Neuer Online-Dienst
Google plant riesiges Online-Zeitungsarchiv

Von der aktuellen Ausgabe der New York Times zur Rheinischen Post von vor zehn Jahren – mit nur wenigen Mausklicks: Der Web-Konzern Google will alle Zeitungen in der Geschichte in ihrer kompletten Optik über das Internet verfügbar machen. Von den meisten E-Papern unterscheidet sich das Online-Projekt vor allem in einem Punkt – und der dürfte für Zündstoff sorgen.

SAN FRANCISCO. Das verkündete Marisa Mayer, Vize-Präsidentin für den Produktbereich, während der Internet-Konferenz Techcrunch 50 in San Francisco. "Dies ist Teil unserer Strategie, Offline-Inhalte in das Internet zu bringen", erklärte Mayer. Das Unternehmen scannt bereits Bücher ein mit dem Ziel, sie alle über Google lesbar zu machen.

"Rund um den Globus gibt es Milliarden von Seiten mit allen Geschichten, die jemals geschrieben wurden", ergänzt der zuständige Produktmanager Punit Sonie in einem Eintrag im Google-Weblog: "Es ist unser Ziel, Lesern zu helfen, diese zu finden, von der kleinsten, wöchentlichen Lokalzeitung bis zur landesweiten Tageszeitung."

Während der Techcrunch 50 präsentierte Mayer die ersten Beispiele, die bei den 1 700-Web-Experten Begeisterung auslösen. Künftig werden eingescannte Zeitungsseiten bei der normalen Google-Suche mit dem Vermerk "Google News Archive" versehen. Wer dorthin klickt, bekommt hoch aufgelöste Zeitungsseiten angezeigt, wobei die gesuchten Begriffe markiert sind. Von dort aus kann er die gesamte Zeitung, sogar die Anzeigen, durchblättern.

Das erinnert an die Versuch von Zeitungen und Magazinen, ihre Leser im Internet für E-Paper zu begeistern, also eingescannte, aktuelle Ausgaben. Die Google-Initiative unterscheidet sich vor allem in einem Punkt: Bei den meisten E-Paper-Versuchen sind die Texte nicht durchsuchbar. "Viele Tageszeitung werden sich die Frage stellen müssen: Warum haben wir die Google-Archivsuche nicht selbst erfunden?", sagt Heiko Hebig, Head of Digital Media beim Münchener Medienkonzern Burda nach Mayers Vortrag.

Google setzt dabei auf die Kooperation der Verlage. Welche US-Zeitungshäuser schon im Boot sind, ist noch nicht bekannt. Mayer zeigte aber Beispiele aus Lokalblättern wie der "St. Petersburgh Times" aus Florida.

Google wird neben den Zeitungsseiten Werbung platzieren und die Verlage an den Einnahmen beteiligen. Trotzdem wird es wohl Ärger geben: Immer wieder gingen Medienhäuser gegen Google vor, weil dessen Angebot, Google News, kurze Ausschnitte aus Artikeln ihrer Internet-Angebote übernimmt. So drohte der Verband der Schweizer Presse (VSP) im vergangenen Jahr eine Klage gegen Google News an - passiert ist nichts. Auch Christan DuMont-Schütte, geschäftsführender Gesellschafter von DuMont Schauberg ließ sich vergangenes Jahr mit starken Worten zitieren. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er: "Bei uns bröckeln Auflagen wie Anzeigen, und Google schöpft mit unserer Hilfe den Werbemarkt ab. Das ist pervers." Allerdings: Zwischen 40 und 80 Prozent der Nutzer von Internet-Seiten der Verlage gelangen über Google dorthin.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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