Organic Computing: Rechner richten sich nach Bedürfnissen des Nutzers
Anpassungsfähige Computer

Wir sind umgeben von Computern. Der Mensch muss sich dabei bislang an die Vorgaben der Maschinen halten, um sie einsetzen zu können. Ziel von „Organic Computing“ ist nun, dass der Computer sich an den Bedürfnissen des Menschen orientiert.

hiz DÜSSELDORF. Weltweit arbeiten die Wissenschaftler aus den verschiedensten Disziplinen daran, das Verhalten von Maschinen den Bedürfnissen der Menschen anzupassen. Wissenschaftler der Universität Karlsruhe wollen Computer dazu bringen, selbständig auf die Bedürfnisse der Anwender einzugehen. Ziel des Projekts „Organic Computing“ ist es, Maschinen mit intelligenten Eigenschaften zu konzipieren. Dazu gehören die Selbstorganisation, die Selbstkonfiguration, die Selbstoptimierung, die Selbstheilung, der Selbstschutz, die Selbsterklärung und schließlich das Umgebungsbewusstsein.

Nach Aussagen von Dr. Hartmut Schmeck, Professor vom Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB), soll der Computer sich stärker an den Bedürfnissen des Menschen orientieren. Unter Computer verstehen die Wissenschaftler aber nicht nur den PC, der fast auf jedem Schreibtisch zu finden ist. Vielmehr richtet sich das Interesse auf nahezu alle intelligenten System. "Wir sind von einer Vielzahl intelligenter Systeme umgeben: Fahrzeuge, Computer, Handys, Organizer. Alle diese Geräte gehören dazu", erklärt Prof. Schmeck. In seinen Visionen sind weitere integrierte Funktionen denkbar: Das Auto, dessen Blinker bei Bedarf kurzfristig die Funktion des defekten Fensterheberschalters übernehmen kann, ein Gerät, das dem Nutzer den Namen der Person anzeigt, die ihm auf der Straße entgegenkommt, oder Knöpfe, die als Sensoren für ausgewählte Körperfunktionen des Hemdenträgers dienen.

Um die vielfach bestehenden Barrieren zwischen dem Anwender Menschen und den Computern zu überwinden ist Schmeck ein Punkt besonders wichtig: "Die Geräte müssen in der Lage sein, sich selbst zu organisieren." Bei der Erforschung des Selbstorganisationsprinzips orientieren sich die Wissenschaftler an der Natur - beispielsweise dienen ihnen Ameisenstaaten als Vorbild. Die Tatsache, dass das Ameisenvolk als ganzes Fähigkeiten besitzt, die eine einzelne Ameise nicht hat, interessiert die Forscher. In Computern findet sich oft das gegenteilige Problem; hier funktionieren die Komponenten einzeln, doch sobald sie zusammengesteckt werden, treten Fehler auf. Dieses spontan einsetzende Verhalten fassen Wissenschaftler unter der Bezeichnung "Emergenz" zusammen. Ziel muss es laut Schmeck sein, die Regeln für das Zusammenwirken vieler kleiner Teile zu finden, damit derartige, unerwünschte Effekte im Vorfeld erkannt werden. Eben bei dieser Fragestellung seien Vorgänge in der Natur oft sehr hilfreich. Sich selbstständig organisierende Systeme zeigen freilich auch Nachteile. So liegt laut Schmeck die Herausforderung darin, unerwünschtes Verhalten zu vermeiden und zugleich erwünschtes Verhalten zu fördern.

Für die technische Nutzung des Organic-Computing-Prinzips sind neue Basistechnologien nötig. Ein Ziel der Forscher ist es deshalb die Entwicklung eines entsprechenden Werkzeugkastens, zu dem aufeinander abgestimmte Konzepte, Methoden und Tools gehören. Konkret wird derzeit an Hardware-Systemen gearbeitet, die in der Lage sind, sich an verschiedene Situationen selbstständig anzupassen.

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