Ob Wetter, Flirts oder Wertpapiere - Sprachportale sind im Aufwind
„Fräulein vom Amt“ kommt aus dem Computer

Sprachportale werden alltagstauglich. Sie verstehen Dialekt, undeutliche Aussprache oder fragen nach. Sie sind immer erreichbar und die Anwendungsmöglichkeiten sind noch nicht annähernd ausgeschöpft.

FRANKFURT. Lucy schmeichelt und schäkert, während sie dem Anrufer Angaben zu sich selbst und seiner Traumpartnerin entlockt. „Schade, dass ich Ihnen über das Telefon nicht in die Augen schauen kann“, quittiert sie etwa die Nennung der Augenfarbe. Und schickt man noch hinterher, ein sportlicher Typ zu sein, säuselt sie: „Na, das wird ja immer besser.“

Lucy ist die Stimme einer telefonischen Dating-Plattform. Mit genauso freundlicher und angenehmer Stimme, jedoch deutlich geschäftsmäßiger, empfängt der Sprachcomputer des Citiphone-Brokerage-Service der Citibank den Anrufer. Schließlich geht es der Bank um den Handel mit Wertpapieren. Der Kunde nennt Konto- und Geheimnummer, sagt „Wertpapierorder“ – schon kann es losgehen. Er sagt „Daimler-Chrysler“, um Aktien dieses Unternehmens zu kaufen oder zu verkaufen. Das System versteht ihn aber auch, wenn er „Mercedes“ sagt. Citiphone Brokerage und Lucy, kreiert und betrieben von Com Vision in Wismar, belegen Rang eins und drei unter den zehn besten deutschsprachigen Sprachportalen.

Gekürt hat sie eine prominent besetzte Jury unter Vorsitz von Wolfgang Wahlster, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken und Mitglied der Stockholmer Nobelpreis-Akademie. Wahlsters Fazit: Die Zeiten, da Sprachcomputer wenig verstanden, Anrufer mit vielen unnützen Fragen quälten, ohne wirklich weiterzuhelfen, und sie mit blechern klingendem Gequäke verschreckten, sind vorbei.

Moderne Systeme verstehen fast jedes Wort und müssen selbst vor Dialekten nicht kapitulieren. Der Anrufer kann frei sprechen, sich korrigieren und das Thema wechseln. Versteht der Computer mal etwas nicht, fragt er geschickt nach. „Die Dialoge kommen dem Gespräch zwischen Menschen erstaunlich nahe“, begeistert sich Wahlster gegenüber der WirtschaftsWoche. „Fortschritte in der Spracherkennung und der Bedienführung haben die Portale alltagstauglich gemacht.“ Umfragen zufolge bevorzugen zwar fast drei Viertel aller Deutschen das persönliche Gespräch, wenn sie bei einem Unternehmen anrufen. Aber wenn Kunden von einem Sprachportal gut bedient werden, verliert sich die Abneigung gegen die Maschine.

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