Open Source
Streit um Freizügigkeit in der IT

Computer sind heutzutage in jedem Unternehmen, jeder staatlichen Bürokratie und auch in den meisten privaten Haushalten unverzichtbar. Auf Desktop-Systemen besitzt Microsofts Betriebssystem Windows dabei ein Quasi-Monopol. Bei Firmensoftware baut die deutsche SAP ihren Marktanteil immer weiter aus und auch in anderen Softwarebereichen bestimmen häufig nur wenige Anbieter den Markt. Damit befinden sich nicht nur Privatanwender, sondern auch Unternehmen und Behörden in Abhängigkeit ihrer Software-Lieferanten, sagen Kritiker. Doch längst nicht alle stimmen dem zu.

DÜSSELDORF. In vielen Behörden und Unternehmen wächst das Unbehagen über Abhängigkeit von den Anbietern. Denn Software und die eingesetzten Dateiformate sind proprietär, also im ausschließlichen Besitz des Unternehmens und damit nicht offen dokumentiert. Das bedeutet für die Software, das der Quelltext nicht offen liegt und somit niemand – außer der Hersteller selbst – genau weiß, was die Software eigentlich tut und wie sie funktioniert.

Der Quelltext stellt, vereinfacht gesagt, das Programm in menschenlesbarer Form dar. Programme werden daher normalerweise im Quelltext programmiert und dann in ein maschinenlesbares Binärformart umgewandelt, das der Computer ausführen kann. Aus diesem Binärformat lässt sich nicht oder nur unter erheblichen Aufwand auf den für Menschen direkt verständlichen Quelltext schließen.

Die Nachteile proprietärer Formate, Software und Protokolle: Wer sie einsetzt, macht sich vom Hersteller abhängig. Nur er kann Software liefern, die mit den eingesetzten Formaten und Schnittstellen umgehen kann – Wettbewerber bleiben außen vor. Nur der Anbieter weiß, was in der Software wirklich vor sich geht. Nur er kann ein dringend benötigtes Sicherheitsupdate liefern oder Anpassungen von Software vornehmen. Dem Hersteller der Software steht es frei, für Lizenzen und Anpassungen, die außer ihm niemand leisten kann, sehr hohe Gebühren zu verlangen. Tatsächlich hat das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in einer Studie herausgefunden, dass ein großer Teil der 115 befragten Nutzer von Open-Source-Programmen zwischen 20 und 25 Prozent ihrer Lizenz- und Betriebskosten einsparen konnten. Microsoft weist das zurück. Die Lizenzgebühren lägen 30 Prozent unter dem Marktpreis für vergleichbare Informationen, konterte Microsoft-Chefjurist Brad Smith vor kurzem entsprechende Vorwürfe der EU-Kommission, das Microsoft dank Monopolstellung überhöhte Lizenzgebühren den Aufbau von Schnittstellen verlange.

Für die Gegner von Microsoft, SAP und Co. steht fest: Nur eine Offenlegung des Quellcodes sichert der Allgemeinheit Innovationskraft und wirtschaftliche Prosperität. „Monopole auf dem Software-Markt sind gefährlich. Denn wer den Quellcode nicht kennt und ihn nicht verändern kann, ist einer Software hilflos ausgeliefert“, sagt Georg Grewe, der Präsident der Free Software Foundation Europe.

Die Kritiker bemängeln, dass damit nicht nur Privatanwender und Unternehmen, sondern auch der überwiegende Teil öffentlicher Behörden und Ämter auf der Welt, Microsoft und anderen Anbietern proprietärer Software, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. Weil ein immer größerer Anteil von Informationen ausschließlich digital gespeichert wird, fordern sie offen dokumentierte Formate zum Speichern dieses Wissens, insbesondere auch im Sinne der Zukunftssicherheit.

Was nach einem dogmatischen „Krieg“ innerhalb von IT-Abteilungen klingt, hat handfeste wirtschaftliche Folgen. Die US-Weltraumbehörde Nasa musste vor Jahren leidvoll erfahren, welche Folgen es hat, wenn proprietäre Systeme plötzlich nicht mehr unterstützt werden. Die in den 60er Jahren eingesetzte Software der Nasa zum Auslesen der Daten ist teilweise nicht mehr vorhanden oder funktioniert auf aktueller Hardware nicht. Weil auch der Quelltext der alten Software nicht verfügbar ist, konnten die Anwendungen zum Lesen der alten Daten nicht auf die aktuelle Hardware angepasst werden. Noch heute zahlt die Nasa teils absurd hohe Summen für „antike“ Hardware, weil alte proprietäre Formate ausgelesen werden müssen. Teilweise ist digital gespeichertes Wissen von damals für immer verloren.

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