Öffentlicher Sektor: Behörden in der Cloud

Öffentlicher Sektor
Behörden in der Cloud

Behörden gelten eigentlich nicht gerade als Pioniere im Cloud-Computing. Eine gemeinsame Nutzung von Kapazitäten wäre jedoch gerade im öffentlichen Sektor effizient. Die EU treibt solche Vorhaben deshalb voran.
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KölnWas soll mit der Hindenburgkaserne in Ulm passieren, wenn sie Mitte des kommenden Jahres von der Bundeswehr an die Stadt übergeben wird? Über diese Frage können sich die Ulmer Bürger online informieren - und auch diskutieren. Ein eigenes Portal wurde dafür aufgesetzt, gehostet in einer Cloud-Lösung. Für den einmonatigen Mitmachzeitraum im Oktober musste die IT für eine starke Nutzung ausgelegt sein, Flexibilität war gefragt: „Ein skalierfähiges System wie eine Cloud passte da sehr gut“, sagt Matthias Trénel, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Zebralog.

Ein offenes Projekt mit einer außergewöhnlichen Infrastruktur: Behörden gelten sonst nicht als Pioniere im Cloud-Computing. „Die deutsche Verwaltung ist in der Breite eher noch abwartend und verhalten in der Nutzung von Cloud-Diensten“, teilt etwa Microsoft Deutschland auf Anfrage mit.

Dabei werden die Anbieter nicht müde, die Vorteile zu betonen: Gerade im öffentlichen Sektor gleichen sich die IT-Aufgaben oft, eine gemeinsame Nutzung von Kapazitäten wäre effizient. Die Anbieter erhoffen sich ein Umdenken, da der finanzielle Druck auf die öffentlichen Kassen steigt. Zudem haben Bund, Länder und Kommunen im Wettbewerb um IT-Fachkräfte eher schlechte Karten - ein Argument, in die Cloud zu gehen. „Überall finden Konsolidierungsprozesse statt, in denen auch Private-Cloud-Szenarien diskutiert werden“, so die Ansicht bei Microsoft Deutschland.

Auch die Community-Cloud kommt dabei ins Spiel - aber eher selten in Deutschland. In Spanien etwa hat T-Systems einen Vertrag mit der Region Valencia abgeschlossen. Nun wird die Bearbeitung von Steuerangelegenheiten für 283 Kommunen in der Region über eine Private Cloud abgewickelt, die T-Systems bereitstellt. Ein positiver Nebeneffekt: Steuerzahler können rund um die Uhr auf das System zugreifen.

Die Europäische Union treibt solche Vorhaben voran - mit dem Ziel, die Produktivität von Behörden durch Cloud-Computing-Services zu verbessern. Im Rahmen des Zukunftsprogramms „Horizon 2020“ soll der öffentliche Sektor in Europa klare Richtlinien für den Einkauf von Cloud-Dienstleistungen bekommen. Eine Website „Cloud for Europe“ ist bereits aufgesetzt, auch wenn dort noch nicht allzu viel Bewegung auszumachen ist.

Anders in den USA: Dort hat Microsoft bereits eine spezielle Cloud-Version seiner „Office“-Pakete für Behörden angepasst. Der Bundesstaat Illinois nutzt das beispielsweise für die Verwaltung seiner Gefängnisse mit knapp 50.000 Insassen, die Stadt New Orleans verbesserte damit die Disponierung ihrer Rettungskräfte. Für Europa sei ein ähnliches Produkt aber bislang weder vorhanden noch geplant, lässt der Softwarekonzern wissen.

So bleibt es in Deutschland aktuell noch bei Einzelfällen ohne Anbindung an die Kern-IT. In Ulm hoffen die Beamten, dass durch die frühe Einbindung via Cloud am Ende noch an ganz anderer Stelle Kosten gespart werden können. Ein Gedanke: Es könnte weniger kostspielige Einsprüche der Bürger geben, weil sie sich früh im Planungsprozess um die Hindenburgkaserne beteiligen durften.

Manuel Heckel
Manuel Heckel
Pressebüro JP4

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