Neuer Ansatz könnte den Verkauf der IT-Töchter großer Konzerne beschleunigen
Outsourcing im Übernahme-Kleid

Thyssen-Krupp hat es vorgemacht, ebenso der Energiekonzern RAG. Statt große Teile ihrer Informationstechnologie über Outsourcing-Verträge an externe Dienstleister zu geben, verkauften sie gleich ihre IT-Töchter im Paket mit dem Auftrag. Outsourcing als reine Übernahme-Transaktion - diesem Vorbild könnten bald weitere Konzerne folgen.

jkn HANNOVER. "Die Transaktion wird von Anfang bis Ende als M&A-Deal und nicht als Outsourcing-Vertrag strukturiert", beschreibt Rainer Langel, Projektmanager der Investmentbank Lazard, das Vorgehen. Lazard hat sowohl Thyssen-Krupp beim Verkauf der IT-Tochter Triaton an Hewlett-Packard beraten als auch die RAG bei der Veräußerung der RAG Informatik GmbH an Siemens Business Services.

Ein solcher Verkauf soll erheblich Zeit sparen. Laut Langel ist er deutlich schneller durchführbar als klassisches Outsourcing mit seinen komplizierten Verknüpfungen zweier Unternehmen. Weil die Verhandlungen über einen Outsourcing-Auftrag sich meist über Monate hinziehen, muss dabei in der Regel die Zahl der Bieter sehr früh stark eingeschränkt werden. Über einen unkomplizierteren Verkauf kann der Verkäufer länger mit mehr Kandidaten verhandeln. "Dadurch kann er das Optimale herausholen", sagt Langel.

Beim Verkauf der IT-Tochter können zudem alle Lieferverträge bestehen bleiben. Und der Deal bringt direkt beim Abschluss eine größere Menge Geld in die Kassen des Verkäufers, was bei Outsourcing-Verträgen nicht der Fall ist.

Auf Seiten der IT-Dienstleister wird die M&A-Konstruktion freilich eher skeptisch gesehen. "Die Anbieter versuchen während der Verhandlungen immer wieder, die Transaktion doch noch in die Richtung eines Outsourcing-Vertrages zu drücken", sagt Langel. Um das Modell schmackhaft zu machen, haben er und seine Kollegen einige "Bonbons" eingebaut. So wird dem Dienstleister ein Mindestumsatz mit dem Verkäufer garantiert. Auch darf die IT-Firma für neue Verträge ein letztes Gebot (First bid, last call) abgeben.

Angesichts dessen glaubt Dieter Pfaff, der IT-Chef der RAG, dass das Modell auch für Dienstleister attraktiv ist. "Der Vorteil des Modells liegt in der Flexibilität. Sie kommt beiden Seiten zu gute", sagt er. "Zudem können später noch Leistungen einbezogen werden, die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses noch unbekannt waren."

Die Chancen stehen gut, dass weitere Konzerne Gefallen an dem Modell finden. Das Potenzial ist groß, denn immer mehr Unternehmen würden ihre ausgegründeten IT-Töchter allzu gerne abgeben. "Die meisten Konzerne werden sich aus diesem Geschäft zurückziehen", glaubt Christophe Chalons vom Münchener Marktforscher PAC.

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