Neue Technik lohnt sich im Massenmarkt noch nicht
Webtelefonie erreicht kaum Privatkunden

In Deutschland hat das Telefonieren über das Internet noch keinen durchschlagenden Erfolg. Nur bei großen Unternehmen ist die Technik gang und gäbe.

DÜSSELDORF. Der Internetanbieter Freenet schreckt nicht vor gewagten Vergleichen zurück: „September-Revolution: Umsonst- Telefonierer aller Länder, vereinigt Euch“, ruft die Firma in zehnseitigen Werbebeilagen potenzielle Kunden auf. Mit solchen Sprüchen und roten Fahnen, die auf die Oktoberrevolution von 1917 in Russland anspielen, propagiert Freenet das Telefonieren über das Internet, im Branchenjargon Voice over IP genannt.

Von einem Umsturz oder radikalen Veränderungen ist dabei in Deutschland aber noch lange nicht die Rede. Lediglich bei großen Unternehmen ist die Technik gang und gäbe. Im Privatkundenmarkt, den Anbieter wie Web.de, Indigo und die United-Internet-Tochter 1&1 umwerben, ist die Nutzerzahl dagegen sehr gering, und daran wird sich vorerst auch nichts ändern. Von einem Massenmarktprodukt sei man noch weit entfernt, heißt es beim Verband der Telekomanbieter VATM.

Thomas Goette von der Unternehmensberatung Diamond Cluster geht bis Ende des Jahres von rund 200 000 Privatkunden aus, die über das Internet telefonieren, Ende 2005 könnte es eine Million sein. Tiscali Deutschland rechnet mit dieser Zahl erst für 2006, schätzt die heutige Nutzerzahl aber höher ein – mehr als 600 000 sollen es sein.

Die Voraussetzungen dafür sind bei etwa 4,5 Millionen Haushalten erfüllt: ein schneller Internetzugang via DSL-Technik macht das Telefonieren über das Web möglich. Anders als in den herkömmlichen Telefonnetzen, wo jeweils eine separate Leitung zwischen den Gesprächspartnern reserviert wird, funktioniert die neue Technik effizienter. Die Gespräche werden in kleine Datenpakete aufgeteilt und wie eine E-Mail über das Netz verschickt. Am anderen Ende werden die Daten wieder in Sprache zurückverwandelt. Bei diesem Verfahren passen zig Gespräche in eine Leitung, was die Kosten deutlich reduziert.

Doch angesichts ohnehin schon niedriger Telefonminutenpreise ist der Anreiz in Deutschland gering, auf die neue Technik umzusteigen. Völlig kostenlos werden die Telefonate ohnehin meist nur dann, wenn beide Gesprächspartner über ihren DSL-Anschluss telefonieren. Ruft dagegen ein Internettelefonierer einen herkömmlichen Telefonanschluss an, werden Gebühren fällig.

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