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Neustart für Musikmesse Popkomm - Branche sucht Wege aus der Krise

Nach Feiern ist in der Krisen geschüttelten Musikbranche eigentlich keinem zumute. Der Neustart der Musikmesse Popkomm in Berlin wird am Dienstagabend trotzdem mit einer großen Party begangen.

dpa BERLIN. Nach Feiern ist in der Krisen geschüttelten Musikbranche eigentlich keinem zumute. Der Neustart der Musikmesse Popkomm in Berlin wird am Dienstagabend trotzdem mit einer großen Party begangen.

In der eigens für diesen Zweck wieder belebten Deutschlandhalle spielen zum Auftakt der dreitägigen Messe die deutschen Aushängeschilder der Szene: die Sprechgesang-Pioniere Die Fantastischen Vier, die Hiphopper von Fünf Sterne Deluxe, Ex- Freundeskreismitglied Max Herre und Reggae-Star Gentleman. Nach ihrem Wegzug aus Köln findet die 16. Popkomm unter dem Motto „Movin Music“ erstmals in der Hauptstadt statt.

In Zeiten enormer Absatzschwierigkeiten, Raubkopiererei und Urheberrechts-Streitigkeiten sollen am neuen Standort Wege aus der desolaten Lage gefunden werden. „Es ist kein Transfer einer Veranstaltung von einer Stadt in eine andere, sondern das ist ein echter Neubeginn“, sagt Popkomm-Geschäftsführer Ralf Kleinhenz. Die aus Messe, Kongress und Festival bestehende Popkomm sei in den vergangenen Jahren immer profilloser geworden. Dazu kam im vergangenen Jahr in Köln ein Einbruch der Fachbesucherzahlen von fast 30 Prozent auf 10 247, die Ausstellerbeteiligung war auf 618 Firmen geschrumpft.

Diese Mal sind nach Angaben von Kleinhenz wieder rund 650 Aussteller aus 40 Ländern dabei, es werde mit 12 000 bis 15 000 Besuchern in den Messehallen unter dem Funkturm gerechnet. Offizielles Partnerland ist Frankreich. Hauptunterschied zur Kölner Popkomm mit dem stets gut besuchten Ringfest - das zwar nicht direkt zur Messe gehörte, aber als großes Open-Air-Spektakel immerhin bis zu zwei Mill. Musikfans anlockte - ist laut Kleinhenz die Rückkehr der Musik in die Clubs. 400 Stunden Live-Musik bietet das Popkomm- Festival, das allen Musikfans offen steht.

In den Clubs der Stadt treten dabei rund 1 200 Musiker auf, darunter bekannte Künstler wie Ice-T, Fettes Brot, Clueso, die Sportfreunde Stiller und die Beatsteaks. Doch nicht nur bereits etablierte Musiker sind dabei. Die Popkomm soll vor allem wieder eine Plattform für noch unbekannte Sänger und Bands werden, die noch keinen Plattenvertrag haben. Zentrum des Festivalprogramms ist die Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wird die Messe am Mittwoch offiziell eröffnen. Beim begleitenden Popkomm-Kongress werden dann die großen Probleme der Plattenfirmen und Musikverlage gewälzt: Wie lässt sich das Geschäft mit Handy-Klingeltönen ausbauen? Ist der klassische Videoclip ein Auslaufmodell? Welche Neuerungen gibt es bei der Musikvermarktung über Internet und Mobiltelefone? Kleinhenz warnt in dem Zusammenhang davor, die klassischen Tonträger aus dem Auge zu verlieren. „86 Prozent des Umsatzes werden immer noch mit der CD gemacht.“

Der Umsatz der Musikbranche mit den klassischen Tonträgern ging allerdings in den vergangenen sechs Jahren um 40 Prozent zurück. Hartmut Spiesecke, Sprecher des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, sieht mittlerweile aber wieder Licht am Ende des Tunnels. „In diesem Jahr werden wir noch einen leichten Umsatzrückgang haben, spätestens ab 2006 geht es dann aber wieder aufwärts“, sagt Spiesecke.

Die Popkomm-Macher erwarten vom neuen Standort Berlin auch eine Sogwirkung. „Berlin hat das Prädikat Musikhauptstadt Deutschlands verdient“, sagt Geschäftsführer Kleinhenz. Dazu gehöre neben der Ansiedlung von Universal, MTV und der Phonoverbände vor allem die reiche Club- und Independentszene. „Ich denke, Berlin darf sich sogar anmaßen, eher in Richtung London und New York zu blicken als auf andere deutsche Städte, wenn es um das musikalische Potenzial geht.“ Der gerade angekündigte Wegzug von Sony Music zum Fusionspartner BMG nach München tue dem keinen Abbruch.

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