PIN-Codes: Der verflixte Schlüssel

PIN-Codes
Der verflixte Schlüssel

Datenschutz ist im digitalen Zeitalter ein großes Problem. Durch Einkäufe und Banking im Internet werden gerade Geheimzahlen und PINs leicht zum Ziel unbefugter Zugriffe. Selbst das Handy ist nicht vor solchen Attacken sicher. Umso wichtiger ist es, dass die gewählten Passwörter schwer zu knacken sind – und sie trotzdem nicht vergessen werden.
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An den Augenblick, in dem der Bankautomat am Münchner Flughafen seine Kreditkarte verschluckte, erinnert sich Andreas Iching noch immer mit Grausen. „Plötzlich stand ich ohne Bargeld da, mutierte von einer zur anderen Sekunde vom Geschäftsreisenden zum Bittsteller“, erzählt er. Iching hatte die PIN-Codes von EC- und Kreditkarte verwechselt und unter Zeitdruck dreimal hintereinander die falschen Ziffern eingetippt. „Und dann war die Karte futsch.“

Und mit ihr Ansehen und Reputation. Das musste der 52-Jährige kurze Zeit später feststellen, als er seine Geschäftspartner um einen Bargeldvorschuss fürs Abendessen und das Hotel bat. „Selbst bei Leuten, mit denen ich seit Jahren zu tun habe, wurde ich ohne Bares schlagartig zum Paria.“ Ichings ernüchterte Erkenntnis: „Du bist nix – deine PIN ist alles!“

Sie heißen „9562“, 327643“ oder „Smr72“ oder „Wa!-@4“ – und sie sind die neue Qual des digitalen Zeitalters: PINs, Passwörter, und Zugangs-Codes für Handy oder EC-Karte, Büro-PC oder Web-Shop. Ohne die kryptischen Zahlen-, Zeichen- und Ziffernkolonnen streikt nicht nur der Geldautomat, sondern auch der Computer und das Mobiltelefon. Und die Liste der Geräte und Anwendungen, die nur noch nach Eingabe von Geheimzahl und/oder elektronischem Zugangsschlüssel die Arbeit aufnehmen, wird immer länger: Kreditkarte, Autoradio, Online-Banking, E-Mail-Zugang, Garagentoröffner, PayBack-Karte, Bahnbonus, Vielflieger-Karte, Ebay-Konto, Internet-Hotspot, Hotel-Safe, SAP-Software – alles wird mit möglichst komplizierten Ziffernschlüsseln gegen Missbrauch gesichert. Und mit der elektronischen Gesundheitskarte kommt dieses Jahr noch ein Datenträger hinzu, der beim Arztbesuch mit einer PIN aktiviert werden muss.

„Es ist eine wahre Passwort-Pest“, schimpft Petra Jenner. Als Deutschland-Chefin des IT-Sicherheitsunternehmens Check Point ist sie dem Datenschutz eigentlich zugetan. Doch auch die Technikexpertin stößt mittlerweile an ihre Grenzen. „Die Zahl der Geheimcodes wächst wie Unkraut. Inzwischen schlage ich mich pro Tag mit mehr als 20 PINs und Passwörtern herum – das kann sich kein Mensch mehr merken.“ Um nicht völlig den Überblick zu verlieren, hat sie die wichtigsten Geheimwörter inzwischen notiert und abgelegt – „verschlüsselt und an sicherer Stelle wohlgemerkt“, wie die 43-Jährige betont.

Das hätte auch Bernd Waldner besser getan. Nach dem Kauf eines neuen Handys vertauschte der Essener Einzelhändler versehentlich den SIM-Code seines Handys mit dem seines Autotelefons – und blockierte nach wiederholter Falscheingabe gleich beide Telefone.

Dass Mobilfunkkunden ihre SIM-Karten mit falschen PIN-Eingaben komplett sperren, kommt allerdings nach Angaben der Mobilfunker inzwischen nur noch selten vor. „Geschäftskunden schalten ihre Handys oft nicht mehr ab, sondern nutzen den Flugmodus – dann brauchen sie den Code nach dem Wiedereinbuchen in das Netz nicht mehr einzugeben“, weiß Thomas Salchow, Leiter der Kunden-Hotline von Vodafone. „Damit verzichten Kunden allerdings auf einen wichtigen Schutz des Handys bei Diebstahl oder Verlust.“ Wer den Code dann doch einmal vergessen hat, dem verraten die Düsseldorfer den „PUK“ genannten Entsperr-Code.

Allerdings erst nach einer weiteren Erinnerungsleistung „Zum Schutz gegen Missbrauch muss der Anrufer sein Kundenkennwort nennen.“

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