Privat- und Gewerbekunden finden immer stärker Gefallen an neuer Technik
Internet-Telefonie wird der nächste Hype

Für Laien ist es schon ein kleines Wunder: Die Worte, die wir in den Telefonhörer sprechen, werden mit Hilfe moderner Technologien in binäre Codes übersetzt, zerschnitten und päckchenweise über das Internet an den Adressaten verschickt. Am Ziel werden alle Pakete wieder entpackt, zusammengebaut und in Sprache zurückverwandelt. Möglich ist die Telefonie über das Internet Protokoll (IP) vor allem aber auch dank der höheren Bandbreiten, wie sie zum Beispiel DSL ermöglicht.

HB DÜSSELDORF. Das mittlerweile steigende Interesse der Verbraucher dokumentiert sich für Anbieter wie United Internet über die abgewickelten Minuten. Im September 2004 hat der Internet-Konzern noch 3,7 Millionen Gesprächsminuten seiner Kunden durch seine Technik passieren lassen. Im August 2005 waren es bereits 130 Millionen. Und das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht erreicht, sagt United-Internet-Sprecher Marcus Schaps. „Wir gehen weiterhin von einem sehr dynamischen Wachstum aus."

Zum Optimismus in Sachen IP-Telefonie verleitet das Management aus Montabaur vor allem die hohe Quote von 70 Prozent der DSL-Neukunden, die mit dem Breitband-Internetzugang auch gleich die Hardware für IP-Telefonie ordert. Für United Internet ist IP-Telefonie damit längst mehr als ein Marketing-Instrument, mit dem die Attraktivität der DSL-Angebote gesteigert werden kann. „Wir verdienen mit DSL-Telefonie Geld", betont Schaps. Zwar seien die Margen klein, aber schon bei den heutigen Mengen an verkauften IP-Telefonie-Minuten läppern sich die Cents zum echten Ergebnisbeitrag.

Doch nicht nur United Internet mit den Marken 1&1 und Web.de setzt auf Internettelefonie. Zu den Anbietern gehören auch andere Internetprovider wie Freenet, Tiscali oder Lycos. Den Zug will in der Informations- und Telekommunikationsbranche niemand verpassen. Auch die Deutsche Telekom ist inzwischen aufgesprungen. Ihre Tochter T-Online bietet seit August IP-Telefonie an und forciert damit den Verdrängungswettbewerb gegen die konventionelle Festnetztelefonie der Schwester T-Com. und der lange Zeit zögerliche deutsch Internetmarktführer T-Online sind eigenen Internet-Telefonie-Angebot auf dem Markt.

Außerhalb von Deutschland sind noch ganz andere Kaliber ihr Interesse an VoIP unter Beweis gestellt. Das Internet-Auktionshaus Ebay zahlt für den IP-Telefonie-Anbieter Skype 2,6 Milliarden Dollar. Die neue Technologie soll in die Auktionsplattform eingebunden werden und Käufern- und Verkäufern die Möglichkeit geben auch mündlich miteinander über das Internet in Kontakt zu treten. Auch Yahoo und Microsoft haben mit Dialpad beziehungsweise Teleo Firmen mit IP-Telefonie-Know-how in den Konzernverbund aufgenommen.

Zwar sind die Gesprächsgebühren über das Internet mit einem Cent beispielsweise für Web.de-Kunden und 1,5 Cent für die übrigen Nutzer nicht außergewöhnlich günstig, wer aber mit anderen VoIP-Kunden telefoniert - auch denen von 1&1 und Freenet - spricht per VoIP zum Nulltarif. Bei Web.de heißt dieser Dienst VoIP-Peering.

Für Experten geht es nun nicht mehr darum, ob das Internet die konventionelle Telefonie auslöscht, sondern mehr darum, wann das der Fall sein wird. Colt-Telecom-Deutschland-Chef Wolfgang Essig glaubt, dass es im Jahr 2010 nur noch Neuanschlüsse auf Basis der IP-Technologie geben und 2030 konventionelle Telefonie kaum noch zu finden sein wird. Das Marktforschungsunternehmen Forrester Research erwartet 2010 einen VoIP-Anteil in Höhe von 30 Prozent im Bereich der privaten Festnetztelefonie. In den nächsten 15 Jahren sei eine Annäherung an 100 Prozent jedoch noch nicht zu erwarten.

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