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Nostalgie rechnet sich nicht: Online-„Ossiversand“ kämpft

Nostalgie allein rechnet sich nicht. Mit dem Internet-Verkauf von Ostprodukten allein ist die Firma Ossiversand auf Dauer nicht überlebensfähig, meint deren Geschäftsführer Rainer Willms. „Die Ostprodukt-Fans sterben irgendwann aus.“

dpa SCHMÖLLN. Nostalgie allein rechnet sich nicht. Mit dem Internet-Verkauf von Ostprodukten allein ist die Firma Ossiversand auf Dauer nicht überlebensfähig, meint deren Geschäftsführer Rainer Willms. „Die Ostprodukt-Fans sterben irgendwann aus.“

Deshalb will der Internetanbieter für DDR-Marken, der bereits zwei Mal pleite war, sein Geschäftsfeld erweitern: zum Spezialitätenhändler. „Dann finden Sie bei uns neben DDR-Produkten auch böhmisches Glas, ungarische Salami, und, wenn es sein muss, Strumpfhosen aus Barcelona“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens, das eineinhalb Jahre nach der zweiten Pleite auf schwarze Zahlen zustrebt.

„Das Paradies nicht nur für Ossis“ oder „Weil ich im Westen lebe: Ossiversand.de“ - so lauten Internet-Kommentare begeisterter Kunden. 75 000 Kunden hat der Ossiversand in der Kartei, davon 80 Prozent im Westen Deutschlands, 15 Prozent im Ausland und fünf Prozent im Osten der Republik. Die Hälfte sind nach Firmenangaben Stammkunden. Besonders beliebt bei allen: Dederon-Kittelschürzen, Pittiplatsch und Schnatterinchen aus Plüsch, der Sandmann mit Musik, die Spreewaldgurke in der Dose und Hallorenkugeln. Es gibt derzeit 182 verschiedene Lebensmittel; zudem Genussmittel, Textilwaren, Kinderspielzeug, Drogeriewaren, Videos, DVD und Spiele.

„Jetzt sind wir vorwiegend ein Lebensmittelhandel, das wird sich ändern“, sagt Willms. Mit Spezialitäten aus verschiedenen Regionen will der Ossiversand sich deutlich von den anderen Ostprodukt-Internethändlern abheben. Neu im Sortiment ist etwa ein in Thüringen produzierter Rennwagen. Der Apollo ist für Otto Normalverbraucher allerdings unerschwinglich, ebenso wie die Porzellan-Schachfiguren für knapp 9 000 Euro, für die es schon eine adelige Interessentin gibt.

Im Angebot ist auch eine vergoldete Schubkarre für 330 Euro. Diese Ballonkarre - an Stelle des Reifens hat sie eine gegossene Plastikkugel - wurde von der Bamberger TSK-Gruppe entwickelt. Der Automobilzulieferer hatte den 1999 von zwei Hausfrauen ins Leben gerufenen und dann von finanzkräftigeren West-Investoren übernommenen Ossiversand nach der zweiten Pleite gekauft; und den Firmensitz von Landsberg (Sachsen-Anhalt) nach Schmölln (Kreis Altenburger Land) verlegt.

Das Personal wurde fast komplett ausgetauscht. 17 Mitarbeiter sind in Schmölln beschäftigt. 32 000 Quadratmeter Lagerfläche hat der Ossiversand, ein Viertel davon wird derzeit genutzt. Im Lager stapeln sich derzeit Pakete in buntem Weihnachtspapier. Mehrere Firmen lassen für ihre Mitarbeiter Ostpakete packen. „Für ein Unternehmen packen wir 220 Pakete“, berichtet Willms. Für Privatkunden gehen Nikolausbeutel für den Herren, für die Dame und für Kinder sowie Dresdner Christstollen auf die Reise.

Im laufenden Weihnachtsgeschäft gehen in Schmölln täglich 20 bis 50 Bestellungen ein. „In normalen Zeiten sind es 15 bis 20“, sagt der aus Gera stammende Geschäftsführer. Das Jahresendgeschäft soll den Ossiversand aus den roten Zahlen herausführen. Damit auch nach Weihnachten die Resonanz groß bleibt, hat der Internethändler seine Homepage modernisiert. „Der Internethandel lebt vom Erscheinungsbild“, sagt Willms. Der vom alten Ossiversand übernommene Internetauftritt sei zu nutzerunfreundlich gewesen.

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