Neue Xbox 360 soll noch vor Weihnachten weltweit ausgeliefert werden
Microsoft bläst zum Angriff

Der Kampf um die Neuverteilung des gut 20 Milliarden Dollar schweren Marktes für digitale Unterhaltung ist eröffnet. Und er wird so hart werden, wie nie zuvor. Am späten Donnerstag präsentierte die Microsoft Corp. ihre neue Spielekonsole „Xbox 360“. „Wir treten diesmal an, um Marktführer zu werden“, bekräftigt Senior Vice President und Xbox-Chef Robbie Bach im Gespräch mit dem Handelsblatt.

REDMOND. Derzeit führt Sony mit weitem Abstand vor Microsoft und Nintendo. Die Xbox 360 wird einen IBM-Prozessor mit drei Rechenkernen enthalten, die jeweils mit 3,2 Gigahertz getaktet sind. Damit schlägt das Gerät, das im November weltweit auf den Markt kommen soll, jeden aktuellen Hochleistungs-PC um Längen.

Die Konsole wird Videos, Musik oder Bilder von einem Windows-Media-PC auf den Fernseher übertragen können. Alle Spiele werden ausnahmslos in „HD“-Auflösung programmiert werden, also in Kinoqualität. Sie laufen aber auch auf normalen TV-Geräten, bestätigt Softwarechef Peter Moore, früher Top-Manager beim Konkurrenten Sega.

Einen Preis für das Gerät, das liegend oder stehend betrieben werden kann, nennt Microsoft noch nicht. Manager Bach räumt ein, man habe bei der alten Xbox „völlig daneben gelegen.“ Die war zu 479 Euro gestartet und lag bis zur ersten Preissenkung (auf 299 Euro) wie Blei in den Regalen. Jetzt wird bis zur letzten Minute gewartet. Beobachter rechnen mit einem Preis um 300 Euro.

Am kommenden Montag, dem Vorabend der Videogamingmesse E3 in Los Angeles, wird Sony Computer Entertainment seine Antwort auf die Herausforderung präsentieren. Sonys „Playstation 2“ wurde fast 90 Millionen mal verkauft, die Xbox schaffte bislang gut 20 Millionen Einheiten. Am Dienstag will Nintendo Details zur Konsole „Revolution“ nennen.

Es geht um sehr viel Geld. Videogaming hat Hollywood-Dimensionen erreicht: Das bestverkaufte Spiel 2004, „GTA San Andreas“ für Sonys PS 2, hat mehr als 600 Millionen Dollar in die Kassen des Herstellers „Take 2“ gespült. Die Konsolenhersteller verdienen über Lizenzgebühren mit und verkaufen eigene Spiele. „Halo 2“ von Microsoft hat alleine am Starttag 125 Mill. Dollar eingespielt. Entsprechend brutal wird der Kampf werden. „Sonys Spieledivision wird einen Wettbewerb sehen, wie sie ihn noch nie erlebt hat“, schreibt etwa die Arcadia Investment Corp. in einer Studie.

Tatsächlich trifft der Angriff Sony zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Im vergangenen Geschäftsjahr hat die Spielesparte umgerechnet 5,4 Mrd. Euro umgesetzt und mit ihrem Gewinn den Umbau des angeschlagenen Konzerns gestützt. Die Japaner hätten gerne länger ungestört die reiche Ernte der „PS2“ eingefahren.

Microsofts Xbox 360 wird mit 512 MB Hauptspeicher und einer abnehmbaren Festplatte ausgestattet sein, auf die auch Musik-CDs kopiert werden („rippen“) können. Per Wireless-Lan soll sie Verbindung zum Internet und zu Windows-PCs halten. Auch die Spielkontroller kommen ohne Kabel aus.

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