Notiz-Programm
Das universelle Gedächtnis

Von Apples App-Store profitieren und trotzdem unabhängig bleiben - das zeigt das Start-up Evernote, der Wachstumsstar im Silicon Valley. Das Notiz-Programm wuchs in seinen ersten zwei Jahren schneller als beispielsweise Twitter.
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DÜSSELDORF. Evernote-Gründer Stepan Alexandrovich Pachikov reitet die iPad-Welle. Aber der 50-Jährige will nicht abhängig sein. Sein Start-up setzt auf Gerätevielfalt, und es zahlt sich aus. Pachikov hat es geschafft, aus dem langweiligen Computer-Notizbuch ein zehn Millionen-Dollar-Geschäft zu machen.

Notiz-Programme sind unbeachtete Dreingaben beim Computer- oder Smartphonekauf. Man schreibt irgendwas rein, was man nicht vergessen will und vergisst es dann doch. Oft fehlen Verknüpfungen zu anderen Programmen oder dem Internet. Evernote geht einen anderen Weg. Der internetbasierte Service speichert alles, von der Internet-Adresse über Fotos, Texte, Notizen und Powerpoint-Slides bis zu Sprachnotizen. Gesucht wird über Schlagwörter oder Volltext. Zu den Investoren gehört die Venture-Capital Firma Sequoia, die durch ihre Google-Finanzierung berühmt und reich geworden ist. Im Oktober pumpte Sequoia 20 Millionen Dollar in Evernote aus dem kalifornischen Mountain View.

Erst 2008 gegründet, explodierte die Nutzung des Dienstes praktisch zeitgleich mit der Einführung des iPads im April. Da steuerte das Start-up auf die Marke von drei Millionen Nutzer zu und war zum Startzeitpunkt auf dem iPad verfügbar. Anfang November waren es bereits fünf Millionen Nutzer und CEO Phil Libin erwartet sechs Millionen zum Jahresende. Damit so Libin, ist Evernote in seinen ersten zwei Jahren schneller gewachsen als zum Beispiel Twitter. Der Druck ist so groß, dass Microsoft sein Konkurrenzprodukt "OneNote" mittlerweile kostenlos in sein Office-Paket integriert hat (Einzelpreis rund 100 Euro) und auf Windows-Smartphones vorinstalliert.

Vor allem aber verdient Evernote Geld: Pachikov hat konsequent seine Einnahmequelle von den Geräte-Plattformen wie iTunes getrennt. Das digitale Gedächtnis ist nicht auf iPad oder Apple fixiert. Ob PC, Mac, Blackberry oder Android-Smartphone, von überall her bietet die kostenlose Software Zugriff auf die Nutzer-Daten. Verdient wird mit einem Abonnement, das für fünf Dollar im Monat mehr Speicherplatz als in der Basisversion bietet. Aktuell kommen pro Monat über 800 000 Dollar Umsatz zusammen, knapp zehn Millionen dieses Jahr.

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