Regionale Stromversorger können ihre Strompakete im Viertelstundentakt anbieten
Internet-Börse erleichtert Stromhandel

Mit einem neuartigen Handelssystem könnte schon bald Bewegung in den kurzfristigen Stromhandel in Deutschland kommen. Die Internet-Plattform „Spot-Ex“ soll es den rund 900 regionalen Stromversorgern in Deutschland zum ersten Mal ermöglichen, kurzfristig Strompakete in Viertelstundenblöcken zu handeln.

FRANKFURT. Das vom US-Anbieter Tradecapture (www.tradecapture.com) in den USA bereits in Teilen eingeführte System, wurde im letzten halben Jahr für die Friedrichsdorfer Spot-Ex GmbH an die Gesetzmäßigkeiten des deutschen Handels angepasst und wird nun auf der Energiemesse „E-World“, die noch bis einschließlich Donnerstag in Essen stattfindet, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Unmittelbar danach könnte laut Geschäftsführer Marcus Croonen der Handel bereits über die Homepage »www.spot-ex.de starten.

Die Bedienung des neuen Portals ist sehr einfach. Die jeweiligen Marktteilnehmer geben über die Maske der Plattform entweder ein Angebot oder eine Anfrage einer bestimmten Strommenge zu einem bestimmten Zeitraum und zu einem bestimmten Preis ein. Die Daten werden anonymisiert und sind anschließend auf der Bildschirmmaske sichtbar. Wer zu den dargestellten Konditionen kaufen oder verkaufen möchte, der klickt einfach mit der Maus auf den so genannten „Handelsbutton“. Schon ist das Geschäft abgeschlossen. Anschließend bestätigt das System den Deal mit allen relevanten Daten.

Noch ist der so genannte Intraday-Handel, bei dem kurzfristig überschüssiger Strom verkauft oder ein Strombedarf gedeckt werden können, eine Nische innerhalb des seit 1999 liberalisierten Strommarktes. Ist der so genannte „Day-ahead-Handel“ – also der Handel über den nächsten Tag hinaus – über die European Energy Exchange (EEX), der Strombörse in Leipzig, möglich, so findet der Intraday-Handel derzeit noch ausschließlich über das Telefon statt. Marktteilnehmer kritisieren die Unübersichtlichkeit, die geringe Preistransparenz und die hohen Transaktionskosten in diesem kurzfristigen Markt. Bei der EEX beobachtet man die Entwicklung bei Spot-Ex daher mit Interesse: „Grundsätzlich brächte der Intraday-Handel mehr Flexibilität in den Stromhandel“, sagt EEX-Sprecher Stefan Nießen.

Hauptgrund dafür, dass es für den Intraday-Stromhandel bislang noch keinen automatisierte Börsenplattform gab, waren die hohen Anforderungen an die Plattform selbst: Diese muss extrem flexibel sein, um die individuellen Anbieter- und Nachfragebedürfnisse hinsichtlich Uhrzeit, Menge und Preis genau abbilden zu können. Hinzu kamen Probleme, die der kurzfristige Umschlag eines nicht lagerbaren Ware mit sich bringt und zum anderen das geringe Volumen, das der Intraday-Handel im Vergleich zum gesamten Strommarkt darstellt.

Das soll sich nur ändern. Ein wesentlicher Vorteil für den Marktteilnehmer ist, dass er mit dem Spot-Ex-Portal im Gegensatz zum bisherigen Handel per Telefon direkt das Orderbuch einsehen und sich so einen Überblick über Angebot, Preis und Nachfrage am Gesamtmarkt verschaffen kann. Ziel des Portals ist es, möglichst viele der aktuell rund 900 regionalen deutschen Stromversorger als Handelsteilnehmer für die Plattform zu gewinnen. Damit innerhalb des Handels eine möglichst hohe Liquidität gewährleistet ist, sollen zum Start laut Marcus Croonen rund 50 Unternehmen dabei sein.

Die Plattform soll noch zwei weitere Vorteile bieten: So könnte Spot-Ex den bereits bekannten Day-Ahead-Handel verfeinern. Der Clou dabei ist der viertelstundengenaue Handel gegenüber dem bisherigen Status Quo des Handels in Stundenblöcken. Des weiteren ist die neue Plattform auch im Bereich „Bilanzkreisabweichung“ einsetzbar. Hat ein Stromversorger bisher zu viel Strom gezapft, dann kann er höhere Kosten nur vermeiden, wenn er bis um 16 Uhr des folgenden Handelstages einen anderen Marktteilnehmer findet, der exakt dieselbe Menge abnehmen möchte. In der Praxis scheiterte dieses Vorhaben bislang aber am hohen Aufwand, so dass diese Möglichkeit nur bei größeren Abweichungen genutzt wurde. Auch hier soll die Spot-Ex-Plattform die Botenfunktion übernehmen, damit in diesem bisher noch wenig genutzten Bereich schon bald verstärkt gehandelt wird.

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