Office-Dokumentenformat
Microsofts Open XML als ISO-Standard akzeptiert

Microsofts Bürosoftware „Office“ ist wieder im Rennen. Ihr Dokumentenformat „OOXML“ hat den Segen der weltweiten Standardisierungsorganisation ISO erhalten. Laut ISO haben zwei Drittel der stimmberechtigten Mitglieder am Samstag bei der entscheidenden Abstimmung „ja“ sagen müssen, am Ende waren es 75 Prozent.

HB DÜSSELDORF. Bei einer ersten Abstimmung 2007 hatte Microsoft die Mehrheit verfehlt und erhebliche Änderungen am Format vornehmen müssen. Erst jetzt erfüllt die Bürosoftware die Forderungen vieler nationaler Behörden und Unternehmen nach einem „offenen“ Dokumentenformat und kann hoffen, weiter in den meisten Büros präsent zu sein. „Offene“ Formate wie „ODF“ (Open Document Format), das Google, Sun und IBM nutzen, „PDF“ von Adobe und „OOXML“ (Office Open Xtended Markup Language) dürfen ohne Erwerb einer Lizenz verwendet werden. Alle Softwareanbieter dürfen sie in ihre Produkte einbinden. So kann niemand das Lesen, Speichern und Bearbeiten von Dokumenten durch Rechte oder Lizenzforderungen monopolisieren.

Der US-Bundesstaat Massachusetts war 2005 einer der ersten, der das Problem ansprach. Als klar wurde, dass für „Office 2007“ OOXML die Formate „.doc“ und „.xls“ ablösen sollte, durften offizielle Dokumente nur noch in ODF gespeichert werden. Sonst hätten Berge alter Dokumente mit neuer Software unleserlich werden könnten. Das wird jetzt hinfällig. Selbst wenn Programme einmal vom Markt verschwinden, werden die Dateien leserlich bleiben. „Das ist ein wichtiger Schritt, um den Zugang zu Milliarden von Dokumenten sicherzustellen“, sagt Istvan Sebestyen, Generalsekretär der europäischen Normungsgesellschaft Ecma.

Die Microsoft-Aktie war am Dienstag, als sich das Ergebnis der ISO-Abstimmung abzeichnete, kräftig gestiegen und gab am Mittwoch im frühen Handel leicht nach. Die Bedeutung des Sieges ist groß, lässt sich aber schwer in Zahlen fassen. Die Umsätze von „Office“ weist Microsoft nicht mehr einzeln aus, sie fließen in den Gesamtumsatz der „Business Division“ ein. Zum Ende des vergangenen Finanzjahres wurde hier ein Umsatz von 16,4 Mrd. Dollar ausgewiesen bei einem Konzernumsatz von 51 Mrd. Dollar. Es sei aber unstrittig, bestätigte eine Microsoft-Sprecherin, dass Office nach Windows der zweitgrößter Umsatz- und Gewinnbringer sei. Dem US-Marktforscher NPD Group zufolge wurden vergangenes Jahr bei der Einführung von „Office 2007“ im US-Handel doppelt so viele Pakete der Bürosoftware verkauft wie vom Vorgänger Office 2003. Das Büropaket zeichne für 17 Prozent aller Softwareumsätze in den USA verantwortlich. Und nun habe man, sagt Dorothee Belz, Chefsyndikus bei Microsoft Deutschland, dem Handelsblatt, ein weiteres gutes Verkaufsargument geschaffen.

Mittelständische Softwareanbieter äußern Bedenken, dass sie bei der Entwicklung von Programmteilen zur Anpassung alter Software („rückwärtskompatibel“) trotz der Offenheit in eine „Patentfalle“ laufen könnten, wenn sie Microsoft-Code verwenden müssten. Dem tritt Justiziarin Belz entgegen: „Sollte ein Entwickler auf bestimmte Informationen zurückgreifen müssen, zum Beispiel Microsoft-Binärcode, um Rückwärtskompatibilität herzustellen, dann werden diese unter die 'Open Specification' gestellt und können kostenlos, frei zugänglich kommerziell genutzt werden“, sagt die Anwältin. „Jede Applikation, egal auf welcher Plattform geschrieben, kann Rückwärtskompatibilität herstellen. Das ist ein wesentlicher Baustein unser Interoperabilitätsstrategie.“ Microsoft unterstützt die Umwandlung alter Office-Dokumente bis einschließlich Version 2000.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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