Neues Geschäft
Tomtom liefert Verkehrsinfos

Tomtom will sich künftig nicht mehr damit begnügen, mobile Navigationsgeräte zu verkaufen. In den nächsten Monaten startet der Konzern weltweit einen ersten Vorstoß in ein neues Geschäft: Verkehrsinfos. Zunächst soll der Service in den Niederlanden starten.

AMSTERDAM. „Wir gehen davon aus, dass über kurz oder lang die Mehrzahl unserer Kunden auch Verkehrsinformationen von uns beziehen wird,“ sagte Tomtom-Chef Harold Goddijn im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die dafür benötigten Verkehrsdaten bekommt Tomtom aus einer Partnerschaft mit dem Mobilfunker Vodafone. Eine Software verfolgt, wie sich Mobiltelefone bewegen und soll so schnell und zuverlässig erkennen, wo die Straßen verstopft sind. Diese Informationen werden dann an die Tomtom-Geräte in Fahrzeugen übermittelt. Die Autofahrer können nun alternative Routen nehmen. Zudem wird berechnet, wie sich die Fahrzeit verändert. Das neue Angebot startet zunächst in den Niederlanden.

„Das wird die Autofahrer zwar einige Euro im Monat kosten, bringt ihnen aber einen echten Vorteil“, sagt Goddjin. Sollte der neue Service in Holland ankommen, werde er in weiteren Ländern eingeführt, kündigte der Manager an.

Tomtom will mit dieser Dienstleistung einerseits eine weitere Umsatzquelle erschließen. Andererseits sollen die Kunden enger an die Marke gebunden werden. Denn das Geschäft mit Endgeräten läuft zwar nach wie vor prächtig, doch die Geräte werden immer billiger und der Konkurrenzdruck nimmt zu. Für dieses Jahr rechnet Tomtom mit einem Umsatz zwischen 1,6 und 1,8 Mrd. Euro nach knapp 1,4 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Der Durchschnittspreis der Navigationsgeräte lag 2005 in Deutschland nach Berechnungen des Branchenverbands Bitkom bei 475 Euro. Im vergangenen Jahr waren es gerade noch 351 Euro, und ein Ende des Preisrutsches ist nicht absehbar. Mittlerweile gibt es mobile Geräte bereits für 150 Euro.

Die niedrigen Preise sorgen dafür, dass sich immer mehr Menschen ein solches Gerät kaufen. Für das laufende Jahr rechnet der Bitkom damit, dass 3,2 Millionen Stück über die Ladentheken gehen, nach zwei Millionen im vorigen Jahr und lediglich 500 000 im Jahr 2004. Angesichts dieses Wachstums überrascht die Zuversicht der Branche nicht. „Die Geschäfte entwickeln sich sehr gut, und wir sehen positive Signale für den Rest des Jahres“, sagte jüngst Navteq-Chef Judson Green. Navteq ist einer der führenden Anbieter elektronischer Landkarten und hat den Umsatz im abgelaufenen Quartal um knapp ein Drittel gesteigert.

Der unter Autofahrern bekannteste Name im Geschäft mit der mobilen Navigation ist jedoch Tomtom. Das Unternehmen hat wie kein anderes von dem Boom profitiert. Jedes zweite in Deutschland verkaufte mobile Navigationsgerät stammt von Tomtom.

Vor fünf Jahren beschäftigte die Firma lediglich 20 Mitarbeiter und setzte acht Mill. Euro um. Heute sind es 1 000 Beschäftigte, jeden Monat kommen 50 neue Leute dazu. Auch in Deutschland stellen die Niederländer Fachleute ein.

In Deutschland kämpfen drei Dutzend Anbieter um die Gunst der Kunden. Neben Spezialisten wie Garmin bieten jetzt sogar PC-Hersteller wie Fujitsu Siemens Computers die Apparate an. Darüber hinaus ist jüngst auch der weltweit führende Handyhersteller Nokia in das Geschäft eingestiegen. Zusätzlich dazu arbeiten die Autohersteller daran, ihre fest ins Fahrzeug eingebauten Navigationssysteme attraktiver zu machen.

Tomtom-Chef Goddijn lässt das kalt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir den Umsatz in den nächsten fünf Jahren verdoppeln“, unterstrich der Manager. Goddijn hat vor allem Autofahrer im Blick, die noch immer Karten aus Papier nutzen, um ans Ziel zu kommen. Derzeit sind noch nicht einmal ein Drittel aller Autos in Deutschland mit Navigationsgeräten unterwegs. In anderen Ländern liegt der Anteil sogar noch darunter.

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