Neues Bewertungssystem
Ebay-Verkäufer drohen mit Boykott

Es hat eine Weile gedauert, bis die Ebay-Gemeinde die Nachricht verdaut hatte: Das Online-Auktionshaus Ebay plant drastische Änderungen seines Bewertungssystems, hatte Handelsblatt.com in der vergangenen Woche gemeldet. Jetzt hagelt es Proteste von Verkäufern, einige drohen sogar mit Boykott.

DÜSSELDORF. In der vergangenen Woche hatte Ebay bekannt gegeben, dass ab Mitte 2008 Verkäufer keine negativen oder neutralen Bewertungen über Käufer mehr abgeben können. Damit will das Handelshaus Käufer, die Anbieter schlecht beurteilen, vor "Rache-Bewertungen" schützen. Damit steigen die Anreize für Käufer, Händler ehrlich zu beurteilen, argumentiert das Online-Auktionshaus. Ein aussagekräftigerer Bewertungsmechanismus mache die Handelsplattform attraktiver für Einkäufer und nutze damit indirekt auch den ehrlichen Kunden. In den USA sollen die Neuerungen ab Mai 2008 in Kraft treten, im Frühsommer dann auch in Deutschland.

Zahlreiche Händler, die bei Ebay Waren anbieten, laufen gegen die Pläne Sturm. Das amerikanische, aber auch das deutschen Diskussionsforum des Unternehmens ist voll mit den Protesten von Anbietern. Einige Händler planen sogar, zwischen dem 18. und dem 25. Februar keine Waren bei Ebay anzubieten.

"Das ist ein weiterer herber Schlag in das Gesicht der Verkäufer", schreibt ein Anbieter mit dem Pseudonym "Collectors Hope" aus Bremen, der alle möglichen Sammlerartikel über Ebay verkauft. "Anstatt die Position derjenigen, von denen man ja schließlich via Gebühren lebt, zu stärken und zu sichern, erfährt der im Durchschnitt zunehmend komplizierter und schwieriger werdende Käufer weitere Unterstützung und Ermutigung bei seinem fragwürdigem Geschäftsgebaren", klagt er. Ein Ebay-Nutzer namens "Max_Kurz" spricht von einer "neuen Schikane", ein Nutzer namens "fm9895" prophezeit "den nächsten Umsatzeinbruch bei Ebay" und kommentiert: "Die tun gerade alles, um ihre Bude an die Wand zu fahren." Und "Daggi_Babba" meint schlicht: "Neues Bewertungssystem? Dann lieber zum Flohmarkt!"

Eine Reihe von Händlern aus den USA will in der übernächsten Woche Ebay boykottieren. "Ich werde mitmachen, wir müssen denen den Ärger aller Verkäufer deutlich machen", schreibt der Betreiber der US-Webseite "Powersellers Unite". Einige deutsche Händler kündigten im Netz bereits an, diese Aktion zu unterstützen. Ähnliche Boykott-Aktionen hatte es in der Vergangenheit bei Gebührenerhöhungen gegeben.

Für die Verkäufer birgt das neue Bewertungssystem tatsächlich Risiken. Auktionsgewinner, die sich nicht melden oder spät bis gar nicht bezahlen, können künftig nicht mehr mit einer schlechten Bewertung sanktioniert werden. Käufer mit krimineller Energie könnten künftig sogar versuchen, die Verkäufer durch die Androhung einer negativen Bewertung zu erpressen, um zum Beispiel Preisnachlässe zu bekommen. "Käufer tragen das primäre Risiko in einer Transaktion - sie schicken ihr Geld an Fremde", rechtfertigt sich Ebay auf seiner Webseite. Daher sollte das Ziel des Bewertungssystems sein, dass der Käufer die Verlässlichkeit eines Verkäufers vernünftig einschätzen kann.

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