Online-Wahlkampf
Arnold und der kalifornische Traum

Schwarzeneggers Wahlkampf ist hollywoodreif. „The day I’m sworn in, I will take action“, sagt der Action-Held. So kennt man den „Terminator“ von der Leinwand, und viele glauben ihm. Rund 40 Tage vor dem Wahltag in Kalifornien ziehen der Schauspieler - und sein Team - alle Register der amerikanischen Wahlkampf-Kunst.

DÜSSELDORF. Dazu gehört der perfekt inszenierte Internet-Auftritt. Unter www.joinarnold.com gehen die Republikaner um Arnold im Internet auf Stimmenfang: Schwarzenegger, in Szene gesetzt, jedes Foto stimmt, jedes Wort sitzt. Der ehemalige Mr. Universe präsentiert sich aufrecht und selbstbewusst, bereit, eine Herausforderung anzunehmen. Die Prognosen geben ihm Recht: Schwarzenegger liegt bis dato vorn, wäre heute Wahltag, er würde einen überwältigenden Sieg davontragen. Laut einer aktuellen Umfrage wollen 45 Prozent der Kalifornier für „Arnie“ stimmen.

Vom österreichischen Einwanderer zum kalifornischen Gouverneur

Von der Startseite seiner Homepage blickt Schwarzenegger weise auf den User, ein wissendes Lächeln umspielt die Mundwinkel. Fürsorglich bereitet der Star „seine“ Bürger auf den Wahltag vor, erklärt online, was er will: „Ich werde Führungskraft und Verantwortungsbewusstsein in der Politik für die Menschen wieder herstellen.“ Schwarzenegger macht deutlich, was er weiß - „die Kalifornier zahlen genügend Steuern.“ Und der Schauspieler zeigt, wer er ist. Nämlich ein Amerikaner. Jemand, der von Unten kam und sich bis an die Spitze gekämpft hat, mit seinem unbändigen Ehrgeiz und seinem übermäßigen Fleiß. „Arnold Schwarzenegger ist ein Immigrant, der in dieses Land gekommen ist, um den amerikanischen Traum zu erfüllen.“ Vom Tellerwäscher zum Millionär, vom österreichischen Einwanderer zum kalifornischen Gouverneur.

„Spann die politischen Muskeln, deine Stimme zählt!“

Schwarzenegger will Wähler mobilisieren, die politisch eher uninteressiert sind, das zeigt auch seine Webseite. Neben einer englischen Ausgabe gibt es das Angebot ebenfalls auf spanisch. In großen Bannern fordern die Republikaner auf, zur Abstimmung zu gehen: „Spann die politischen Muskeln, deine Stimme zählt!“ Mitmachen, die Bürger einbeziehen - das ist überhaupt die Taktik der Wahl-Strategen, Engagement ist auf joinarnold.com gefragt. Freiwillige können Aufkleber verteilen oder E-mails verschicken. Fans dürfen Flugblätter ausdrucken, der ganz Begeisterte ein Werbeschild im Garten aufstellen.

Selbst vor Spendenaufrufen machen die Republikaner um Schwarzenegger nicht halt. Bis zu 21 200 Dollar kann der Bürger online auf das Wahlkampf-Konto überweisen. Dabei hatte der Schauspieler vor ein paar Wochen noch großzügig verkündet, keine Gelder anzunehmen. Schließlich sei er reich genug, um wirtschaftlich unabhängig das Amt des Gouverneurs auszuüben. Doch der Zweck heiligt die Mittel, Arnold will nach Sacramento.

Unternehmergeist statt Muskelkraft

Die Homepage, am 29. August offiziell eröffnet, soll dem Erfolg des frisch gebackenen Politikers weiter einheizen. Dementsprechend ist die Seite professionell aufgezogen, gehalten in den patriotischen Farben der „stars and stripes“ - rot, weiß, blau. Jeden Tag aktualisieren die Macher den Inhalt, der Arnie-Wähler ist immer auf dem neusten Stand. An fremden Stimmen fehlt es nicht. Ein Kolumnist der kalifornischen Lokalzeitung „The Sacramento Bee“ tut seine Meinung über die Kandidaten kund, attackiert die Gegner und verteidigt den Schauspieler.

Schauspieler mit Universitäts-Bildung

So weit, so gut. Schwarzeneggers Vergangenheit als Hollywood-Star allerdings wollen die Wahl-Strategen nicht übermäßig betonen, sind doch Arnolds Action-Streifen ohnehin in aller Munde. So widmen sie Filmen wie „Conan der Barbar“ oder “True Lies“ nur wenige Zeilen. Stattdessen pochen die Autoren auf Arnolds Erfolgsstory als Sportler und Athlet: 13 Siege erstemmte sich der Gewichtheber im Laufe seiner Karriere, darunter die Titel „Mr. Universe“, „Mr. Olympia“ und „Mr. World“. So einer muss Durchsetzungsvermögen haben - und „leadership“. Dazu passt, was keiner wusste: Arnold Schwarzenegger ist ein verantwortungsbewusster Geschäftsmann. An der Universität von Wisconsin machte der Schauspieler kurzerhand ein paar Scheine um sich - erfolgreich - in Immobilien- und Unternehmensbeteiligung stürzen.

Nicht zuletzt, hat der 56-jährige Familienvater eine soziale Ader, Fotos überzeugen: Arnold mit kleinen Kindern, mit Schülern vorm Computer, mit Behinderten im Fitness-Studio - 1979 war er Trainer für die Parolympics. Amerika hat einen neuen Vorzeige-Politiker, die Homepage singt ein Loblied auf Mr. Hollywood. Und wenn man alles für bare Münze nimmt, dann steht Kalifornien ein grandioser Aufstieg bevor. Ökonomisch wie sozialpolitisch, der Bundesstaat am Pazifik braucht Schwarzenegger, um wieder zum gelobten Land der Glücksritter zu werden. Die Westküste ist also reif für „Terminator“, Teil 4: „Der kalifornische Traum“.

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