Prozesse
Gerichtssaal statt Wall Street: Infineon-Manager vor Gericht

München (dpa) - Es hätte eine gute Woche für Andreas von Zitzewitz werden können. Am Mittwoch feierte die Infineon-Tochter Qimonda ein zwar mühseliges, aber am Ende doch geschafftes Börsendebüt in New York. 

München (dpa) - Es hätte eine gute Woche für Andreas von Zitzewitz werden können. Am Mittwoch feierte die Infineon-Tochter Qimonda ein zwar mühseliges, aber am Ende doch geschafftes Börsendebüt in New York.

Eigentlich hätte der Ex-Infineon-Vorstand zum Börsenstart an der Wall Street die Glocke läuten können - Zitzewitz galt bis zu seinem Sturz als Favorit für den Chefsessel von Qimonda. Stattdessen musste er am Donnerstag im kargen Saal B166 des Münchner Landgerichts im Schmiergeldprozess einräumen, in seiner Zeit als Infineon-Manager von einem Geschäftspartner große Summen Bargeld bekommen zu haben. "Ich habe die Kuverts angenommen und immer in die Seitentasche meiner Geschäftstasche gesteckt." Er habe zwar gewusst, dass es Unrecht ist, sich aber über das Geld gefreut.

An diesem Tag war Zitzewitz als Zeuge geladen. Auf der Anklagebank im laufenden Prozess sitzt Ralf Udo Schneider, der mit einer Agentur das Motorsport-Sponsoring von Infineon organisiert hatte. Er soll Zitzewitz und anderen Managern das Bargeld gegeben haben. Nach eigenen Angaben erhielt Zitzewitz über mehrere Jahre 70 000 bis 100 000 Euro, laut Schneider sollen es 259 000 Euro gewesen sein. Gegen den 46-jährigen Zitzewitz läuft ein eigenes Verfahren.

Ihm wurde wohl sein Faible für den Motorsport zum Verhängnis. "Der Motorsport ist ein Hobby und eine Leidenschaft von mir", sagte er bei seiner Vernehmung. Oft gemeinsam mit Ex-Konzernchef Ulrich Schumacher nahm er an zahlreichen Rennen teil. Auch auf der Strecke habe Zitzewitz das Risiko geliebt, sagt ein Unternehmenskenner. Er sei vielleicht noch öfter aus der Strecke geflogen als der ebenfalls wilde Schumacher.

Angesichts der Motorsport-Leidenschaft der Führungskräfte war es nur logisch, dass Infineon nach der Abspaltung von Siemens mit Hilfe des Motorsport-Sponsorings seinen Namen bekannt machen wollte. Auch das Schmiergeld gab Zitzewitz entsprechend aus. Er habe das Bargeld im Umschlag stets in der Tasche mit sich rumgetragen, sagte er. Ausgegeben wurde es dann an der Rennstrecke - mal für neue Reifen für die Rennmotorräder von ihm und seinen Söhnen, mal für das Startgeld.

Kollegen des Ex-Vorstandsmitglied können all das bis heute nicht fassen. Der Manager habe ein dickes Gehalt bekommen, da sei es nicht nachvollziehbar, wie man auch als Familienvater dreier Kinder nebenher noch die Hand aufhalten könne, sagt einer von ihnen. Auch Zitzewitz meinte: "Im Prinzip war mir immer unwohl." Er habe gegen interne Regeln von Infineon verstoßen und das Geld nicht versteuert. Er habe trotz seines schlechten Gewissens allerdings in keinem Fall das angebotene Geld abgelehnt.

Die Rolle von Ex-Konzernchef Schumacher in der Affäre ist weiter offen. Zitzewitz arbeitete 20 Jahre erst bei Siemens dann bei Infineon eng mit Schumacher zusammen und galt als einer seiner "Buddies", ehe sich die beiden später überwarfen. Im Prozess nun beharrte Zitzewitz darauf, dass er nicht das Zentrum der Affäre sei. Als er sich geziert habe, erstmals Geld anzunehmen, habe Schneider ihm berichtet, Schumacher habe zu ihm gesagt: "Gib dem Andreas auch was." Zudem habe er einmal gesehen, wie Schumacher einen Umschlag mit viel Geld darin in einen Koffer gesteckt haben. Er wisse aber nicht, ob dies einer von Schneiders Umschlägen gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Schumacher. Dieser hat beteuert, dass er sich nichts hat zu Schulden kommen lassen.

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