Prozess gegen den Entwickler
Microsoft-Experte sagt im Fall "Sasser" aus

Mit weiteren Zeugenvernehmungen ist am Mittwoch der Prozess gegen den Entwickler der verheerenden Internetwürmer „Sasser“ und „Netsky“ fortgesetzt worden. Dabei kam auch ein Experte des Softwarekonzerns Microsoft zu Wort.

HB VERDEN. Der Microsoft-Mitarbeiter hat über damalige Sicherheitslücken in den Betriebssystemen Windows XP und 2000 ausgesagt. Außerdem erläuterte der Datenschutzbeauftragte des Softwareriesen am Mittwoch vor dem Landgericht im niedersächsischen Verden, wie sich die Internetwürmer „Sasser“ und „Netsky“ in die Computer einschleichen konnten, sagte Gerichtssprecherin Katharina Krützfeldt.

Der mutmaßliche Erfinder der Schädlinge, ein 19-Jähriger aus Waffensen (Kreis Rotenburg/Wümme), steht seit Dienstag vor Gericht. Er hat gestanden, die Würmer programmiert und verbreitet zu haben. „Sasser“ hatte im Mai 2004 weltweit Computer zum unkontrollierten Absturz gebracht. „Netsky“ attackierte per E-Mail fremde Rechner. Dateien sollen aber nicht zerstört worden sein.

Laut Anklageschrift beläuft sich der Schaden auf 130 000 €. Experten gehen dennoch von einem Millionenschaden aus, da viele Firmen zeitweise nicht mehr arbeiten konnten. Bei der amerikanischen Fluglinie Delta Airlines fielen zahlreiche Flüge aus. Bei der Europäischen Kommission waren 1200 Rechner betroffen. In Deutschland musste die Postbank zeitweise im Schneckentempo arbeiten, da „Sasser“ rund 300 000 Rechner heimsuchte. Auch 19 Stationen der britischen Küstenwache wurden vom Wurm lahm gelegt.

Im Prozess um den mutmaßlichen Entwickler der Internetwürmer „Sasser“ und „Netsky“ wird entgegen ursprünglichen Planungen erst am Freitag das Urteil verkündet. Die Plädoyers sollen am Donnerstag vor dem Landgericht in Verden (Niedersachsen) gehalten werden. Die Kammer wolle sich ausreichend Zeit für Beratungen nehmen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Silke Streichsbier, am Mittwoch nach Ende des zweiten Verhandlungstages.

Der Computerfreak sitzt laut Anklageschrift wegen Datenveränderung in acht Fällen, Computersabotage und Störung öffentlicher Betriebe auf der Anklagebank. Da er zur Tatzeit erst 17 Jahre alt war, findet das Verfahren nach dem Jugendstrafrecht ohne Öffentlichkeit statt. Als Strafe drohen dem Angeklagten schlimmstenfalls fünf Jahre Gefängnis. Danach sieht es nach Expertenaussagen aber nicht aus. Vorstellbar seien Zuchtmittel wie Verwarnung, gemeinnützige Arbeit oder Jugendarrest, sagte Krützfeldt. Auch Erfahrungen anderer Länder zeigen, dass die meisten Virenschreiber mit Bewährungsstrafen oder Sozialdiensten davon kommen.

Die ersten Zivilverfahren gegen den Angeklagten sind unterdessen bereits abgeschlossen. In vier Fällen hätten sich die Beteiligten auf Zahlungen unter 1000 € geeinigt, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Rotenburg/Wümme am Mittwoch. „Dabei spielte sicher eine Rolle, dass der Angeklagte nicht zu großen Zahlungen fähig ist“, sagte der Sprecher.

Kläger im Zivilverfahren waren nach Angaben des Sprechers ein Anwaltsbüro, eine Versicherungsagentur, ein kaufmännisches Unternehmen und eine Privatperson. Ein Baustoffhandel, der ebenfalls Schadensersatz forderte, zog seine Klage zurück. „Wahrscheinlich haben die Parteien sich außergerichtlich geeinigt.“ Vier Verfahren seien bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen worden, der letzte Fall im April dieses Jahres. Weitere Zivilverfahren gegen den „Sasser“-Urheber seien nicht anhängig, sagte der Sprecher.

Das Amtsgericht befasst sich nur mit Forderungen bis 5000 €. Darüber liegende Ansprüche verhandelt das Landgericht in Verden, wo bislang nach Angaben einer Sprecherin keine Zivilklagen eingereicht wurden. Betroffene können in diesem Fall ihre Ansprüche noch bis Ende 2007 geltend machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%