Niedrige Margen erschweren Privatkundengeschäft
Internet-Telefonie wächst nur langsam

Seit Jahren ist das Wort in aller Munde: Internet-Telefonie. Doch während die neue Technik bei Geschäftskunden bereits Fuß gefasst hat, wächst die Nachfrage bei den privaten Endkunden nur langsam.

DÜSSELDORF. Mit Hilfe des „Voice-over-Internet-Protocol“ (VoIP) wird dabei Sprache in Datenpaketen wie elektronische Post verschickt. Dies soll das Telefonieren erheblich verbilligen. Doch während die neue Technik bei Geschäftskunden bereits Fuß gefasst hat, wächst die Nachfrage bei den privaten Endkunden nur langsam.

Branchenkenner bezweifeln, dass die Internet-Telefonie das klassische Festnetzverfahren auf absehbare Zeit ersetzen wird. Neu gegründete Unternehmen wie Skype oder Indigo Networks, die sich ausschließlich auf die Internet-Telefonie konzentrieren, müssen in Zusatzdienste wie virtuelle Telefonanlagen und Anrufweiterschaltung investieren, um im Markt zu bestehen.

Größtes Hindernis für die Ausbreitung der Internet-Telefonie im Endkundenmarkt sind nach Angaben der Anbieter derzeit die Vorschriften im Telekommunikationsmarkt. In Deutschland darf der DSL-Zugang zum Internet nur gemeinsam mit dem Festnetz-Telefonanschluss vermarktet werden. Internet-Telefonie funktioniert aber nur mit einem schnellen Breitband-Internetzugang. Wird der Nutzer seinen Festnetz-Anschluss nicht gleichzeitig los, ist er wenig geneigt, auf Voice-over-IP umzusteigen.

„Kunden, die auf den Preis achten, steht mit den Call-by-Call-Tarifen alternativer Telefonieanbieter zudem schon jetzt ein gutes Mittel zur Kostensenkung zur Verfügung “, sagt Arno Wilfert, Telekom-Experte bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little.

Während VoIP-Dienstleister bei Geschäftskunden hohe Gebühren für Zusatzdienste verlangen können, ist es bei Privatkunden schwierig, hinreichende operative Margen zu erzielen. Denn sobald ein Nutzer den festen Kreis der Internet-Telefonierer verlässt und der Anruf ins Festnetz weitergeleitet werden muss, werden Gebühren an die Deutsche Telekom fällig. Diese können die Anbieter aber nur bedingt an ihre Kunden weitergeben.

Der Druck auf die Preise sei derzeit zu groß, erklärt Thomas Goette von der Unternehmensberatung Diamond-Cluster. Deutsche Internet-Dienstleister nutzen VoIP somit hauptsächlich, um den Absatz von DSL-Anschlüssen anzukurbeln: „Internet-Telefonie kann vor allem Neukunden dazu bewegen, sich für einen breitbandigen Anschluss zu entscheiden“, heißt es beim Internet-Dienstleister 1&1. Das Unternehmen knüpft sein Internet-Telefonieprodukt an die DSL-Flatrate.

„Mit Voice-over-IP wollen wir die DSL-Vermarktung verbessern“, sagt Ole Wegner, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Hamburger Freenet. Allerdings werde der Dienst auch als eigenständiges Telefonie-Produkt mit Grundgebühr vermarktet. Ein Drittel aller DSL-Neukunden bei Freenet entscheidet sich laut Wegner für solch ein kostenpflichtiges Produkt. In den vergangenen drei Monaten gewann Freenet etwa 50 000 neue DSL-Nutzer.

Deutschlandweit wird Branchenschätzungen zufolge nur eine Million der knapp sieben Millionen Breitband-Anschlüsse für die Internet-Telefonie genutzt. Der VoIP-Dienstleister Indigo Networks (Sipgate) will daher ab dem zweiten Halbjahr den Geschäftskundenmarkt mit zusätzlichen Produkten wie einer virtuellen Telefonanlage im Netz erschließen. Zudem verhandele das Unternehmen mit Hardware-Herstellern, um die Sipgate-Software, die Internet-Telefonie ermöglicht, etwa auf Notebooks vorinstallieren zu können, sagt Thilo Salmon, Geschäftsführer von Indigo Networks.

Auch Skype sorgt über Hardware-Kooperationen mit Herstellern wie Motorola oder Siemens, um seine VoIP-Produkte besser verbreiten zu können.

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