Occupy Wall Street: Das Netz rächt sich am Pfefferspray-Cop

Occupy Wall StreetDas Netz rächt sich am Pfefferspray-Cop

Um Occupy-Aktivisten zu verjagen, besprühte ein Campus-Polizist in Kalifornien sie mit Capsaicin-Gas, Pfefferspray genannt. Dank des Internets ist er nun seinen Job los.
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HamburgLieutenant John Pike ist jetzt weltberühmt und berüchtigt, und er ist es dank des Internets. Noch vor wenigen Jahren hätte das, was er getan hat, kaum jemanden interessiert, denn nur wenige hätten davon erfahren. Doch weil inzwischen bei fast jedem Ereignis auf der Welt Kameras filmen und die Bilder nach Minuten für alle Welt sichtbar sind, kennen nun Millionen Menschen den Polizisten von der Campus-Polizei der University of California.

Genauer: Sie kennen den Ex-Polizisten. Denn er wurde ebenso wie sein Kollege vom Dienst suspendiert. Beide hatten am 18. November friedlich am Boden sitzende Demonstranten mit sogenanntem Pfefferspray eingenebelt, um sie zur Aufgabe ihrer Sitzblockade zu bewegen.

Pfefferspray sollte Capsaicin-Gas heißen, denn die Substanz ist nicht so harmlos, wie der umgangssprachliche Name vermuten lässt. Als Gas, Gel oder flüssiges Spray ist das aus Chilipflanzen gewonnene Konzentrat weltweit bei Polizei-Behörden im Einsatz, auch in Deutschland. Es brennt und reizt Haut und Schleimhaut so stark, dass es heftige Schmerzen verursacht. Wird es eingeatmet, kann es sogar zum Tod führen.

Pike habe die Demonstranten namentlich gekannt, berichtete eines der Opfer dem Blog Boing Boing, man habe ihm am Abend zuvor noch Kaffee angeboten. Am Tag darauf aber habe die Campus-Leitung entschieden, die Demonstration der Occupy-Bewegung müsse aufgelöst werden. Pike soll dann gesagt haben: "Geht weg, oder wir werden auf euch schießen." Anschließend ging er mit einem Kanister Pfefferspray an der Reihe der Demonstranten entlang und sprühte es ihnen ins Gesicht. Als sein Kanister leer war, kam ein Kollege und besprühte die Übrigen.

Wegen seiner schnellen und heftigen Wirkung darf das Gas von Polizisten nur verwendet werden, um sich in einer gefährlichen Situation zu verteidigen und beispielsweise einen Angreifer abzuwehren. Denn der Einsatz dieser Waffe unterliegt dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit, auch in den USA.

Polizist Pike hat dieses Prinzip offensichtlich verletzt. Immerhin wäre es möglich gewesen, die Handvoll Demonstranten wegzutragen. Außerdem sei das Gas so konzentriert gewesen, dass es nur eingesetzt werden dürfe, wenn das Opfer 4,5 Meter (15 Fuß) weit weg sei, schreibt Boing Boing.

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  • Diese Pfefferspray-Aktionen und Wasserwerfereinsätze zeigen den schmalen Grat zwischen einer funktionierenden Demokratie und einer überbordenden staatlichen Gewalt. Der Einsatz in Stuttgart bleibt unvergessen und wird wohl noch lange ein Mißtrauen in die Politik, den Staat und seine Institutionen wachhalten.

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