Raubkopien
Windows Vista erobert Lateinamerika - illegal

Nur wenige Tage nach der offiziellen Vorstellung des neuen Windows-Betriebssystems Vista sind in Mittel- und Südamerika billige Raubkopien auf dem Markt. Zu einem Bruchteil des Preises verkaufen Schwarzhändler die illegalen Kopien und müssen dabei nicht sonderlich viel befürchten.

HB MEXIKO-STADT. „Was es auch immer ist, wir bekommen es sehr schnell“, sagt Händler Jose Luis aus Mexiko-Stadt, der die Raubkopien für neun Dollar (knapp sieben Euro) verkauft. Er zieht zwei schwarz gebrannte DVDs aus seinem nachgemachten Puma-Rucksack und lässt sie in einer Plastiktüte verschwinden. „Dabei behaupten sie immer, es ließe sich nicht kopieren.“

Microsoft hatte Vista in der vergangenen Woche für einen offiziellen Verkaufspreis von etwa 300 Euro in 70 Ländern auf den Markt gebracht. Es wurde als revolutionäres Programm für Digitalmedien und wichtigste Software-Weiterentwicklung seit Windows 95 angepriesen. In die Entwicklung hatte Microsoft etwa 4,6 Milliarden Euro investiert.

Auch in südamerikanischen Großstädten sind bereits Raubkopien des Betriebssystems im Umlauf. Im brasilianischen Sao Paulo wird die portugiesische Vista-Version „Ultimate“ von Schwarzhändlern für etwa 5,50 Euro verkauft. Die offizielle Version könne sich doch niemand leisten, sagt Carlos, der auch noch andere nachgemachte Softwareprogramme und Computerspiele im Angebot hat.

Brasilien liegt einer Gruppe multinationaler Unternehmen zufolge auf dem vierten Platz bei der Produktpiraterie - hinter China, Russland und Indien. Etwa die Hälfte aller verkauften CDs und rund 30 Prozent der DVDs sind in Brasilien Raubkopien. In Mexiko sind nach Schätzungen der Business Software Alliance etwa 65 Prozent der verkauften Software illegale Kopien. Durch die Produktpiraterie gingen der mexikanischen Wirtschaft jährlich gut 400 Millionen Euro verloren.

Die Polizei ist in mittel- und südamerikanischen Großstädten eher mit der Bekämpfung von Gewaltverbrechen beschäftigt. Vergehen wie das illegale Brennen von Filmen, Musik und Software bleiben dagegen oft unentdeckt, nicht zuletzt dank der Zahlung von Schmiergeld.

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