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Ruhe vor dem Sturm - Digitaler Polizeifunk vor der Ausschreibung

Wenn Deutschlands Polizisten einen Bankräuber jagen, kann es sein, dass der Gesuchte die Kommunikation zwischen den Beamten mithören kann und genau weiß, wo nach ihm gesucht wird. Schuld daran ist das analoge, nicht abhörsichere Funksystem, mit dem deutsche Polizisten nach wie vor arbeiten.

dpa WIEN. Wenn Deutschlands Polizisten einen Bankräuber jagen, kann es sein, dass der Gesuchte die Kommunikation zwischen den Beamten mithören kann und genau weiß, wo nach ihm gesucht wird. Schuld daran ist das analoge, nicht abhörsichere Funksystem, mit dem deutsche Polizisten nach wie vor arbeiten.

Während Polizisten im polnischen Warschau bereits über das abhörsichere Bündelfunksystem Tetra (Terrestrial Trunked Radio) miteinander kommunizieren und sogar vom Streifenwagen aus auf die Datenbanken den Innenministeriums zugreifen können, wartet die deutsche Wirtschaft auf die Ausschreibung zum Digitalfunk in der Bundesrepublik.

„Wir hoffen, dass die deutsche Regierung uns mit der Ausschreibung ein Weihnachgeschenk macht“, sagte Helmut Roche von T-Systems auf dem Tetra World Congress in Wien, der am Donnerstag in Wien zu Ende geht. Sein Unternehmen will zusammen mit Motorola Deutschland alles aus einer Hand liefern: Vom Netzaufbau bis hin zum Betrieb könne das Konsortium alles liefern. „Das weltweite Tetra-Kompetenzzentrum und die weltweite Tetra-Produktverantwortung von Motorola liegen in Berlin“, sagt Jörg Terschüren, als Vertriebsdirektor bei Motorola Deutschland für öffentliche Auftraggeber zuständig. Man sei damit in Deutschland sehr gut aufgestellt.

Konkurrent Nokia hingegen präferiert eine Lösung, wie sie bereits in Finnland praktiziert wird: Der Netzaufbau und der Betrieb wurden getrennt ausgeschrieben. „Das ist kostengünstiger“, meint Nokias Marketing-Leiter Tetra, Uwe Jakob. Er fürchtet langfristige Abhängigkeiten: „Handlungsoptionen für die Zukunft werden verwehrt.“ Eine Modularisierung gebe dem Staat die Möglichkeit, jeweils das kompetenteste Unternehmen für einen bestimmten Bereich auszuwählen.

Auf rund drei Mrd. Euro wird das Auftragsvolumen in Branchenkreisen geschätzt. Neben dem Konsortium Motorola/T-Systems und Nokia buhlen unter anderem der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und das Telekommunikationsunternehmen Vodafone um den Auftrag. Sowohl EADS als auch Vodafone setzen dabei nicht auf das Tetra-System: EADS erhofft sich Erfolg mit dem eigenen System Tetrapol und das Telekommunikationsunternehmen Vodafone will den Digitalfunk für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) über das Mobilfunknetz GSM abwickeln.

Die Branchenvereinigung Tetra MoU Association, in der sich Tetra- Unternehmen wie Nokia und Motorola zusammengeschlossen haben, hat zum 10. Geburtstag auf ihrem Kongress in Wien eine positive Bilanz gezogen, was die Verbreitung des Tetra-Systens weltweit angeht. John Cox von Tetra MoU Association sagte in Wien: „Tetra ist jetzt als weltweit führender Standard für die Kommunikation von BOS etabliert. Unsere wachsende Zahl an Mitgliedern aus mehr als 30 Ländern reflektiert die globale Verbreitung des Standards.“

Nun blickt die Branche auf Deutschland und wartet auf das Ausschreibungsverfahren. Optimisten rechnen damit, dass Anfang nächsten Jahres die Ausschreibung vorliegt. Die Hoffnung ganz aufgegeben haben wenige - auch wenn die Polizisten zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wohl noch mit altgedienter Technik für die Sicherheit der Fans sorgen müssen. Denn von der Ausschreibung bis zur Inbetriebnahme des Systems könnten nach Expertenansicht Jahre vergehen.

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