Online-Staat noch in weiter Ferne
Ämter trauen sich langsam ins Netz

Die Daten sollen laufen lernen, nicht die Bürger. Seit über zehn Jahren erklingt der Schlachtruf der Befürworter des E-Governments, also der IT-gestützten Verwaltung. Wahr geworden ist er nicht.

DÜSSELDORF. Mittlerweile sind zwar auch Ämter kleiner Kommunen online erreichbar, doch wer Anträge elektronisch einreichen möchte, kann meist lange klicken. E-Government flackert allenfalls in Insellösungen auf. "Es ist zwar vieles ins Internet gestellt worden, doch es gibt wenig Anwendungen", sagt Jutta Lautenschlager, Geschäftsführerin der Micus Management Consulting GmbH.

"Deutschland tritt beim E-Government auf der Stelle", bestätigt Tom Gensicke, Leiter des Bereiches Public Services bei Capgemini. Das Beratungsunternehmen stellt Deutschland in einer E-Government-Studie ein blamables Zeugnis aus: Im europaweiten Vergleich landet Deutschland nur auf Platz 17. Vom geforderten Online-Staat, der eigentlich bis 2012 laufen soll, ist Deutschland weit entfernt. Software-Entwickler schüren mit neuen Lösungen die Hoffnung, dass der zweite Anlauf glückt - erste Projekte sind umgesetzt.

Dabei suchen auch kleinere Anbieter ihre Chance. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut hat etwa der Software-Hersteller AED-Sicad für die Stadt Esslingen eine Bauplattform entwickelt, die nun aufgebaut wird. Internet, Extranet und Intranet sind aufeinander abgestimmt, um die Genehmigung von Bauanträgen zu vereinfachen. Alle Beteiligten können diese online bearbeiten, ohne dass Unterlagen im Dutzend auf Papier eingereicht werden müssen. Im Extranet der Verwaltung ist das virtuelle Bauamt untergebracht, wo unter anderem digital signierte Katasterkarten oder Pläne hinterlegt sind, die von Bauherren heruntergeladen werden können. Ein geschützter Bereich dient Planern als virtueller Projektraum, um Anträge und Genehmigungen zu bearbeiten. Im Intranet können beteiligte Stellen ihren Segen zum Vorhaben geben, Auflagen verhängen oder den Antrag ablehnen.

Ähnlich einfach soll sich das Verfahren auch künftig für Häuslebauer in Hannover gestalten. Der Spezialanbieter Codia Software aus Meppen ist gerade dabei, sämtliche Fachämter für die digitale Baugenehmigung zu verzahnen und ein virtuelles Bauarchiv einzurichten. Der gesamte Prozess läuft online ab. Alle Informationen werden automatisiert verteilt und abgelegt, während sich Antragsteller stets online über den Stand der Dinge informieren können.

"Wesentliche Voraussetzung für alle Anwendungen im E-Government ist die Einführung einer elektronischen Signatur und eines Archivsystems, das für eine rechtssichere Langzeitspeicherung sorgt", erläutert Codia-Geschäftsführer Laurenz Stecking. Für ihn sind diese beiden Komponenten das Fundament für ein funktionierendes und vertrauenswürdiges Online-Amt. Und: Sämtliche digitale Unterlagen werden über den Standard XML ausgetauscht.

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