„Nigeria-Connection“ ist Vorbild
Chodorkowski muss für Spam-Flut herhalten

Die „Nigeria-Connection“, die mit angeblich persönlichen Hilferufen aus Afrika die Mailboxen in Europa und Amerika überschwemmte, hat Nachahmer gefunden. Nun naht eine regelrechte Spam-Flut von vermeintlichen Bittstellern aus dem Umkreis des inhaftierten russischen Unternehmers Michail Chodorkowski.

HB MOSKAU. Da gibt sich etwa eine „Leila Khodorkovsky“ als Frau des Kreml-Kritikers aus - obwohl diese Inna heißt. Sie spricht den Empfänger der E-Mail mit „Dear friend“ an und behauptet dann frech, den Namen des Adressaten im Tagebuch ihres Mannes gefunden zu haben. Der Schreiber bittet um Hilfe bei der Anlage von 45 Mill. Dollar (37 Mill. Euro) aus dem Vermögen Chodorkowskis und verspricht dafür eine Belohnung.

Eine andere Mail ist unterzeichnet mit „Larissa Sosnitskaya“ - angeblich die persönliche Vermögensverwalterin des wohlhabenden Häftlings. Auch hier geht es um die Verlagerung von Vermögenswerten ins Ausland. In anderen Mails wird Bruce Misamore herangezogen, der ehemalige Finanzchef von Chodorkowskis Ölkonzerns Jukos.

„Das ist ein genau geplantes Geschäft“, sagt der Moskauer Spam-Experte Jewgeni Altowski. „Sie suchen sich etwas Aktuelles aus.“ Chodorkowski wurde im vergangenen Jahr wegen Steuerbetrugs zu acht Jahren Haft verurteilt und befindet sich zurzeit in einer sibirischen Strafkolonie an der Grenze zu China. Vor der Verhaftung im Jahr 2003 wurde sein Vermögen auf zwölf Mrd. Euro geschätzt. Der Trick bestehe darin, sich an eine reiche Person dranzuhängen, die in Schwierigkeiten sei, erklärt Altowski. Wenn morgen ein großes Gerichtsverfahren gegen Bill Gates beginnen würde, könnte man sicher sein, dass solche Mails auftauchten, die darauf Bezug nähmen.

Bei den Mails der „Nigeria-Connection“ bezogen sich die Absender unter anderem auf ehemalige Herrscher. Den Empfängern wurde eine Beteiligung an deren Landbesitz versprochen, falls sie dafür im voraus eine Gebühr zahlten. Unter den zahllosen derart angesprochenen E-Mail-Nutzern fanden die Spam-Betrüger immer wieder einige, die sich darauf einließen.

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