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Oracle sticht SAP bei Übernahme von Retek aus

SAP hat den Übernahmekampf um das amerikanische Softwareunternehmen Retek gegen den US-Konkurrenten Oracle verloren. Oracle übertrumpfte SAP mit einer kostspieligen Offerte von 11,25 Dollar je Retek-Aktie.

dpa REDWOOD SHORES/WALLDORF. SAP hat den Übernahmekampf um das amerikanische Softwareunternehmen Retek gegen den US-Konkurrenten Oracle verloren. Oracle übertrumpfte SAP mit einer kostspieligen Offerte von 11,25 Dollar je Retek-Aktie.

Das waren 25 US-Cent mehr als die Deutschen geboten hatten. Der Kaufpreis beläuft sich unter Berücksichtigung der ausstehenden Aktien auf rund 631 Mill. Dollar (478 Mill. Euro). SAP verteidigte die Entscheidung, das Gebot nicht zu erhöhen. „Von einem weiteren Bieterkampf hätten weder die Investoren der SAP noch die gegenwärtigen und zukünftigen Kunden profitiert“, sagte Vorstandschef Henning Kagermann.

Retek ist ein auf große Einzelhandelskonzerne spezialisierter Softwareanbieter mit 525 Mitarbeitern, einem Umsatz von 174,2 Mill. Dollar, 8,2 Mill. Dollar Gewinn und mehr als 200 Kunden in 20 Ländern. SAP, der weltgrößte Anbieter von Unternehmenssoftware vor Oracle, wollte mit dem Retek-Kauf sein Geschäft mit Handelsunternehmen ausbauen. „Allerdings muss dies zu einem Preis geschehen, der der guten finanziellen Performance der SAP keinen Schaden zufügt“, sagte Kagermann.

Oracle-Konzernchef Larry Ellison ist damit nach der hart umkämpften Übernahme der großen amerikanischen Unternehmenssoftware- Firma Peoplesoft für 10,3 Mrd. Dollar jetzt erneut zum Zug gekommen. „Oracle hat das größte Anwendungssoftware-Geschäft in Nordamerika, und wir haben vor, unsere Führungsposition auszubauen“, erklärte er.

Der Zusammenschluss von Oracle und Retek sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung und stärke auch die Oracle- Position im globalen Anwendungssoftwaremarkt für den Einzelhandel. Ellison (60) ist mit einem Vermögen von 18,4 Mrd. Dollar in der Liste der reichsten Menschen der Welt des US-Wirtschaftsmagazins „Forbes“ auf Platz neun.

Ellison hat SAP, dem globalen Branchenführer bei Unternehmenssoftware, offen den Kampf angesagt. Oracle ist nach Microsoft zweitgrößter Softwarekonzern der Welt. Das Hauptgeschäft macht Oracle aber mit Datenbank-Software. Ellison baut mit dem Aufkauf von Peoplesoft und Retek die Unternehmenssoftware-Aktivitäten stark aus.

Kagermann sagte, SAP sehe sich angesichts ihrer Marktstärke ausreichend für alle Wettbewerbskämpfe im Segment Handel gerüstet. SAP sei nach wie vor führender Anbieter von Unternehmenssoftware weltweit und habe in den vergangenen zwei Jahren kontinuierlich Marktanteile gegenüber den Wettbewerbern gewonnen. „Diese Position im Weltmarkt kann man sich nicht erkaufen, sondern gewinnt sie nur durch das vertrauen der Kunden und die Schaffung von Mehrwert“, betonte Kagermann. „SAP ist zuversichtlich, ihre starke Marktposition im Segment Handel weiter auszubauen.“

Retek-Chef Marty Leetsma bezeichnete das Oracle-Angebot als gutes Geschäft für die Retek-Aktionäre. Alle anwesenden Mitglieder hätten auf der Verwaltungsratssitzung empfohlen, sie anzunehmen. Oracle hatte seit der Retek-Gründung im Jahr 1986 eine starke Partnerschaft mit dem Unternehmen. Ihre Produkte seien auf der Oracle- Technologieplattform entwickelt worden. Oracle hält bereits fast zehn Prozent aller ausstehenden Retek-Aktien.

Angefangen hatte der Bieterwettstreit Ende Februar mit einer SAP- Offerte von 8,50 je Aktie. Retek hatte sich zuvor für die letzte SAP-Offerte entschieden und muss nun SAP 25 Mill. Dollar Abstand zahlen. Die Retek-Aktien hatten am Montag mit 11,46 Dollar um einen Cent niedriger geschlossen. Der Oracle-Aktienkurs legte um elf Cent auf 12,65 Dollar zu.

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