Prozesse
Internet-Pornocoup: Bewährungsstrafen für Betrüger

Nach einem millionenschweren Internet-Porno-Coup sind zwei Männer aus Dänemark zu Bewährungsstrafen und einer Geldstrafe von insgesamt 2,1 Mill. Euro verurteilt worden.

dpa HAMBURG. Nach einem millionenschweren Internet-Porno-Coup sind zwei Männer aus Dänemark zu Bewährungsstrafen und einer Geldstrafe von insgesamt 2,1 Mill. Euro verurteilt worden. „Dieses Verfahren hat für mich Pilotwirkung und auch eine Warnfunktion für potenzielle Nachahmergruppen“, sagte der Richter am Amtsgericht Hamburg-St. Georg.

„Wenn man sieht, welcher immense technische Aufwand nötig war, dann war das ein Null-Summen-Spiel“, fügte er hinzu. Die beiden Angeklagten im Alter von 38 und 64 Jahren hatten mit Hilfe von so genannten Dialer-Techniken Internet-Nutzern falsche Rechnungen für angebliche Erotik-Abos zugestellt. Durch ihre Machenschaften sollen sie insgesamt 3,2 Mill. Euro erbeutet haben.

Strafmildernd wertete der Richter das umfassende Geständnis der beiden Männer. Damit hätten sie dem Gericht und letztlich dem Steuerzahler ein jahrelanges, kompliziertes Verfahren erspart. Der 38-jährige Däne und Kopf des Unternehmens hatte zuvor zugegeben, dass er Internetbenutzer mit präparierten Werbebannern automatisch auf Erotikseiten weitergeleitet hatte. Dadurch habe sich ein versteckt installiertes Einwahlprogramm automatisch gestartet, mit dem der Nutzer von ihm selbst unbemerkt bei der Festnetznummer einer Firma angerufen habe. Der Anruf sei dort gespeichert worden und Grundlage für die komplette Datenermittlung des Internetnutzers gewesen.

Er habe seine Geschäftspraxis zunächst als Ausnutzung einer Gesetzeslücke verstanden, sagte der 38-jährige Angeklagte, der zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe von zwei Mill. Euro verurteilt wurde. Der Däne, der in Spanien lebt, will die Summe innerhalb der nächsten zwei Wochen überweisen. Sein Komplize erhielt ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe von 100 000 Euro.

Tatsächlich hatten sich die beiden Dänen mit ihrer Geschäftspraxis zunächst laut Staatsanwaltschaft in einer „rechtlichen Grauzone“ bewegt. Durch eine Behördenentscheidung im Februar 2004 seien die Handlungen dann aber eindeutig unrechtmäßig geworden. Bis Juni hätten die Männer ihre Geschäftspraxis aber dennoch weitergeführt.

„Es ging darum, möglichst viele Telefonnummern mit dem Datensatz einer Person zu bekommen, an die man dann die Rechnung schicken kann“, sagte der Staatsanwalt. Die Männer hätten über mehrere Firmen agiert, unter anderem mit Sitz in Hamburg. Insgesamt seien rund 358 000 Rechnungen und Mahnschreiben verschickt worden. In dem fraglichen Zeitraum mit eindeutiger Rechtslage hätten rund 32 000 Empfänger bezahlt. „Wenn man als Mann so eine Rechnung bekommt, ist man pikiert, will das seiner Frau nicht zeigen und keinen Ärger riskieren. Und dann haben viele das Geld überwiesen, um ihre Ruhe zu haben“, sagte der Staatsanwalt. Auf Grund der Vielzahl der Opfer könne das Geld nicht erstattet werden.

Einige Rechnungs-Empfänger hatten sich allerdings auch bei der Polizei gemeldet. „Es waren Priester, Nonnen und auch viele Frauen dabei, die angeblich diese Erotik-Abonnements hatten, und da fragt man sich, lügen die alle“, sagte der Staatsanwalt. So sei die Polizei auf den Betrug aufmerksam geworden.

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