Satellitengebühr und Verschlüsselung
Hintergrund: Wo Fernsehen teurer wird

Bisher sind die laufenden Kosten für die Fernsehzuschauer übersichtlich: Zur Rundfunkgebühr von 17,03 Euro im Monat können Kabelkosten um die 14 Euro hinzukommen. Wer eine Satellitenschüssel auf Dach oder Balkon hat, kommt ohne Zusatzkosten für den Free-TV-Empfang aus. Das könnte sich bald ändern.

HB BERLIN/HAMBURG. Denn sollten die Pläne einiger deutscher Privatsender kartellrechtlich bewilligt werden, müssen vom kommenden Jahr an Millionen Haushalte mit Parabolantenne tiefer in die Tasche greifen. Wer das digitale Angebot der Sendergruppen RTL und MTV dann sehen möchte, wird bis zu 3,50 Euro im Monat an den Satellitenbetreiber zahlen müssen.

Die Verträge zwischen dem Satellitenkonzern SES Astra und den beiden Senderfamilien über die Verschlüsselung der Digitalprogramme sind bereits unterzeichnet, das Bundeskartellamt prüft das Vorhaben. Nach Astra-Angaben gibt es bereits Gespräche mit anderen Sendern. Auch die digitale Einspeisung der großen Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 in die Kabelnetze war vor gut einem halben Jahr vereinbart worden.

Kabel Deutschland (KDG), der größte Kabelnetzbetreiber im Lande, hatte seinen bisherigen Analog-Kunden damals angeboten, gegen eine einmalige Freischaltgebühr von 14,50 Euro auch das digitale Free-TV zu empfangen. Das hat sich seit dem 1. Juli geändert: Nun müssen die Kunden für den Digital-Einzelanschluss monatlich 16,90 Euro zahlen und damit etwa 2,70 Euro monatlich mehr als für den bisherigen Analogempfang. Mieter in Wohnblocks, die für den Kabelempfang einen geringeren Betrag an den Vermieter zahlen, können ein Digital-Upgrade für monatlich 4,90 Euro direkt bei KDG bestellen. Bei Kabel BW in Baden-Württemberg dagegen ist der Empfang des digitalen Free-TV weiterhin ohne Aufpreis möglich.

Verbraucherschützer sehen in den Verschlüsselungs-Plänen den Einstieg in "das weit reichende Entgelt-TV", auch die Landesmedienanstalten übten Kritik. Kartellamtschef Ulf Böge äußerte Bedenken, weil auch die Sender von Satellitengebühren profitieren könnten. Dies wies RTL am Freitag zurück und betonte die Eigenverantwortung des Satellitenbetreibers.

Neben den verschlüsselten Digitalprogrammen sollen die RTL- und MTV-Sender in einer Übergangszeit auch noch analog verbreitet werden, doch 2010 ist es damit vorbei - dann ist Fernsehen, egal ob über Satellit oder Kabel, nur noch mit einem Digitaldecoder zu empfangen.

Von den 16,4 Millionen Haushalten mit Satellitenschüssel sind nach Astra-Angaben bereits 6,4 Millionen für den digitalen Empfang ausgerüstet. In den kommenden Jahren müssten die übrigen 10 Millionen Haushalte von analog auf digital umsteigen.

Ohne Zusatzkosten wären dann möglicherweise nur noch ARD und ZDF zu empfangen, die bisher eine Grundverschlüsselung ihrer Programme ablehnen. Beide setzen auf das digitale Antennenfernsehen DVB-T, mit dem aber deutlich weniger Kanäle gesehen werden können als über Kabel und Satellit. Hinzu kommt, dass DVB-T nicht überall abseits der Ballungsgebiete empfangen werden kann. Außerdem denken Privatsender bereits über eine Verschlüsselung ihrer Programme auch auf DVB-T nach.

Mit der Verschlüsselung vollziehen die Sender eine Entwicklung, die in den meisten europäischen Staaten längst Realität ist. Nur in Deutschland und Italien ist Digital-TV über Parabolantenne unverschlüsselt. In Österreich und der Schweiz etwa wird das öffentlich-rechtliche Fernsehen auch deshalb verschlüsselt, weil so die Kosten für Sende- und Übertragungsrechte in Grenzen gehalten werden. In der Branche wird darauf verwiesen, dass es wesentlich billiger ist, Senderechte regional begrenzt einzukaufen als europaweit. So wird es in Kreisen der Kabelbetreiber bezweifelt, dass ARD und ZDF ihren strikten Widerstand gegen eine Verschlüsselung auf Dauer durchhalten können - schon aus Kostengründen.

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