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„Nobelpreisbörse“ soll Preisträger vorhersagen

In Helmut Kohl investiert niemand mehr, die Nobelpreis-Aktie von Hans Blix dagegen steht hoch im Kurs: Die meisten Anleger der „Nobelpreisbörse“ setzen darauf, dass der ehemalige UN-Waffeninspekteur dieses Jahr den Friedensnobelpreis erhalten wird.

dpa STOCKHOLM/FRANKFURT. In Helmut Kohl investiert niemand mehr, die Nobelpreis-Aktie von Hans Blix dagegen steht hoch im Kurs: Die meisten Anleger der „Nobelpreisbörse“ setzen darauf, dass der ehemalige UN-Waffeninspekteur dieses Jahr den Friedensnobelpreis erhalten wird.

Die Börse ist ein seit Anfang September laufendes, wissenschaftliches Experiment der Universität Frankfurt, das für die Mitspieler wie ein konventionelles Börsenspiel abläuft. Jeder Teilnehmer erhält ein Startkapital von 10 000 virtuellen Euro. Damit handelt er Aktien derjenigen Kandidaten, die nach seiner Meinung in diesem Jahr die begehrten Preise verliehen bekommen. „Mit diesen virtuellen Börsen kann man Prognosen über Wahlergebnisse oder den Erfolg von Kinofilmen erstellen, die meistens genauer als traditionelle Umfragen sind“, erklärt Bernd Skiera vom wirtschaftswissenschaftlichen Institut.

Zum ersten Mal wurden solche virtuellen Aktienmärkte 1988 angewandt, um das Ergebnis der amerikanischen Präsidentschaftswahl zwischen George Bush senior und Michael Dukakis vorherzusagen. Im Unterschied zu herkömmlichen Umfragen müssen die Teilnehmer an der virtuellen Börse nicht repräsentativ sein. „Weil diejenigen Aktien gekauft werden, von denen die Händler erwarten, dass sie am Ende gewinnen, ist es gleichgültig, wen der einzelne favorisiert“, so Skiera. Als mögliches Problem sieht er mangelnde Kenntnisse der überwiegend deutschen Teilnehmer über ausländische Kandidaten.

Auch die noch geringe Teilnehmerzahl von 325 Personen könnte die Genauigkeit der Prognose beeinträchtigen. Dennoch hofft Skiera, dass mindestens einer der diesjährigen Nobelpreisträger richtig vorausgesagt wird und alle Gewinner zumindest an der Börse gehandelt wurden, wenn übernächste Woche die tatsächlichen Preisträger gekürt werden.

„Ich glaube nicht, dass wir wirklich einen der Gewinner voraussagen“, meint Thomas Meyer, einer der Teilnehmer. „Dafür sind wir viel zu wenige Händler. Und das Auswahlverfahren der Nobelkomitees ist so undurchsichtig, dass man seine Erwartungen auf nichts stützen kann.“ Dennoch verbringt der 28- jährige Elektrotechnikstudent bis zu zwei Stunden am Tag vor dem Computer, um sein Portfolio zu pflegen. „Mich faszinieren Börsenspiele, und diese Webseite ist extrem gut gemacht.“

Ob Skiera oder Meyer am Ende Recht behalten, zeigt sich übernächste Woche. Dann werden im schwedischen Stockholm und im norwegischen Oslo die mit 1,1 Mill. Euro dotierten Preise vergeben. Sollte Hans Blix nicht den prestigeträchtigen Friedensnobelpreis erhalten, müssen die Teilnehmer der Nobelpreisbörse aber nicht verzweifeln: Ihr verspekuliertes Vermögen war zum Glück nur virtuell.

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