Ob Atoll oder Atombunker
Internet-Mietbörse wird zum Renner

Ob Atoll, Atombunker oder eine Geflügel-Rupfmaschine - im Internet sind Sonderwünsche schnell erfüllt. Vor drei Jahren ging Chris Möller (33) mit seinem Portal Erento an den Start. Inzwischen hat sich das Angebot mit 640 000 Mietartikeln zum größten allgemeinen Online-Mietmarkt im deutschsprachigen Raum entwickelt.

dpa DUISBURG. „Mieten statt bieten“ ist das Motto - und zugleich ein Augen zwinkernder Seitenhieb auf das Auktionshaus ebay. Erento wächst rasant, der Umsatz vervierfachte sich im ersten Halbjahr im Vergleich zur ersten Hälfte des Vorjahres.

Immer wieder schauen sich potenzielle Mieter mit ausgefallenen Wünschen im Internet um: Ein Computer-Hersteller braucht für eine Präsentation einen Panzer, für einen Nato-Kongress werden 50 gepanzerte Limousinen gesucht, ein Unternehmen fragt nach einem künstlichen Wasserfall - kein Problem. Auch ein Ausflugsdampfer oder eine Geflügel-Rupfmaschine können fix gebucht werden. 200 000 Artikel sind in den vergangenen zwölf Monaten via erento vermietet worden.

Auf die Idee für sein Unternehmen kam Möller, als er eine Party organisierte. „Es gibt zwar für alles professionelle Vermieter, aber man muss überall anrufen, es ist aufwendig und kompliziert.“ Das Internet mache die Suche leichter: Ob sortiert nach Entfernung des Anbieters oder nach Preis, auf Knopfdruck hat der Suchende einen Überblick.

Die Renner im Angebot sind Wohnmobile. 2000 Stück sind über das Portal bereits vermittelt worden. „Derzeit liegt auch ein Brunnenbohrgerät ganz weit vorn. Für 99 Euro kann man sich im Garten einen eigenen Brunnen bohren und viel Wasserkosten sparen“, berichtet Möller. Zur Fußball-WM waren Leinwände und Beamer der Hit.

Je höher der Preis und je seltener die Nutzung, desto besser ist ein Artikel zum Mieten geeignet. „Die Deutschen haben eigentlich keine Mietkultur, die wollen alles lieber besitzen“, sagt der junge Unternehmer und weist in Richtung England, wo deutlich mehr gemietet werde. „Ich miete mir doch lieber eine Profi-Stichsäge, anstatt mich mit einem gekauften Billiggerät aus dem Baumarkt herumzuärgern, dass mir später den Keller verstopft.“

3 000 überwiegend professionelle Vermieter bieten inzwischen ihr Arsenal via erento an, 120 000 Mieter sind dort registriert. 2 200 Kategorien sollen die Suche erleichtern. Von der allgemeinen Konjunktur ist das Mietgeschäft wenig abhängig, im Gegenteil: „Geht es den Unternehmen schlechter, wird eher gemietet als gekauft.“ Immerhin sind 63 Prozent der Mieter gewerblich, zu den regelmäßigen Kunden zählen auch Behörden und Städte. „Einige Städte mieten im Winter zum Beispiel mobile Eislaufbahnen, im Sommer Klimageräte für die Ämter.“

Auch auf Seite der Vermieter wirken konjunkturelle Flauten förderlich für das Geschäft: „Ein Bauunternehmen kann seine teuren Spezialmaschinen doch vermieten, wenn es sie selbst nicht braucht.“ „Als wir anfingen, wollten die Geldgeber vom Internet Business nichts mehr hören“, erinnert sich Möller. Inzwischen hat das Unternehmen mit Sitz in Berlin und Duisburg auch ohne Kapitalgeber 25 Mitarbeiter und schreibt nach eigenen Angaben schwarze Zahlen.

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