. Eigentlich müssten die entsprechenden Seiten – wie bei Google - an erster Stelle im Suchergebnis zu finden sein müssten. Das „W126-Forum“ war auch auf der vierten und fünften Ergebnisseite noch überhaupt nicht zu finden, bei „DR-Mustang“ tauchten immerhin Links zu Seiten auf, in denen der Begriff erwähnt wird.

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