Prozesse
Millionenbetrug mit illegalen Autodialern im Internet

Im bislang größten Prozess um Internetkriminalität in Deutschland hat das Osnabrücker Landgericht am Mittwoch mehrjährige Haftstrafen verhängt.

dpa OSNABRüCK. Im bislang größten Prozess um Internetkriminalität in Deutschland hat das Osnabrücker Landgericht am Mittwoch mehrjährige Haftstrafen verhängt. Die beiden Angeklagten wurden im so genannten Autodialer-Prozess wegen bandenmäßigen Betrugs und Computerbetrugs zu vier Jahren Haft sowie drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Nach Überzeugung des Gerichts hatten die 31 und 35 Jahre alten Angeklagten von Juli 2002 bis September 2003 illegale Einwahlprogramme auf Pornoseiten im Internet versteckt und damit einen Schaden von mindestens zwölf Mill. Euro verursacht. Bereits im Frühsommer waren in einem gesonderten Verfahren zwei weitere Angeklagte zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Die Verurteilten verwendeten zwar zunächst über von ihnen gegründete Firmen legale Einwahlprogramme. Diese seien dann aber aus Geldgier durch illegale Autodialer ersetzt worden, erklärte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Diese Programme wurden so manipuliert, dass Internetnutzer nicht über die zum Teil erheblichen Einwahlkosten informiert wurden. Zugleich wurden Spuren der Autodialer auf den Rechnern vertuscht. „Es hat etwas von Heimtücke“, befand der Richter. Nach Überzeugung des Gerichts wurden mindestens 100 000 Internetnutzer betrogen.

Obwohl das Gericht in weiten Teilen der Urteilsbegründung der Staatsanwaltschaft folgte, konnte sich die Anklagebehörde bei der Strafzumessung nicht durchsetzen. Der Staatsanwalt hatte sechs und viereinhalb Jahre Haft gefordert. Zugleich wollte er den beiden Männern Geldzahlungen in Höhe von sieben Mill. Euro und 750 000 Euro auferlegen. In ersten Reaktionen zeigten sich sowohl Anklage als auch Verteidigung unzufrieden mit dem Urteil.

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