Online-Kriminalität
Deutscher Hacker eroberte vor 20 Jahren das Pentagon

Er brauchte nicht mehr als Computer und Modem, um der Großmacht USA einen ihrer schlimmsten Albträume zu bescheren. Vor 20 Jahren, am 23. Juni 1987, setzten Fahnder einen damals 25 Jahre alten Programmierer in Hannover fest, der über das Internet militärische Einrichtungen in den USA ausgespäht hatte - darunter auch das Pentagon, Sitz des US-Verteidigungsministeriums.

dpa/lni HANNOVER. Mit Hilfe weiterer Hacker aus Hannover hatte der Mann die brisanten Daten in Ostberlin dem sowjetischen Geheimdienst KGB angeboten. 1990 wurde den Männern in Celle der Prozess gemacht.

Der Hacker aus Hannover - so die Bezeichnung der Computerexperten, die im Internet auf Diebestour gehen - erhielt wie seine Komplizen eine Bewährungsstrafe. Zwar hieß es in der Urteilsbegründung: „Die Angeklagten haben durch ihr Tun den Tatbestand der gemeinschaftlichen geheimdienstlichen Agententätigkeit (...) erfüllt.“ Allerdings wurde berücksichtigt, dass „nachweisbarer erheblicher Schaden weder für die Bundesrepublik Deutschland noch für die Vereinigten Staaten von Amerika festzustellen war“.

Dennoch: In Auszügen hatte der hannoversche Hacker, der sich in der Szene „Urmel“ nannte und als technischer Kopf der Bande galt, dem Klassenfeind der USA in Zeiten des Kalten Krieges gewichtige Staatsgeheimnisse serviert. Darunter Daten über die Schlagkraft des biologischen und chemischen Waffenarsenals der USA sowie Pläne für die Unterstützung der Nato-Verbündeten im Kriegsfall.

Doch der große Coup blieb aus. Nur stückchenweise übergaben die Hacker ihrem KGB-Kontakt „Serge“ in Ostberlin das Material. Laut Gerichtsakte flossen mehrere tausend D-Mark. Der Plan der Hacker war, irgendwann ihre gesamten Kenntnisse zu verkaufen - damit die Udssr fortan selber den Westen ausspionieren konnte. „Als Kaufpreis stellte man sich 1 Mill. DM vor“, ist in den Gerichtsarchiven festgehalten.

Dass es soweit nicht kam, lag an 75 Cent und dem Einsatz der Deutschen Bundespost. Clifford Stoll, damals Computerfachmann an einer US-Forschungseinrichtung, verfolgte 1986 einen vermeintlichen Abrechnungsfehler bei den Telefonverbindungen - in Höhe eines Dreiviertel-Dollars. Stoll erkannte irgendwann, dass sich ein fremder Nutzer in das Internet seines Arbeitgebers einwählte und von dort weitere Verbindungen aufbaute. „Urmel“ nutzte zivile US-Einrichtungen als Zwischenstationen, brachte ihr Netz unter seine Kontrolle und hackte sich von dort aus weiter in die Tiefen des Netzes.

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