Programm erleichtert Suche im Intranet
Vom Datenchaos zur echten Fundgrube

Wer im Unternehmen Informationen sucht, braucht oft länger, als ihm lieb ist. Um das Datenchaos zu ordnen, hat jetzt das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) eine neue Suchmaschine für den Hausgebrauch entwickelt, die das Management von Firmenwissen erleichtert. Interne Datenbanken werden so plötzlich zur echten Fundgrube.

KÖLN. Das Programm namens Conweaver sei dank einer „semantischen Suche“ treffsicherer als herkömmliche Tools, werben die Entwickler. Wie andere Suchwerkzeuge durchforstet Conweaver die kompletten Datenbanken eines Unternehmens nach einem Wort, findet dabei aber auch Übersetzungen, Synonyme oder bedeutungsähnliche Bezeichnungen – und das in unterschiedlichsten Datenformaten. „So entsteht ein Wissensnetz mit Treffern, die mit einer Volltextsuchmaschine nicht möglich gewesen wären“, sagt Teamleiter Thomas Kamps. Eine Benutzeroberfläche, die auf den jeweiligen Betrieb zugeschnitten ist, bereitet Ergebnisse nach Thema und Wichtigkeit grafisch auf. Zudem sei das System von selbst lernfähig. Einmal installiert, sei kein Administrator nötig.

Ganz neu ist die Idee nicht. Schon einige New-Economy-Firmen scheiterten mit ausgefeilten Lösungen, weil die Kundenakzeptanz fehlte. Lösungen, die die unbezifferten Suchkosten der Mitarbeiter senken, seien schwer verkäuflich, sagen Branchenexperten. „Das sind alles fantastische Lösungen und man wundert sich, warum die Softwarefirmen nicht offene Türen einrennen. Das Problem: Die Unternehmen sehen auf den ersten Blick keinen Kosten-Nutzen-Effekt“, sagt Mirko Maier, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Für viele Firmen seien semantische Suchmaschinen nicht mehr als „Nice-To-Have-Projekte“, die sie nur einkauften, wenn gerade Geld übrig sei.

Die Wirren des Neuen Marktes überlebt hat der Anbieter USU aus Baden-Württemberg. Mit dem „Knowledge Miner“ setzt auch USU auf semantische Suche. Volkswagen nutzt die Software für die Qualitätssicherung, die Stadt Köln setzt sie in ihrem Call-Center ein. Die Rate, bei denen die Mitarbeiter Anfragen auf Anhieb lösen konnten, ist dort nach Angaben von USU von 40 auf 95 Prozent gestiegen. Produktmanager Martin Landis schätzt das Marktvolumen für das Management von Wissensdatenbanken in Deutschland auf bis zu 30 Mill. Euro pro Jahr: „Die Kunden suchen nach Lösungen, die ihre Prozesse ganzheitlich unterstützen, und nicht nur nach einer Suchmaschine.“

Auch die IGD-Forscher sind vom Potenzial ihrer Spezialsoftware überzeugt und planen eine Firmen-Ausgründung zur Vermarktung der Innovation. Mehrere Dax-Unternehmen seien an der Lösung interessiert, sagen die Forscher. Von der Konkurrenz solle sich Conweaver über die Flexibilität abgrenzen. Aus einem Baukasten von 200 Methoden können die Darmstädter ihre Software nach eigenen Angaben genau auf die Bedürfnisse der Unternehmen zuschneiden. Derzeit installieren sie ihr Programm in der Controlling-Abteilung des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care. Der Projektleiter Kamil Isik ist vom Nutzen überzeugt: „Für uns als weltweit agierendes Unternehmen ist es von Vorteil, dass Conweaver Begriffe in unterschiedlichen Sprachen sucht und übersetzt.“

Dennoch: Der Siegeszug von Conweaver ist längst keine ausgemachte Sache. „Ob das System gute Chancen auf dem Markt hat, hängt von vielem ab“, sagt Francois Bry, Professor am Institut für Informatik an der Münchner Universität. Unter anderem, welche Marktstellung die vertreibende Firma habe und wie gut das System auf dem US-Markt ankomme. Zum nächsten Google wird Conweaver jedenfalls nicht: Denn für die Internet-Suche ist die Technik ungeeignet.

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