Produkt-Test
Plattenspieler haucht LPs neues Leben ein

Der Plattenspieler TTUSB des US-Unternehmens Numark soll LPs und Singles unkompliziert in Musikdateien umwandeln. Ganz einfach ist das nicht, doch das Ergebnis kann sich hören lassen.

DÜSSELDORF. Ist die Begeisterung von Freunden und Bekannten ein Gradmesser, dann hat das US-Unternehmen Numark mit dem TTUSB Turntable (179 Euro) jetzt ein lang ersehntes Produkt herausgebracht. "Was, mit dem Plattenspieler kann ich meine Plattensammlung direkt in Musikdateien umwandeln und sie auf CD brennen oder auf meinen MP3-Spieler ziehen? Das ist ja klasse!" Und schon leben die alten Zeiten wieder auf, werden die Vinylschätze hervorgeholt und Erinnerungen ausgetauscht: an Uralt-Hits von den Stones, Hollies, Eric Burdon und Chuck Berry, an Party-Feger wie "Crossroads" von Cream, an den Knutsch-Blues von Chicken Shack. Die schon immer etwas intellektueller waren, kramen Aufnahmen von Jazz-Legenden wie Miles Davis, John Coltrane und Chet Baker hervor.

Ja, der TTUSB haucht Singles und LPs neues Leben ein - wenn man den Dreh erst einmal raus hat. Der Tonarm des Plattenspielers ist ebenso schnell montiert und justiert, wie das mitgelieferte Aufzeichnungsprogramm Audacity auf dem Rechner installiert ist. Was ich vermisse, sind eine Abdeckhaube und ein automatischer Lift für den Tonarm - das Gerät ist eben für professionelle Discjockeys konzipiert, und denen ist beides vermutlich nur im Wege. Die Menüs im Computer gibt es zwar nur auf Englisch, dafür liegt aber eine deutsche Bedienungsanleitung bei. Jetzt noch zwei Cinch-Stecker und das USB-Kabel mit dem Computer verbinden - schon kann die Übertragung starten. Wer viel Zeit und Geduld hat, kann über 70 Stunden Musik in einem Rutsch aufnehmen.

Doch nach dem Aufzeichnen beginnt die eigentliche Arbeit. Denn Audacity trennt die Lieder weder von selbst noch entfernt es die Leerstellen zwischen den Titeln. Diese zeitraubenden Prozeduren bleiben dem Nutzer überlassen. Um die Stücke später wiederzufinden, kommt man nicht umhin, unter jedes Lied in eine separate Textspur Interpret und Titel zu schreiben. Die Umwandlung der fertigen Aufnahme in eine CD-taugliche WAV-Audio-Datei ist dafür schon nach wenigen Mausklicks erledigt.

Komplizierter ist zumindest anfangs die Umwandlung der Stücke in eine MP3-Datei. Audacity leistet das nicht direkt. Die Bedienungsanleitung empfiehlt das Laden kostenloser Zusatzprogramme aus dem Internet. Ich scheitere jedoch in mehreren Anläufen mit dem Versuch, sie in die Audacity-Software einzubinden - das scheint nur etwas für Profis zu sein. Ein Kollege gibt mir schließlich den entscheidenden Tipp, allerdings muss man dazu Apples Gratis-Musikplayer iTunes auf seinem Rechner haben: Die WAV-Datei dorthin exportieren, die rechte Maustaste drücken und mit einem Klick ins MP3-Format konvertieren.

Der Klang der digitalisierten Musik hängt stark von der Qualität der Plattenpressung ab. Audacity bietet die Option, den Aufnahmepegel zu bearbeiten und in Grenzen Rauschen zu entfernen. Das charakteristische Knistern und natürlich auch etwaige Sprünge bleiben aber zu hören, auch in der digitalen Version bewahren die Platten ihre Authentizität. Problematisch sind die Höhen. Bei schlechter Pressung klingen sie scheppernd und unsauber, selbst bei einem guten Original selten wirklich klar.

Trotz dieser Abstriche ist das Gesamtergebnis akzeptabel. Der TTUSB lässt sich auch an die ganz normale Hi-Fi-Anlage anschließen und dann als gewöhnlicher Plattenspieler nutzen. Let the good times roll!

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