PDP-Fertigung: Pioneer greift im Zukunftsmarkt für flache Fernseher an

PDP-Fertigung
Pioneer greift im Zukunftsmarkt für flache Fernseher an

Die Japaner übernehmen die Plasma-Fertigung des Konkurrenten NEC.

DÜSSELDORF. Der japanische Elektronikkonzern NEC verkauft seine komplette Fertigung von Plasma-Display-Panel (PDP) einschließlich aller Patente an den Konkurrenten Pioneer Corp. Für NEC, Computerbauer und größter Handyproduzent Japans, ist das ein wichtiger Schritt in der Konzentration auf das Kerngeschäft. Pioneer steigt mit dem Kauf in die Spitzengruppe der Hersteller für Flachbildschirme auf. Doch der Schritt ist nicht ohne Risiken: Ob die Plasma-Technik eine Zukunft hat, ist heftig umstritten. Die Konkurrenz durch Fernseher mit LCD-Technik (Liquid Crystal Display) nimmt zu. Martin Beckmann, vom LCD-TV-Marktführer Sharp: "Im Bereich unter 80cm Diagonale spielen Plasmas schon heute kaum noch eine Rolle."

Pioneer wird dem Marktforscher Display Research zufolge nach der Transaktion im Plasma-Markt mit einem Anteil von rund 19,5 % die Nummer zwei hinter Fujitsu Hitachi Plasma und vor Matsushita Electric Industrial mit 19,2 % sein. 2002 lag Pioneer noch bei 12,1 %.

Der Kaufpreis für die Fabrik im japanischen Kagoshima wird von Kaneo Ito, President von Pioneer, mit rund 40 Mrd. Yen (ca 380 Mill. $) angegeben. Das Geschäft soll im März abgeschlossen sein. Pioneer will bis 2006 die Jahresproduktion auf 500 000 Einheiten steigern, im Januar 2005 soll eine neue Fertigungsstätte nahe Tokyo eröffnet werden. Die NEC-Fabrik soll 600 000 Displays pro Jahr dazu steuern.

Die Übernahme einer laufenden Produktion hat den Vorteil, dass Pioneer sofort Bedarf in einem boomenden Markt decken kann. 2003 meldeten alle Flat-TV-Produzenten Engpässe in der Versorgung. Die Consumer Electronics Association erwartet 2004 für den US-Markt einen Bedarf an LCD-TV von 1,7 Mill. Einheiten, das wären 700 000 Geräte mehr als noch im vergangenen Jahr abgesetzt worden sind. Der Absatz von Plasma-Fernsehern soll ebenfalls kräftig anziehen, und einen Umsatz von 2,2 Mrd $ einspielen. Obwohl die Nachfrage nach den schicken flachen Fernsehern ständig steigt, geraten die Preise unter Druck. So sank der Verkaufspreis von Plasma-Geräten in den USA binnen Jahresfrist von 4 625 auf 4047 $, LCD-Geräte bieten bei fast gleichem Preis immer größere Bildschirme. So kommt es im Massenmarkt zu einem harten Konkurrenzkampf der Systeme. Die koreanische LG zeigte in Las Vegas LCD-Geräte mit 55-Zoll-Diagonale. Sharp will nach der Cebit 45-Zoll-LCD-TV (114 cm) in Deutschland anbieten. Vor zwei Jahren war das technisch noch nicht möglich.

Sharp startete zudem im Januar die modernste LCD-Fertigung im japanischen Kameyama. Im August soll die Kapazität auf 27 000 Einheiten monatlich fast verdoppelt werden. Der koreanische Samsung-Konzern - der eine LCD-Fertigung mit Sony betreibt - rechnet vor, dass mit jeder Fabrikgeneration der Herstellungspreis um ein Drittel sinkt.

Gleichzeitig expandieren auch die Wettbewerber mit Plasma-Geräten: Matsushita wird im April einen weiteren Standort in Osaka in Betrieb nehmen und die Monatsproduktion auf 100 000 Geräte steigern. Andrea Herrmann, Vorstandsmitglied bei Matsushita Europe: "Wir setzen weiter auf Plasmas ab 37-Zoll (93 cm). Vor allem die Bildqualität spricht nach wie vor für diese Technik."

Doch nicht nur der Kampf um Marktanteile zwischen den Technologien fördert die Konsolidierung im Panel-Markt. Noch ist dieser Zukunftsmarkt fest in der Hand japanischer und koreanischer Anbieter. Speziell im unteren Preissegment drängen jedoch chinesische und taiwanesische Produzenten wie AU Optronics (Acer, BenQ) nach. Finanzanalysten in Tokio weisen darauf hin, dass der Deal helfe, den Standort Japan konkurrenzfähig zu halten.

Neben dem Fernseher-Geschäft verkaufte NEC in einer getrennten Transaktion Teile der Chipfertigung an die taiwanesische Advanced Semiconductor Engineering Inc.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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