Neue Suchvariante
Googles Weg zur perfekten Suche

Fakten sammeln statt Seiten suchen: Mit dem jetzt vorgestellten Programm „Squared“ will Google seine Suchmaschine weiter perfektionieren. Für Web-Angebote, die sich über Werbung finanzieren, könnte die neue Suchvariante dagegen erhebliche Probleme bedeuten.

DÜSSELDORF. Abschalten ist nicht die Sache von Google-Vizepräsidentin Marissa Mayer. An einem Wochenende bei Verwandten in Nebraska hat sie jene Momente mitprotokolliert, in denen sie gewünschte Informationen nicht bekam: „Ich war überrascht, wie viele es waren“, verriet sie im Dezember Handelsblatt.com. „Die Frage: ,Hey, was ist das für ein Vogel da drüben?’ ist eine Suche. Wir haben aber nicht die Möglichkeit, ein Foto des Vogels zu machen, dass dann automatisch erkannt wird. Ich glaube, die Menschen können erst zehn bis 20 Prozent aller Suchen, die sie gerne machen, tatsächlich umsetzen.“

Vor allem eines treibt Mayer – und alle Konkurrrenten – um: die semantische Suche. Erst wenn das Suchprogramm erkennt, welchen Sinn ein Wort hat, kann die Suche wirklich perfekt werden, ist der Vision. Sprich: Google möchte wissen, ob ein Nutzer mit dem Wort „Golf“ den Sport oder das Auto meint.

Gelöst hat dieses Problem bisher niemand. Am späten Dienstagabend aber präsentierte Google eine neue Suchvariante, die den Web-Konzern einen Schritt näher an die semantische Suche heranbringt. In den kommenden zwei Wochen soll das Projekt Google Squared in die öffentliche Testphase gehen. Bei der Präsentation sagte Mayer: „Im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen findet Google Squared keine Web-Seiten über ein Thema. Stattdessen sammelt und organisiert es Fakten aus dem ganzen Internet.“

Wie das aussieht, filmte der Branchendienst Techcrunch im Anschluss an die Präsentation:

Squared führt die Ergebnisse zu einem Suchbegriff in Tabellenform auf. So könnte die Suche nach Hunderassen eine Auflistung der Rassen ergeben, jeweils mit Beschreibung des Aussehens, der Durchschnittsgröße und Charaktereigenschaften. Nutzer können diese Kategorien beliebig ergänzen, zum Beispiel durch den Begriff „Herkunftsland“. Woher die Informationen stammen, erfährt der Nutzer, wenn er mit dem Mauszeiger über die Tabellenfelder gleitet.

Der Haken: Squared funktioniert derzeit nur bei einem Bruchteil aller Begriffe. Gelänge es Google jedoch, diese neue Form der Suche zur Perfektion zu bringen, könnte dies Veränderungen im Web-Nutzerverhalten haben. Denn die schnelle Informationssuche, die manche Nutzer nur für wenige Sekunden auf eine Seite bringt, fände dann bei Google statt. Beispiele dafür sind die Telefonnummer eines Restaurants, die Höhe des Empire State Building oder die längsten Achterbahnen der Welt.

Was nach Details klingt, könnte für Web-Angebote, die sich über Werbung finanzieren, Probleme bedeuten. Google ist für sie ein wichtiger Lieferant von Nutzern. Die Gesamtzahl dieser Nutzer könnte mit Squared sinken – deren durchschnittliche Verweildauer aber nach oben gehen, weil die Qualität der Suchergebnisse aus Sicht der Nutzer steigt. Beide Maßstäbe, Verweildauer und Besucherzahl, werden in der Online-Werbung für die Ermittlung des Anzeigenpreises benutzt.

Angesichts dieser Schritte Richtung Semantisches Web geht fast unter, dass Google außerdem ganz handfeste, neue Funktionen in seine Standardsuche eingebaut hat. In den USA können die Ergebnisse bereits historisch aufgeschlüsselt und unterteilt werden nach Videos, Verbraucherkritiken und Einträgen in Foren. Der amerikanische Web-Berater Patricio Robles rät den Besitzern von Internet-Seiten deshalb, Funktionen wie Foren und Kritiken einzubauen, sowie die Inhalte der Seite häufig zu aktualisieren. Außerdem gewännen Bilder an Bedeutung.

Dass Google gerade jetzt mit diesen Neuerungen auf den Markt kommt, hat wohl auch mit Konkurrenten wie Wolfram Alpha zu tun. Das Suchmaschinenprojekt des Mathematikers und Softwareunternehmens Stephen Wolfram sorgte jüngst für mächtig Wirbel, noch im Mai will es sich ebenfalls öffentlich in der semantischen Suche probieren. Microsoft dagegen will im Juni seine bisherige Live Search unter dem Namen Kumo neu starten, aus der Schweiz kommt ein Startup namens Hulbee.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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