Neuer Standard für Mittelstand
1&1 vereinfacht Hosting von Mietsoftware

Mit einem neuen Standard für ein vereinfachtes Webhosting will der Internetkonzern 1&1 die Verbreitung von Mietsoftware ("SaaS", Software as a Service) im Mittelstand forcieren. Gleichzeitig will der nach eigenen Angaben größte Webhoster der Welt seine Position in den USA weiter ausbauen.

DÜSSELDORF. Die zusammen mit SWsoft entwickelte Lösung APS (Application Package Standard) soll kleinen Softwarefirmen sogar ermöglichen, bestehende Produkte wie Bürosoftware ohne übermäßigen Aufwand für den Betrieb im Web umzurüsten.

Anders als in Deutschland ist der Trend zu Mietsoftware in den USA - nicht zuletzt durch das Vorpreschen von Firmen wie Google ("Google Apps for Enterprises") und Microsoft ("Office Live") - auch bei kleinen und mittleren Unternehmen beliebt. Bei Mietsoftware werden keine Lizenzen mehr gekauft, sondern monatliche Nutzungsgebühren gezahlt. Auch die sonstigen IT-Kosten, wie Personalkosten für Administration, fallen weitgehend weg.

Bekannte Vertreter im Bereich Mittelstand sind Salesforce.com oder der Anbieter von Kundenmanagement-Software Rightnow Technologies. IDC sieht den Weltmarkt für SaaS bis 2009 auf zehn Mrd. Dollar wachsen. Google-Chef Eric Schmidt sieht im so genannten Cloud Computing, also der Verlagerung der IT ins Internet, einen der Megatrends der IT-Industrie: "Alle Investitionen fließen derzeit in Anwendungen für dieses Modell oder Antworten darauf. Alle Softwarefirmen entwickeln daran", sagte Schmidt dem Handelsblatt.

Die APS-Lösung von 1&1 soll sicherstellen, dass der Webhoster an diesem Geschäft teilhaben wird und die Kunden nicht zu Google, Yahoo oder Microsoft abwandern, wenn sie Lösungen aus einer Hand suchen. Auch SAP drängt mit seiner "A1S"-Lösung für Mietsoftware bald in den Mittelstand, der sich die klassischen SAP-Systeme nicht leisten kann oder will.

Mit APS können Anbieter Softwarepakete wie Google Apps oder komplexe Business-Anwendungen in eine standardisierte XML-Umgebung "verpacken" und sofort online stellen - wenn der Webhoster den Standard unterstützt. "Das bietet der Software-Industrie ein enormes neues Geschäftspotenzial", sagt Andreas Gauger, Vorstandssprecher von 1&1. Die Firma hat nach eigenen Angaben rund 1,5 Millionen Geschäftskunden und ist laut Branchendienst www.webhosting.info bereits auf den fünften Platz im US-Webhostingmarkt aufgerückt.

Zunächst startet 1&1 in den USA mit der eigenen "Click-n-Build"-Plattform, die bis zu 20 populäre Open-Source-Anwendungen beinhaltet, darunter Tikiwiki (Basissoftware, wie sie in Wikipedia benutzt wird), Joomla, ein Inhalte-Verwaltungssystem, das Anzeigenverwaltungstool phpAdsNew oder WebCalender. Die Programme sind zwar frei im Netz verfügbar, erfordern aber einen hohen Installationsaufwand. In der APS-Version, verspricht 1&1, lassen sie sich schnell zu werbefreien Webpaketen zusammensetzen.

Damit in Zukunft möglichst viele Anwendungen für APS entwickelt werden, ist es ausschlaggebend, dass sich der Standard schnell verbreitet. Sergei Beloussow vom Entwickler SWsoft betont, dass APS ein offener Standard ist. SWsoft will einen Zertifizierungsdienst für Softwarefirmen anbieten, die Kosten für eine Zertifizierung stünden aber noch nicht fest.

Die Details des Standards: www.apsstandard.com

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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