Satoru Iwata
„Der Markt ist noch unerschlossen“

Das Videospiel als Familienerlebnis. Mit diesem Ansatz will Nintendo-Präsident Satoru Iwata den deutschen Mark erschließen. Im Interview spricht er über die Veränderungen der Branche, über falsche Vorstellungen von Videogames und Social Networking.

Handelsblatt: Wo steht die Videospieleindustrie heute?

Satoru Iwata: In den vergangenen drei Jahren hat sich das Gesicht der Branche verändert. Viele Dinge, die früher nicht als Themen für Videospiele galten, sind jetzt sehr erfolgreich. Das geht hin bis zum Kochkurs, dem täglichen Fitnesstraining oder Musik spielen.

Die Branche hat schon einmal auf "Edutainment" gesetzt, also sozusagen "Bildungs-Unterhaltung". Das war ein Flop. Warum soll es diesmal besser werden?

Stimmt, die Versuche gibt es schon lange. Aber die richtige Hardware hat gefehlt, damit es auch Spaß macht. Nehmen Sie unser Spiel "Gehirnjogging": Die Grundlagen zum Gedächtnistraining hatte ein japanischer Professor vor Jahren geschaffen. Wir sind durch Zufall darauf gestoßen und erkannten schnell, dass es ideal zum Nintendo DS mit seinen zwei Bildschirmen passen könnte.

Ihr Ziel ist es, dass "wenigstens einmal am Tag ein Familienmitglied" ihre Spielekonsole einschaltet. Haben Sie das geschafft?

Beinahe, aber es bleibt noch viel zu tun.

Was denn?

Viele Menschen haben noch immer falsche Vorstellungen von Videogames oder hassen sie sogar. Da müssen wir dran arbeiten.

Viel Glück, da haben Sie ja gerade in Deutschland noch eine Menge vor, ein ganz schwerer Markt ....

Wenn man in den alten Kategorieen denkt, stimmt das. Dann ist Deutschland ist ein sehr schlechter Markt für Videospiele. Aber mit unserem Ansatz des Familienerlebnisses glaube ich, dass es sogar ein guter Markt ist, weil praktisch noch nicht erschlossen. Momentan haben wir bei Nintendo die beste Ausgangssituation, um das zu ändern.

Die fernsehgebundene Spielkonsole Wii ist ein großer Erfolg. Muss bald ein Nachfolger her?

Wir haben das Limit beim Wii noch nicht erreicht. Neue Hardware ist nur dann nötig, wenn man ihr neue Tricks beibringen kann. Irgendwann gehen jedem Entwickler für jede Hardware die Ideen aus. Dann, wenn die Entwickler nach neuen Tricks verlangen, dann müssen wir da sein.

Warum hat Nintendo keinen Partner im Bereich Social Networking? Familie, Wii, Freunde, das scheint die perfekte Verbindung.

Ja, es kann wirklich sehr spannend werden, das zu verbinden. Trotzdem: In einer Welt in der alle vernetzt sind, gibt es immer einige, die sich, sagen wir mal vorsichtig, "nicht benehmen können". Das Problem wollen wir lösen, bevor wir da mitmachen. Bislang erlauben Nintendo-Konsolen nur eine Vernetzung, wenn zuvor "Freundschaftskarten" ausgetauscht wurden. Leute, die identifizierbar sind, verhalten sich online anders.

Das iPhone hat auf der Gamingmesse E3 in Los Angeles für Aufsehen gesorgt. Sie haben auch eines. Werden Sie Spiele für das iPhone produzieren?

Nein. Nintendo-Spiele laufen auf Nintendo-Hardware. Das iPhone ist ein tolles Gerät. Aber wenn die Frage ist, ob es eine gute Videokonsole ist, lautet die Antwort "nein". Am Ende des Tages ist das iPhone wieder nichts als ein Telefon.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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