Pseudo-Tests im Internet Hier werden Verbraucher in die Irre geführt

Smartphone-Tests, Kaffeemaschinen-Tests, sogar Betonmischer-Tests finden sich im Internet: Scheinbar gibt es kaum etwas, was Experten noch nicht auf Herz und Nieren geprüft haben - aber nur auf den ersten Blick.
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Achtung, der vermeintliche Vergleichssieger wurde womöglich gar nicht getestet. Das gute Urteil soll meist nur zum Kauf anregen. Quelle: dpa
Vermeintlicher Vergleichssieger

Achtung, der vermeintliche Vergleichssieger wurde womöglich gar nicht getestet. Das gute Urteil soll meist nur zum Kauf anregen.

(Foto: dpa)

Wer sich im Internet über ein Produkt informieren möchte, findet nahezu immer Seiten mit vermeintlichen Test-Ergebnissen: Scheinbar gibt es kaum etwas, was Experten noch nicht auf Herz und Nieren geprüft haben. Doch oft sind es nur Vergleichsseiten mit Fotos und Tabellen voller Produktdaten, die den Anschein eines Tests erwecken. Einen Wert haben die Ergebnisse solcher Seiten nicht, warnen Verbraucherschützer. Sie dienen den Betreibern einzig dazu, Verkaufsprovisionen einzustreichen.

„Man weiß nicht, welche Kriterien zugrunde gelegt wurden”, erläutert Kerstin Hoppe, Referentin im Team Rechtsdurchsetzung beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die Problematik der Pseudo-Tests und ihrer Bewertungen. Fünf solcher Seiten hat der vzbv schon wegen Vortäuschung von Produkttests abgemahnt. „In den meisten Fällen haben die nicht ein Produkt in den Händen gehalten, alles hübsch aufbereitet und einen Link hinterlegt.” Der Link führt zu Online-Marktplätzen und Händlern, die eine Provision zahlen, wenn das Produkt dann bei ihnen gekauft wird.

Die skurrilsten Tests aus 50 Jahren
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Sonnenschutzmittel (test 4/1966)

„Auch für empfindliche Haut bei intensiver Bestrahlung geeignet“: Mit Lichtschutzfaktor (LSF) 2,5 sind Sonnenkinder in 1966 auf der sicheren Seite. Zumindest wenn es nach dem Urteil der Stiftung Warentest geht: Sonnencremes mit dem Minimal-LSF erhalten im Test ein „Sehr gut“. Der Trend zum heute empfohlenen LSF 30 – oder gar 50 – schreitet nur langsam voran: Noch bis 1990 gilt Lichtschutzfaktor 10 als absolutes Maximum.

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Selbstverteidigungswaffen (test 2/1974)

Ein Gas-Revolver für 110 DM erzielt 1974 als einzige der getesteten Reizstoff- und Schreckschusswaffen das Urteil „Gut“. Das Fatale: Einige der anderen Revolver schützen ihre Eigentümer nicht wie geplant vor „Gaunern und Ganoven“, sondern würden sie im Fall der Fälle selbst schachmatt setzen. Denn das Reizgas geht nicht nur nach vorne, sondern auch nach oben – und die Abschreckattacke somit nach hinten los. Von Tränengasdosen sind die damaligen Tester keine großen Fans: Mit Dosen kann man Diebe eben nicht so gut erschrecken wie mit Revolvern.

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Handstrickapparate (test 9/1974)

Für Näharbeiten gibt es Nähmaschinen, für Strick gibt es in den Siebzigern das Pendant: Die Handstrickmaschine. Dass sie heute kaum noch jemand kennt, hat Gründe: Schon damals hält die Stiftung Warentest den Nutzen der Apparate für streitbar. Dabei erhalten viele Geräte sogar das Urteil „Gut“. Ein Gerät zulegen solle sich nur, wer gute Nerven und Geduld habe. Die Tester haben dies wohl nicht – und raten eher vom Kauf ab.

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Kinderbügeleisen (test 2/1975) und Kinderkochherde (test 10/1978)

Noch heute spielen Kinder gern mit Miniaturen von Waschmaschinen, Staubsaugern oder Backöfen. Mal sind sie aus Holz, mal aus Plastik – in den 70er-Jahren sieht das noch ganz anders aus. Kinderbügeleisen können wirklich bügeln, und auf Kinderkochherden kann man wirklich kochen. Praktisch vielleicht, aber gefährlich: Im Test werden Bügeleisen zu heiß, spannungsführende Teile liegen offen, ein Herd fängt gar Feuer. Die Sicherheitsprüfung der Stiftung Warentest bestehen die Spielzeuge nicht.

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Skateboards (test 7/1977)

„Vom Rollbrett in den Rollstuhl“, titelte die Stiftung Warentest 1977. Skateboards sind in dieser Zeit zwar der Hit auf den deutschen Straßen, doch bleiben viele Trendsetter nicht unfallfrei. Der Bundestag diskutiert gar über ein Verbot. Schuld an Stürzen und Stößen sollen fehlende Gebrauchsanweisungen sein. Stiftung Warentest warnt vor dem „rückwärtigen Abstieg“ vom Skateboard – hierbei könnten Unbeteiligte verletzt werden – und fordert eine DIN-Norm und Skateboardparks.

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Telefonkabel-Aufroller (test 11/1977)

Das erste Schnurlos-Telefon kommt 1984 auf den Markt, Telefonkabel-Geplagte dürfen endlich aufatmen. Schon vorher hatte man ihnen Erleichterung versprochen: „Telsa“, der Kabelaufroller, sollte lange Kabel aus dem Weg räumen. Im Test fiel die gewitzte Konstruktion durch: Das Kabel war zwar weg, kam aber auch nicht wieder. Die Lebensdauer der „Telsa“-Produktion beeinflusste das nicht: Noch bevor viele Käufer sich ärgern konnten, ließ das Fernmeldeamt der Post den genehmigungspflichtigen Aufroller verbieten.

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Pop-Konzerte (test 10/1980)

Vielleicht ein Highlight im Arbeitsleben der Stiftung Warentest-Inspektoren: Anfang der 80er-Jahre testeten sie insgesamt 310 Popkonzerte. Hier verbrachten sie nicht nur gute Zeiten: Hohe Preise für kurze Auftritte, schlechte Akustik, lange Wartezeiten und mieser Service gehörten zu den Urteilen. Nicht in die Bewertung ein ging die künstlerische Qualität.

Bei der Handvoll Abmahnungen wird es wohl nicht bleiben. „Ich glaube das Problem ist sehr viel größer”, sagt Hoppe. Mindestens 15 Seiten, die vorgeben, zu testen, hat sie gerade auf ihrer Prüfliste: „Ein versteckter Hinweis, dass sich nur um einen Vergleich oder eine Zusammenstellung handelt, reicht nicht.”

Die abgemahnten Vergleichsseiten machen weiter mit ihren Daten-Tabellen und intransparenten Fantasie-Urteilen. Nur küren sie nun eben keine Testsieger mehr, sondern Vergleichssieger. Auffällig, aber wenig überraschend: Das teuerste Produkt erhält meist die beste Note. Schließlich winkt der Seite so eine höhere Provision. Zudem finden sich nur „sehr gute” oder zumindest „gute” Noten - es geht ja tatsächlich auch ums Verkaufen.

Immer wieder ist auf solchen Portalen auch von Warentests die Rede. „Wir gehen dagegen vor, wenn jemand unseren guten Namen nutzt, um seine Seite zu promoten”, sagt aber Heike von Laak von der Stiftung Warentest. „Im Grunde sind es Verkaufs-Shops.” Mit Tests hätten die Seiten am Ende gar nichts zu tun. „Ausgenutzt wird der Wunsch von Verbrauchern, möglichst schnell und umsonst im Netz an Informationen zu kommen, das ist der Anker.”

Eine andere Kategorie Seiten sind sogenannte Test-Aggregierer, die verschiedenste Testergebnisse zusammenfassen. Mit solchen Angeboten hat sich die Stiftung Warentest abfinden müssen, sagt van Laak: „Man kann rechtlich nicht dagegen vorgehen, das fällt unter das Zitatrecht.” Die Aussagekraft sei begrenzt, weil allen Tests andere Kriterien zugrunde liegen. „Manchen Leuten reicht das aber schon.”

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