Projekt wird nicht gestoppt
München treibt Linux-Umstellung weiter voran

Der Paukenschlag ist verhallt: Die Stadt München wird ihre Computer wie geplant auf das frei erhältliche Betriebssystem Linux umstellen. Vor zwei Wochen hatte die bayerische Landeshauptstadt noch für Aufsehen gesorgt, als die Ausschreibung für das Vorhaben gestoppt wurde. Inzwischen sieht es jedoch so aus, als werde es allenfalls eine Verzögerung von wenigen Wochen geben.

jojo MÜNCHEN. München ist der Vorreiter unter den deutschen Großstädten und gilt weltweit als Musterbeispiel für die Einführung von Linux in der öffentlichen Verwaltung. Als die Stadt das Software-Projekt wegen patentrechtlicher Bedenken Anfang August für einige Tage auf Eis legte, sorgte das rund um die Erde für heiße Diskussionen unter Software-Experten und in der öffentlichen Verwaltung. München sorgte sich um unkalkulierbare Kosten durch mögliche Patentforderungen.

Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt, denn München macht wie geplant weiter. Gestern sagte ein Sprecher, die erste Stufe der Ausschreibung für die Software-Lieferung werde in diesen Tagen beginnen. Dabei wird erst einmal ausgelotet, welche Software-Firmen sich überhaupt dafür bewerben. Noch unklar ist, wann das Bieterverfahren dann endgültig beginnen wird.

Zudem werde schon bald ein Gutachten vorgelegt, das die rechtlichen Unsicherheiten ausräumen soll, betonte der Sprecher. Ein Datum wollte er aber nicht nennen. Die Stadt will ihre 14 000 Rechner in den nächsten Jahren für rund 30 Mill. Euro vom Betriebssystem Windows auf Linux umstellen.

Die Bayern sind momentan nicht die Einzigen, die sich von Microsoft abkoppeln. Auch Wien verabschiedet sich vom Monopol des US-Konzerns. Von Mitte nächsten Jahres an können 7 500 Mitarbeiter der Stadt entscheiden, ob sie lieber mit Microsoft oder mit Linux arbeiten möchten.

Ein größeres Projekt hat zudem die französische Verwaltung gestartet. Rund eine Million staatliche Computer sollen künftig mit freier Software laufen. In der norwegischen Stadt Bergen ist bereits ein Projekt zur Umstellung von Großrechnern, so genannte Server, angelaufen. Zudem haben einige kleinere deutsche Städte sowie zahlreiche Regionen im Ausland ihre Computer umgestellt. Die Verwaltungen versprechen sich davon geringere Lizenzkosten und sehen größere Möglichkeiten, die Software nach ihren Bedürfnissen zu verändern. Zudem wollen sie von der Geschäftspolitik von Microsoft unabhängiger werden.

Nicht immer aber entscheidet sich die öffentliche Hand für Linux, wenn es um neue Aufträge geht. Anfang der Woche erst punktete Microsoft bei der britischen Regierung mit einer Verlängerung eines bereits bestehenden Vertrags um weitere drei Jahre.

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