Online-Geschäft
Apple bringt „Desperate Housewives“ ins Netz

Mit dem Musikplayer iPod und dem Online-Musikladen iTunes beherrscht Apple quasi unangefochten das Geschäft mit der digitalen Musik. Über 70 Prozent aller MP3-Player, die in diesem Jahr in den USA verkauft wurden, tragen das Apfel-Logo.

dpa SAN JOSE/LONDON. Über zehn Millionen Kunden haben inzwischen mehr als 500 Mill. Songs über iTunes legal aus dem Netz geladen. Damit erreicht der Musicstore einen Marktanteil von 80 Prozent. Nun will Apple diesen - angesichts der zahlreichen Konkurrenten wie Microsoft und Real - erstaunlichen Erfolg auf den Video-Markt ausweiten.

Apple-Chef Steve Jobs präsentierte am Mittwoch (Ortszeit) in San Jose (US-Bundesstaat Kalifornien) mit dem Unterhaltungskonzern Disney einen mächtigen Partner, der ihm bei der Umsetzung des neuen Masterplans helfen soll. „Ich kenne diese Burschen“, sagte Jobs und spielte auf die wechselhafte Geschichte der Zusammenarbeit seines Trickfilmstudios Pixar mit Disney an. „Wir erleben hier eine Hochzeit von großartigem Inhalt und großartiger Technologie“, sagte Disney-Chef Robert Iger. Er kündigte an, sämtliche Episoden der Top-Serien des Disney-TV-Senders ABC wie „Desperate Housewives“ und „Lost“ künftig über den iTunes Store anzubieten. „Zum allerersten Mal können Prime-Time-Shows einen Tag nach der Erstausstrahlung im TV online gekauft werden“, betonte Iger.

Bislang hatten die TV-Sender und Film-Studios diesen Markt den Online-Piraten überlassen. Experten gehen davon aus, dass der Datenverkehr, der von illegalen Filmtauschbörsen über Programme wie Bittorrent erzeugt wird, inzwischen das Volumen der anderen Internet- Anwendungen wie E-Mail oder Web übersteigt. Gleichzeitig weisen die Fachleute darauf hin, dass die Nutzer im Netz wie zu den Anfangszeiten der damals noch illegalen Musiktauschbörse Napster in den neunziger Jahren bislang keine legale Alternative online finden konnten. Das soll nun alles anders werden. Rund 2000 Musikvideos und verschiedene Pixar-Kurzfilme runden das Disney-Startpaket in iTunes ab. Die Disney-Filme werden vorerst nur in den USA angeboten. Später soll das Geschäft aber auch auf andere Regionen ausgeweitet werden.

Gleichzeitig stellte Apple einen neuen video-tauglichen iPod vor. Er stellt auf einem (im Vergleich zur portablen Spielekonsole PSP von Sony ziemlich kleinen) 2,5-Zoll-Display die Filme in einer Auflösung von 320 mal 240 Bildpunkten dar. Je nach Modell passen 75 beziehungsweise 150 Stunden Video auf den schlanken Player. Zusammen mit dem vor fünf Wochen eingeführten iPod nano sieht sich Apple nun nicht nur für das kommende Weihnachtsgeschäft gut gerüstet, sondern auch langfristig gut aufgestellt.

Apple präsentierte am Mittwoch auch einen erneuerten iMac Computer, der dem Windows Media Center von Microsoft und seinen Hardwarepartnern Konkurrenz machen soll. Dennoch wird das kalifornische Unternehmen immer weniger als PC-Hersteller wahrgenommen. „Apple entwickelt sich zu einer Unterhaltungsfirma“, sagte Matt Kalmon von der US-Investmentfirma Kelmoore. „Die Leute sagen nicht mehr 'Apple Computer', sie sagen 'Apple'. Die großartigen Firmen in der Welt erfinden sich selbst neu und wachsen in den neuen Zeiten.“

Einige Investoren sind sich jedoch über die Erfolgsaussichten der Apple-Strategie nicht so sicher. Direkt nach der Bekanntgabe der besten Quartalsergebnisse aller Zeiten am Dienstag stürzte die Apple- Aktie nachbörslich um elf Prozent ab, weil die Aussichten für die künftigen iPod-Absätze nicht so rosa ausfielen, wie manche Analysten zuvor gedacht hatten. Inzwischen nähert sich das Papier aber wieder der psychologisch wichtigen 50-Dollar-Marke.

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