Primus-Online führt Gespräche zur Übernahme von Letsbuyit-Kunden
Letsbuyit erhält Frist für Liquiditätsbeschaffung

Der angeschlagene Internet-Händler Letsbuyit.com hat durch eine Verschiebung des Konkursbeschlusses des zuständigen Amsterdamer Gerichts eine neue Rettungschance erhalten. Derweil ist Primus-Online am Kauf der Kunden-Daten und der Domain des Unternehmens interessiert.
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Reuters AMSTERDAM/LONDON. Das Gericht hatte am Freitag mitgeteilt, es habe den Beschluss bis zum 25. Januar, 8.00 Uhr MEZ, aufgeschoben. Dies räume dem Unternehmen die Möglichkeit ein, neue Mittel in Höhe von vier Mill. Euro zu beschaffen. Die Treuhänder des am Neuen Markt gelisteten Unternehmens müssen der Mitteilung zufolge dem Gericht bis zum 24. Januar, 18.00 Uhr MEZ, mitteilen, ob sie das Geld erhalten haben. In Kreisen aus dem Umfeld der Rettungsverhandlungen für Letsbuyit hieß es jedoch, das Unternehmen benötige über diese Summe hinaus innerhalb von zwei Wochen weitere 28 Mill. $, um eine Liquidation zu vermeiden. Unterdessen wurde mit Primus-Online ein weiterer Interessent für den Kauf von Teilen des angeschlagenen Unternehmens bekannt.

Letsbuyit.com, das günstiges Einkaufen im Internet durch eine Bündelung der Nachfrage anbietet, hatte Ende Dezember einen vorläufigen Zahlungsaufschub nach niederländischem Recht beantragt. Kurz darauf gewährte das Landgericht Amsterdam diesen Aufschub. Zugleich trat das Management zurück. Aufsichtsrat und Verwalter hätten beschlossen, die aktuelle Finanzlage des Unternehmens sowie alle Szenarien zur Fortführung des Geschäftsbetriebs weiter zu prüfen, hatte es geheißen.

Derweil bestätigte am Freitag Primus-Online, die Internethändler-Tochter der Metro AG, Gespräche über den Kauf der Kundendaten und der Internetadresse (Domain) von Letsbuyit.com. Primus-Online-Chef Thomas Schulte-Hürmann sagte der Nachrichtenagentur Reuters, seine Gesellschaft sei bereit, für jeden Letsbuyit-Kunden 1 DM zu zahlen. Offiziell habe Letsbuyit 750 000 Kunden, man wisse allerdings nicht, wie viele Kunden davon real seien, fügte er hinzu. Schulte-Hürmann stellte zugleich klar, Primus-Online sei aber nicht daran interessiert, Vermögenswerte des verschuldeten Unternehmens zu kaufen.

Gespräche zwischen Letsbuyit und möglichen anderen Partnern wie dem französischen Internethändler Dealpartners.com und der norwegischen Firma CoShopper laufen unterdessen nach Angaben von Kreisen aus dem Umfeld der Unternehmen weiter. Die Aufschiebung des Gerichtsbeschlusses gebe dem Unternehmen möglicherweise den dringend benötigten Spielraum, hieß es in den Kreisen weiter. Der Vorstandsvorsitzende der norwegischen CoShopper, Frode Lervik, sagte Reuters, man sei nach wie vor an Teilen des Unternehmens interessiert. Man sei daran interessiert, die Kunden von Letsbuyit zu kaufen, sagte er. "Wir haben ihnen angeboten, den Geschäftsablauf zeitweise zu übernehmen, denn der Wert der Kunden geht mit jedem Tag, an dem das Geschäft ruht, zurück. Sie haben gesagt, sie seien sehr daran interessiert", sagte Lervik. Die gerichtlich als Treuhänder von Letsbuyit eingesetzte niederländische Anwaltskanzlei Van Doorne hatte am Dienstag die Umwandlung des Zahlungsaufschubs in einen Konkurs beantragt. Das Management von Letsbuyit hatte sich gegen diesen Schritt gewandt.

Obwohl Van Doorne mit Letsbuyit bei der Suche nach Rettung für das Unternehmen zusammengearbeitet hatte, sind die Treuhänder nach niederländischem Recht nicht Teil des Managements, so dass beide Seiten unabhängig voneinander agieren können. Die Aktie von Letsbuyit.com notierte am Freitagnachmittag unverändert gegenüber dem Vortag mit 0,27 Euro. Dies entspricht ungefähr einer Marktkapitalisierung von 4,5 Mill. Euro. Im Juli vergangenen Jahres hatte diese noch 115 Mill. Euro betragen.

Sollte das Gericht in der kommenden Woche gegen das Management entscheiden, wäre davon eine Reihe namhafter Gläubiger betroffen. Van Doorne, die die Verbindlichkeiten des Unternehmens auf knapp 20 Mill. Euro taxiert, teilte mit, allein auf das US-Technologie-Unternehmen Sykes als dem größtem Gläubiger entfielen 7,5 Mill. Euro. Weiter betroffen seien Hewlett-Packard , Icon Media und WinEasy.

Der größte Einzelaktionär von LetsBuyIt.com, ProSieben, hatte am Donnerstag angekündigt, seine Beteiligung an dem Internet-Händler voll abzuschreiben. Ein Sprecher der ProSiebenSat.1 Media AG bezifferte den Abschreibungsbedarf auf rund 20 Mill. Euro. ProSieben war vor dem Börsengang von LetsBuyIt.com mit 25,1 % bei dem Internet-Händler eingestiegen, hatte seinen Anteil aber bei Kapitalerhöhungen auf 16,85 % verwässern lassen.

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