Ressourcenplanung
Projektleiter brauchen die Macht

Mittelständische Unternehmen planen immer öfter die Einführung von unternehmensweiten Werkzeugen zur Ressourcenplanung - so genannten ERP-Systemen. Allerdings sind die Kapazitäten, die Mittelständler für solche Projekte einsetzen können, gering. Um so wichtiger ist die gute Fokussierung durch den Projektverantwortlichen.

DÜSSELDORF. "Ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg ist die Projektleitung und deren Kompetenz", betont Rüdiger Spies, ERP-Experte bei der Experton Group. "Die Projektleitung darf nicht alleine an der IT-Abteilung aufgehängt sein", gibt er zu bedenken. Da der Erfolg von ERP-Projekten davon abhänge, ob die Unternehmen bereit sind, Geschäftsprozesse anzupassen, müsse die Realisierung auch von der Firmenleitung getragen sein. Sein Idealbild ist ein gemeinsamer Ausschuss, in dem neben dem Projektleiter auch ein Business-Verantwortlicher, Vertreter der IT-Abteilung, des Herstellers und möglicher Dienstleister sitzen. Die Projektleitung solle man aber, so seine Erfahrung, keinesfalls außer Haus geben.

Dabei sei es egal, ob wie bei SAP die Einführung durch ein Partnerunternehmen oder wie bei Intentia oder anderen durch den Hersteller selbst erfolge: Der Projektleiter aus dem eigenen Haus müsse letztendlich die Verantwortung für das Gesamtprojekt übernehmen. Ein Grund dafür sei der unterschiedliche Fokus von Herstellern und Anwendern. "Systemintegratoren haben kein Interesse daran, ein Produkt zu installieren, das nahe an den Standardprodukten ist, da sie am Service und an der Anpassung verdienen", so Spies. Ein aktives Management des Integrators durch den Kunden sei notwendig, um zu entscheiden, wo Anpassungen wirkliche Vorteile bringen.

Eine Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung sind nicht nur ausreichende Kompetenzen des Projektleiters. Reiner Martin, Mitgründer des Tübinger Beratungsunternehmens MQ Result Consulting, der zahlreiche ERP-Projekte begleitet hat, mahnt zudem Sorgfalt bei der Auswahl der Methoden und Werkzeuge an, die bei der Implementierung der Systeme verwendet werden. Einer der kritischen Punkte aus seiner Sicht sind die Programme, die zur Projektplanung und-steuerung eingesetzt werden: "Nicht alle sind gut geeignet für ERP-Projekte, da sie häufig die netzplanbasierte Abbildung von Abhängigkeiten betonen", so der Experte.

Das bedeutet, dass die Beziehungen zwischen den Arbeitspaketen exakt beschrieben werden können. Der Projektalltag sieht anders aus: Er wird schließlich davon geprägt, wie die für die Erfüllung eines Arbeitspaketes erforderlichen Einzelaufgaben bewältigt werden können. "Bei der ERP-Einführung geht es vor allem darum, Einzelaufgaben zu planen. Und zu kontrollieren, dass Dinge abgearbeitet werden", betont Martin. Auch seien die Software-Programme zur angeblichen Unterstützung der Projektleitung eher umständlich.

"Selbst SAP-Partner schlagen unterschiedliche Werkzeuge vor und setzen nicht unbedingt auf den integrierten Solution Manager", berichtet Martin. Zudem seien die Methoden und Werkzeuge, die die Hersteller liefern, häufig "auf die funktionalen Erfordernisse der Einführung und nicht auf die Erfüllung betriebswirtschaftlicher Ziele ausgelegt".

Das bedeutet: Die Softwarehersteller legen vor allem Wert darauf, dass ein reibungslos funktionierendes Produkt installiert wird. Ob die Unternehmen aber wirklich den erhofften Nutzen erzielen, sei für den Softwarehersteller oder Integratoren Nebensache. Um den Schwerpunkt aus Sicht des anwendenden Unternehmens auch richtig zu setzen, müsse der Fokus anders sein. Deshalb, so rät Martin, komme es bei der Produktauswahl nicht nur auf Kriterien wie Brancheneignung oder Tauglichkeit für die im eigenen Unternehmen vorherrschenden Produktionsweisen wie Massenproduktion oder Einzelfertigung an. Wichtig sei auch, welche Methoden und Werkzeuge bei der Einführung verwendet werden. Auch hierzu solle man Referenzen fordern, die zum eigenen Projekt passen.

Diese Weitsicht bei der Einführung zahle sich im späteren Betrieb aus. Die Methoden wirkten auch dann noch, wenn Anpassungen der Systeme vorgenommen werden oder die Datenpflege organisiert werden muss. Erst wenn das System läuft, wisse man sicher, ob es wirklich ein Erfolg sei, ergänzt Spies. Unerlässlich sei dafür vor allem die gute Schulung aller Benutzer: "Der Wert des Systems steigert sich mit der Nutzung. Wenn man das nicht beachtet, kann die Stimmung kippen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%